18 Juni 2010

Schland ist gar nicht schlimm



Kaum geht die WM los, schwenken die Fans Flaggen in den deutschen Landesfarben und fahren sie an Autofenstern spazieren. Und kaum passiert das, kriegen manche Linke einen automatischen Beißreflex, der Plakate wie das abgebildete hervorbringt (Dank an Miele, der mir das Foto mailte).

Sie zeigen damit allerdings nur, wie verknöchert sie inzwischen sind. Sie sind selbst längst – auch wenn sie jung sind – zu Ewiggestrigen geworden, die gar nicht mehr merken, wie gegenstandslos ihr Eifer längst ist, wie grandios er ins Leere läuft.

Das war natürlich mal anders. Wer in den 50er und 60er Jahren die Fahne schwenkte, tat das meist zur Bemäntelung seiner braunen Vergangenheit – weil er die schwarz-weiß-rote Nazifahne nun mal nicht mehr schwenken durfte. Zurecht wandte sich die APO damals gegen das neue Staatssymbol, weil das, was ihm voranging und sich nun schwarz-rot-gold bemäntelte, noch lange nicht verarbeitet und überwunden war.

Doch was damals der Verschleierung der eigenen Vergangenheit diente, ist im Lauf der vergangenen drei, vier Jahrzehnte – oh Wunder – zum Symbol der längsten Phase parlamentarischer Demokratie in der deutschen Geschichte geworden. Wer heutzutage Schwarz-Rot-Gold schwenkt, huldigt damit – sofern er es überhaupt politisch meint – höchstens den Adenauers, Erhards, Schmidts und Merkels, ob er sie nun gewählt hat oder nicht.

Er zeigt damit demokratische Gesinnung – also das, was den Neonazis so immens zuwider ist. Deshalb sieht man auf Demos der Rechten auch niemals Schwarz-Rot-Gold, sondern immer nur Schwarz-Weiß-Rot, natürlich ohne Hakenkreuz, man will ja nicht in den demokratischen Knast …

Wenn die verknöcherte Linke sich nun aufregt über das Herzeigen eines demokratischen Symbols, zeigt sie damit nur, wie wenig sie die Entwicklung des Parlamentarismus in Deutschland begriffen hat und wie sehr sie noch in den Denkmustern der APO steckengeblieben ist.

Natürlich nichts gegen die APO: Sie war unabdingbar für die Austragung des Generationskonfliktes, der durch die personale Kontinuität nach Ende des Hitlerregimes unausweichlich wurde. Ihre Relevanz in den 60ern und 70ern ist unbestritten. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Und gerade deshalb ist es geradezu tragisch, wie jene, die sich einst zurecht als fortschrittlich betrachteten, plötzlich zu Ewiggestrigen werden; zu Linken, deren politisches Lebenselixier offensichtlich die Schimäre eines Nationalismus ist, die sie weiter aufrechterhalten müssen, um selbst nicht unterzugehen.



Diese Ewiggestrigen brauchen die Nazis – oder zumindest etwas, das sie für naziähnlich halten; und sie brauchen bedingungslos die Illusion, Schwarz-Rot-Gold sei automatisch naziähnlich. Sie brauchen diese Lebenslüge, um ihre eigene Existenz weiter rechtfertigen zu können.

Deshalb ist die Realität ihr größter Feind. Die Realität, die da lautet:

a) Die schwarz-rot-goldene Fahne steht für Demokratie, nicht für Nationalismus.
b) Jene, die momentan die Fahne schwenken, meinen nicht mal einen demokratischen Nationalstaat, sie meinen eine Fußballmannschaft.

Diese Mannschaft ist übrigens längst geprägt von einer bunten Palette von Einwandererkindern, für deren Integration und Deutungshoheit die APO in den 60ern leidenschaftlich auf die Barrikaden gegangen wäre. Fast die Hälfte des aktuellen Kaders besteht nämlich aus Spielern, von denen mindestens ein Elternteil nicht aus Deutschland stammt, sondern aus:

Polen (Klose, Podolski, Trochowski), Türkei (Özil, Taşçı), Spanien (Gomez), Brasilien (Cacau), Tunesien (Khedira), Ghana (Boateng), Bosnien und Herzegowina (Marin) oder Nigeria (Aogo).


