02 Januar 2008

Ich bin die Exekutive!

Neulich schlugen zwei U-Bahn-Raucher in München einen Mann halbtot, als er sie aufs Rauchverbot aufmerksam machte.

Die Hamburger Regierung empfiehlt uns Nichtrauchern das nun zur Nachahmung. Nicht das Halbtotprügeln, nein, nein, sondern das Aufmerksammachen.

Da der Senat das Rauchverbot zwar höchstselbst verhängt hat, es aber aus wahltaktischen Gründen vorerst lieber doch nicht selbst durchsetzen möchte, fordert er uns in Gestalt von Gesundheitssenatorin Birgit Schnieber-Jastram auf, ab sofort couragiert die Raucher auf ihr Fehlverhalten hinweisen.

Wir sollen also für Ole & Co. die Exekutive spielen – sprich: die Rübe hinhalten. Na ja: no risk, no fun. Ich werde also demnächst zum Raucher gehen und ihm Folgendes darlegen:


„Entschuldigen Sie, hier ist das Rauchen verboten. Auch über die reine Gesetzeslage hinaus wäre es mir lieber, Sie respektierten mein Recht auf eine durchschnittliche Lebenserwartung und setzten mich keinen krebserregenen Giften aus, nur weil Sie a) Ihre Sucht nicht in den Griff kriegen und b) auch noch darauf bestehen, Sie öffentlich ausleben zu dürfen – was es Ihrer Spezies über Jahrhunderte praktisch widerstandslos ermöglichte, öffentliche Begegnungsstätten monopolartig zu bevölkern und Menschen, denen etwas an ihrer Gesundheit sowie dem olfaktorischen Niveau ihrer Kleidung liegt, von diesen geselligen Orten fernzuhalten, auf deren risikolosen Besuch sie doch ebenfalls ein Recht hätten. Also: Wie wär’s?“

Eigentlich überzeugende Argumente. Gleichwohl könnte der Raucher eingedenk der Münchner Vorbilder zu der Überzeugung kommen, seine Fäuste und Füße seien argumentativ noch stärker aufgestellt. Doch dann zückte ich einfach überlegen lächelnd meinen stärksten Trumpf – und verwiese auf die liebsorgende Gesundheitssenatorin Schnieber-Jastram, die mir das soeben demonstrierte Vorgehen nahegelegt habe.


Wenn schon, so würde ich souverän ausführen, dann sollte der aufgebrachte Raucher doch bitte ihr seine stichhaltigen Argumente darlegen. Sie sei zu den üblichen Geschäftszeiten im Rathaus anzutreffen.

Schon morgen Abend werden Ms. Columbo und ich das übrigens alles mal testen. Wir sind schon ganz aufgeregt vor Vorfreude.

(Motiv entdeckt im Kukuun, Spielbudenplatz)


Kommentare:

  1. Herrje. Ich sehe hier nur einen aufgebrachten Nichtraucher. Ist ja furchtbar! Und dann noch diese Ausrufezeichen obendrein, scheußlich.

    Mal davon abgesehen glaube ich kaum, dass die Art von Raucher, die Sie zu derartigen Vorträgen veranlassen könnten, Sie überhaupt verstehen würden. Sie sollten den Text vielleicht besser in verschiedenen Sprachen auswendig lernen. Wer sich so aufregt, hat ja sicher auch die Zeit dazu ;-)

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  2. WER REGT SICH HIER AUF? ICH BIN DIE RUHE SELBST, VERDAMMT!

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  3. Lieber Matt,
    wie Du ja spätestens seit Deiner Atem-Erfahrung weißt, ist Entspannung in vielen Fällen angenehm und hilfreich.
    Gerade bei diesem Raucher/Nichtraucher-Interessenkonflikt geht es ja um nichts anderes.
    Die einen wollen ihre Atemzüge mit und die anderen eben ohne Nikotin ausführen.
    Da sollte sich doch hoffentlich ein entspannter Konsens finden lassen, nicht? Druck erzeugt ja bekanntlich immer Gegendruck.
    Alles Liebe aus dem Süden in den Norden,
    besser und besser, Gaba

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  4. Argumentationshilfe:

    http://www.taz.de/nc/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2008%2F01%2F02%2Fa0120&src=GI&cHash=ecada578a0

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  5. aba, die anderen dürfen gerne ihre Atemzüge mit Nikotin ausführen – solange sie mich nicht auch dazu zwingen. Ist doch eigentlich ganz einfach.

