27 August 2026

Fundstücke (279–282)

Diese Woche hat sich Meta bereit erklärt, an US-amerikanische Bundesstaaten achtzehn Milliarden Dollar Strafe zu zahlen, weil es seine Dienste algorithmisch darauf getrimmt hat, Kinder und Jugendliche so lange bei der Stange zu halten, bis sie süchtig nach dem Scheiß werden. Angesichts der langfristig fatalen Körperhaltung das abgebildeten jungen Mannes im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe frage ich mich, ob sich auch eine Klage gegen Samsung, Huawei und Apple lohnte. Wer sollte ernsthaft dagegen sein? Allenfalls ja wohl nur die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC).

 








Schon als wir anno 1996 hierher nach St. Pauli zogen, hing diese Preistafel an der Backsteinfassade eines Hotels in der Querstraße mitten im Rotlichtviertel. Sechs Jahre später löste der Euro die D-Mark ab, aber niemand das Schild von der Wand. Und heute, vierundzwanzig Jahre später, klammert sich diese anscheinend unantastbare Infotafel noch immer tapfer an ihren Platz. Duldsam erträgt sie (natürlich) den übers D von DM gepappten FC-St.-Pauli-Aufkleber. Doch was wäre, wenn jemand wirklich darauf bestünde, für eine Übernachtung mit Frühstück in diesem Hotel nur sechsundzwanzig Mark fünfzig, also dreizehn Euro fünfundfünfzig zu löhnen? Wenn mir mal besonders langweilig ist, stelle ich mich an die Rezeption und bekräftige, dieses Angebot unverzüglich annehmen zu wollen. Mal schaun.

 




Das Jeansjackenmodel auf diesem Werbeschild in der Hamburger U-Bahn drückt die SOS-Taste mit dem gleichen amüsiert-erregten Lächeln wie Geschlechtsgenossinnen den Dollhouse-Strippern einen Zwanni in den Ledertanga. Die genaue Ursache des zugrunde liegenden Notfalls, der das Betätigen der SOS-Taste erforderlich machte, würde mich wirklich interessieren, HVV.

 











Neulich in Ludwigslust schauten wir zunächst verwirrt auf die ungewöhnliche Dauer der Betriebsferien dieses Ladengeschäfts. Aber dann dämmerte es uns doch. Interessierte Nachmieter mögen in der Schlossstraße vorbeischauen.



 

6 Kommentare:

  1. Mich beschäftigt vor allem das Hotelschild mit den 26,50 Mark.

    Vierundzwanzig Jahre nach Einführung des Euro hängt es noch immer da und tut so, als sei währungspolitisch nichts weiter vorgefallen. Das ist keine Nachlässigkeit mehr. Das ist Standhaftigkeit.

    Ich finde deshalb den Gedanken ausgesprochen reizvoll, an der Rezeption auf diesem Preis zu bestehen. Nicht aus Geiz, sondern aus historischem Interesse. Schließlich kann man dem Gast schwer vorwerfen, ein öffentlich ausgehängtes Angebot für ein Angebot zu halten.

    Vermutlich würde spätestens nach wenigen Minuten jemand erklären, das Schild sei „nicht mehr gültig“.

    Dann wäre allerdings die spannende Frage, seit wann genau.

    Und warum es seitdem offenbar niemandem gelungen ist, eine Leiter zu finden.

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    1. Dazu möchte ich Sie bei einem Hamburgbesuch ausdrücklich ermuntern.

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    2. Eine Leiter um ein Schild knapp über Bodenhöhe abzuhängen? Das würde ich dann wirklich gern mit eigenen Augen sehen.

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  2. Bleibt nur noch eine Frage, wenn Sie aus absolut validen Gründen auf den Preis bestehen... Checken Sie dann als Schüler, Student, Jugendlicher oder Seemann ein?

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    1. Ich denke, als Aida-Kunde komme ich dem Seemann am nächsten.

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    2. Stimmt, dagegen kann es nun wirklich keine vernünftigen Einwände geben!

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