    Danke, Opa, für den Link. Das mit der Kultur stimmt ja alles. Aber reicht das Argument, um bis in alle Ewigkeit unbeteiligte Leute mitumbringen zu dürfen? Ich glaube eher nicht.

    Auch das Spritzen von Heroin hat gewisse kulturelle Verdienste. Aber würden Sie sich nicht auch dagegen wehren, wenn jeder Junkie darauf bestünde, auch Ihnen eine kleine Spritze zu verabreichen, sobald er fixt?

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  6. Daiko09:30

    Um dich mal ein wenig aufzuheitern... mit mir kannst du gerne ein rauchfreies Astra genießen, hab die Sucht vor 3 Monaten hinter mir gelassen. Herrlich ;)

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  7. Olaf10:53

    Bleibt noch die Frage, wann auf jeder Autotür in etwa folgendes steht: "Vorsicht - wenn Sie sich in dieses Fahrzeug setzen, könnten Sie bald eine(r)von x.xxx Toten, xxx.xxx mehr oder weniger schwer Verletzten oder in Gesamthöhe von x.xxx.xxx.xxx EUR Geschädigten sein. Autofahren tötet, verletzt, schädigt. Wollen Sie sich das Autofahren abgewöhnen, so rufen Sie die hotline des Bundesxxministeriums an: 0800-xxxxx"
    Und was mache ich als "Passivautofahrer" ? Wer beschützt mich vor diesen Idioten in diesen cw-wertgeglätteten Maschinen, die froh sein sollten, daß das Lenkrad rund ist, weil sie sonst die Kurve nicht kriegten ?
    Probleme über Probleme. Und das schon am dritten Januar. Das fängt ja gut an.
    Herrjeh ;-)

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  8. Andreas15:01

    Warum nur lässt fanatisches Nichtrauchertum selbst wunderbare Menschen wie unseren lieben Matt niedrig und kleinlich wirken?

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  9. Die Zahl der im Krieg auf unseren Straßen umgekommenen aktiven und passiven Verkehrsteilnehmer ist beachtlich. Davon war freilich nur ein Bruchteil der Verursacher betrunken. (Wiesheu usw.) Trotzdem fordere ich ein absolutes Ausschankverbot von Alkohol in Gastwirtschaften, Restaurants und Kneipen an Führerscheininhaber und Familienväter.

    Und die ganzen weggeworfenen Bierflaschen auf dem Kiez - ein einziges gefährliches Scherbenmeer.

    Das Spritzen von Heroin hat gewisse Verdienste? Daß ich das noch erfahren darf - man lernt kulturell eben nie aus.

    Jeder Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, ob er sich totfrisst, -raucht, -säuft oder sich im Irak die Kugel geben läßt.

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  10. früher wollte ja schon immer marlboro mit den cowboy werbungen seinen sargnägeln ein "freiheit und abenteuer" image anheften. durch das rauchverbot kommt jetzt noch der hauch "gesetzlos und verboten" hinzu. ich bin gespannt, ob dies nicht den einstieg in das rauchen für heranwachsende wieder interessanter macht als es in den letzten jahren war...

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  11. Opa, ich gebe Ihnen völlig Recht: Jeder Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, ob er SICH totfrisst, –raucht, –säuft oder sich im Irak die Kugel geben läßt.

    Aber MICH soll er dabei aber nicht belästigen. Mehr will ich doch gar nicht.

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  12. Nachbarin15:56

    Zum Rauchen und zu den Rauchern hat ein gewisser Goethe 1808 schon alles Notwendige gesagt, wie ich vor einigen Monaten dem Feuilleton meiner Lieblingszeitung entnehmen konnte; nämlich: "Aber es liegt auch in dem Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?"

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  13. Anonym16:19

    Ich habe in HH schon einem Assi die Kippe einfach aus dem Mund genommen, weil er meinte, *im* Waggon rauchen zu müssen.

    Einfach beherzt zugreifen bei den Rauchern, schließlich ist es Körperverletzung, wenn doch geraucht wird

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  14. Also Wahlfreiheit für Kneipen z.B. und nicht ein generelles Verbot für alle.

    Ich denke, damit könnten alle leben. Aber unsere Herren Politiker schaffen es ja nicht einmal, die Subventionen für den Tabakanbau in der EU zu streichen.

    Meine Freiheit endet immer dort, wo ich die Freiheit meines Nächsten beeinträchtige, nicht nur beim Rauchen.

    So einfach ist das.

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  15. dein_Koenig16:38

    wer sich in gefahr begibt, kommt darin um.....

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  16. Seltsam, diese Debatte über militante Nichtraucher. Ich kenne nur militante Raucher. :-) Leute, die anderen ihren Dreck aufdrücken wollen. Das ist so, als würde ich denen ins Badewasser p* und sagen: "Hey, cool bleiben, ihr Spaßbremsen! Seid doch mal tolerant!"

    Jedenfalls genieße ich es, endlich weggehen zu können, ohne stinkend rauszukommen. Ohne Sakkos täglich reinigen lassen zu müssen. Ohne dass das Bouquet eines Weines gleich zum Teufel ist, nur weil nebenan jemand seinen Geruchssinn zerstören will. Schon zwei Wochen L.A. im Dezember waren gastronomisch eine Wohltat, und jetzt darf ich das auch in Berlin genießen. Wunderbar.

    Insofern, Matt: Nicht beirren lassen. "Militant" sind eher die Raucher. :-)

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  17. andreas17:48

    Kleiner Tipp für alle Hobby-Denunzianten: Gestern Abend habe ich am Hamburger Berg eine Kneipe entdeckt, in der hemmungslos geraucht wurde und in der man sich nicht einmal die Mühe machte, die Aschenbecher zu verstecken. Ihr könnt Euch ja mal ein bisschen umschauen, dann findet Ihr den betreffenden Laden schon; motiviert genug seid Ihr ja anscheinend. Und vielleicht ließe sich ja auch dieser Blog umfunktionieren in eine Nachrichtenbörse für Raucherjäger?

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  18. wenn es aber orte gäbe, an denen sich menschen treffen möchten, die sich gerne gegenseitig ins badewasser p*, sollte der staat diese treffpunkte verbieten?

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  19. Interessant, dass ausgerechnet ein Raucherfreund hier das böse Wort vom Denunziantentum ins Spiel bringt. Davon war hier trotz aller Kontroversen noch nicht die Rede … ;-)

    tommy, du hast es nicht verstanden oder willst es nicht verstehen. Wer immer sich bei gegenseitigem Einverständnis ins Badewasser pieseln will: bitte schön. Aber meine Badewanne soll sauber bleiben, und wer trotzdem reinpieselt, kriegt Ärger. Außerdem geht es beim Rauchen um viel ernstere Sachen: letztlich nämlich um Krebs, Herzinfarkt und elendes Sterben. Ich weiß, das hört ihr nicht gerne, weil ihr lieber von „Kultur“ und so was faselt, aber so ist es.

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  20. lieber matt. ich habe sicher nicht vor, ihnen oder sonstwem ungefragt ins badewasser zu p*. ich bin allerdings der ansicht, dass wir keinen staatlichen eingriff benötigen, um untereinander darüber konsens zu erzielen. wenn jemand ein badehaus eröffnet und wünscht, dass dort gegenseitiges in die wanne p* erlaubt ist, so sollte dies seine entscheidung sein.

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  21. Freckert00:05

    Ich wäre für eine öffentliche Kennzeichnung aller Raucher. (Sichtbar auf der linken Brustseite des Kleidungsstückes fest aufgenäht zu tragen) Mit Unterschrift wird folgendes quittiert: "Ich verpflichte mich, das Kennzeichen sorgfältig und pfleglich zu behandeln und bei seinem Aufnähen auf das Kleidungsstück den über das Kennzeichen hinausragenden Stoffrand umzuschlagen.Das Verdecken durch Kragen, Taschen oder Aktenmappen ist strafbar"
    Bei Zuwiderhandlung droht den eine Geldbuße oder Haftstrafe bis zu sechs Wochen.
    *Ironie / Sarkasmus / Zynismus aus*

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  22. Joshuatree00:08

    www.pro-rauchfrei.de ist wohl zum Thema Denunziantentum gemeint - nicht der Blogbetreiber.

    Aber - Matt als Blauhelm mit exekutiven Machtinteressen gegen Verursacher des blauen Dunstes patrouillieren zu sehen, ängstigt mich.

    Ich verlor bis jetzt fünf Freunde und Bekannte durch Krebs und Herzinfarkt. Alle Nichtraucher. Selbst auf deren Beerdigung wurde hinterrücks gemutmaßt - scheußlich, wie diese für mich lebensunmündigen Menschen hetzen konnten.

    Bald sitzen wir alle bei cholesterinfreien Hamburgern, alkoholfreiem Bier und Wein, mümmeln dafür an einer Öko-Karotte und sprechen alle in der politisch korrekten Vernunftform. Alles wird gut ;-)

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  23. Aber wieso denn, joshuatree? Raucht doch, kein Problem. Aber verschont uns damit. Dann wird alles gut. (Übrigens sind 95 Prozent aller Lungenkrebskranken Raucher – um Ihr trauriges Argument mal statistisch einzuordnen.)

    Freckert, Ihr Vorschlag ist unnötig – die Kippe im Mund reicht doch völlig … ;-)

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  24. Joshuatree01:17

    Matt, woher haben Sie ihre fast 100%ige medizinisch-wissenschaftlich valide Bemerkung vor dem Hintergrund der verkehrstechnischen Feinstaubdiskussion und den interessanten Bemerkungen des Krebsatlas aus dem Hause DKFZ?

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  25. Wikipedia. Andere Quellen gehen bei Männern runter auf 90 Prozent.

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  26. Joshuatree02:11

    Stimmt. Oder so.

    Das soll auch so bleiben. Lungenkrebskranke wohnten ja laut Krebsatlas nie an stark befahrenen Straßen mit deutscher Dieselbelastung. Aber das ist ein anderes Thema ;-)

    Sie sehen, ich bin des Themas müde ;-)

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  27. @ Frau Nachbarin:

    Sehr richtig. Hitler war übrigens auch Nichtraucher.

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  28. Er hatte sogar Ohren. Wie Sie.

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  29. @ T(O)mmy: Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, wenn du einen Laden aufmachst, dessen Sinn es ist, dass die Leute sich ins Badewasser p* (oder, besserer Vergleich: in die Drinks). Mach einfach. Bei der bisherigen Gastronomie war es leider ein Nebeneffekt, dass eine Minderheit das unerwünschterweise tat, und da waren sogar die Getränke des Personals betroffen. :-)

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  30. 1. glaube ich, dass es eine wundervolle Geschäftsidee ist, einen Laden oder eine ganze Kette von Läden zu eröffnen, wo Leute sich gegenseitig ins Badewasser p*..
    2. würde ich die dann "Starpiss" nennen, vielleicht auch McPisser oder so. Als Nobelvariante eventuell auch "A l'eau de baigne jaune".
    3. lieber Matt, werde ich meine Tätigkeit als Ihre persönliche Bodyguarderesse auf 24 Stunden pro Tag erweitern. Selbstverständlich gilt dies auch für Ms Columbo.

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  31. Wir wollen ihn doch nur ein wenig beweihräuchern, damit er nicht alles alleine machen muß, übermorgen.

    Die Myrrhe brauch ich selber, für die Bronchien.

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  32. Anonym11:37

    Mit den Betonköpfen kann/sollte man nicht diskutieren. Die rauchen lieber weiter und gehen Pleite, anstatt gesetzeskonform und rauchfrei zu bleiben.

    Anzeige ans Ordnungsamt, und gut is:
    Lebensmittelsicherheitmitte@hamburg-mitte.hamburg.de
    Gaststaetten@hamburg-mitte.hamburg.de

    Und ansonsten erledigt sich das thema durch den Markt eh in 2 Monaten: wer so doof ist und "raucherclub" an seine Kneipe schreibt, woraufhin niemand (neues) mehr reingeht, muss auf kurz oder lang eh schließen.

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