Den organischen Zusammenhang von schwarz-rot-goldener Fahne, parlamentarischer Demokratie und multikultureller Integration wollen die Ewiggestrigen allerdings nicht begreifen. Auch nicht, dass jene, die momentan Flaggen schwenken, längst eine angenehm ironische Distanz zu diesem Symbol haben.

Sogar die despektierliche Kurzform „Schland“ für Deutschland ist längst okkupiert, ironisiert und so mit einem nachsichtigen Lächeln eingemeindet worden. Und würde ein echter Nationalist seinem Dackel (oder was immer das ist) dieses lächerliche schwarz-rot-goldene Halsband umschnallen?



Deshalb eine Bitte an die Pawlow’schen Hunde: Kämpft gern gegen die Nazis – aber bitte nicht gegen jene, die das Symbol parlamentarischer Demokratie zur Unterstützung eines Fußballteams „missbrauchen“, welches auch noch auf bestmögliche Weise Aggressionen sublimiert, die früher nur auf dem Schlachtfeld abzubauen waren.

Ich habe heute beim Fanfest übrigens eingedenk des oben abgebildeten Plakats („unverkrampfte Deutsche stinken“) mal an ein paar einschlägig vorbelasteten Fahnenträgern geschnuppert, also vor allem an Spaniern, Argentiniern, Griechen, Japanern, Italienern und natürlich Deutschen.

Und siehe da: Sie müffelten alle ähnlich. Nämlich nach Bier, Schweiß oder Tränen – doch nie nach brauner Soße.

--> Die beliebtesten Tags: Brief | Bus | Einzelhandel | Franke | Fußball | Obdachlose | Panne | Reeperbahn | Sex | Skurriles | Sprache | St. Pauli| Typen

Kommentare:

  1. Okay, hast Recht :-)

    Schöner Artikel, hat meine Meinung ein wenig geändert.

    AntwortenLöschen
  2. Sven07:28

    Endlich mal eine angebrachte Kritik über die
    "linken Spießer" von heute.
    Du hällst Dich ja sonst mit Kritik an der Schanze
    (Mai-Krawalle u.s.w.)sehr zurück.

    AntwortenLöschen
  3. Danke für diesen auf-den-Punkt-Beitrag.

    AntwortenLöschen
  4. sven08:41

    Ich glaube du gehst damit leider nur am Kern der Kritik vorbei. "Wer eine Fahne schwenkt ist Nazi", so stumpf formuliert und denkt wohl kaum einer. Die Kritik geht gegen das Konstrukt des Nationalstaats, gegen simples "wir" gegen "die", und am Ende auch gegen den speziellen Nationalstaat "Deutschland", worauf deine Kritik an der Kritik am ehesten zutreffen würde.

    AntwortenLöschen
  5. Und Bosnien und Herzegowina (Marin). Noch jemanden vergessen?

    AntwortenLöschen
  6. Matthias, danke für die Ergänzung. Habe ich noch hinzugefügt.

    AntwortenLöschen
  7. So manch einer findet den Fahnen schwenkenden Patriotismus an sich idiotisch und nicht nur den Schwarz-Rot-Goldenen. Das Schlimme ist meiner Meinung nach der in nahezu allen gesellschaftlichen Schichten vorhandene Deutsche, der pünktlich zu einem Fußballgroßereignis, latent rassistische Äußerungen inklusive, plötzlich sein meist recht eindimensionales Nationalgefühl entdeckt.

    Diese Äußerungen und dieses Verhalten gab es auch schon vor dem gegenwärtigen Fahnenmeer; mit der klassischen Doppelbeflaggung am Auto wird diesem nur noch ein Symbol gegeben und dieses zweckentfremdet.

    Wenn ich in die USA blicke, bin ich ziemlich froh, dass man hier in Deutschland recht weit davon entfernt ist, mit der Flagge als Alltagsartikel herumzuhantieren.

    Ich bin der Meinung, dass man sich über eine deutsche Fußballmanschaft, den Fußball anlässlich dieses Turniers im Allgemeinen und die parlamentarische Demokratie Deutschlands freuen kann, ohne dabei wie Captain Germany verkleidet zu sein. Diese Banalisierung eines politischen Symbols stört mich, weil sie prollig und pauschalisierend ist - und das denke ich über jede Nation, die so »feiert«.

    AntwortenLöschen
  8. Hm. Einfach währt eben doch am längsten, oder? Ich mag die geschminkten Fahnenschwinger(innen) eben deshalb nicht, weil sie ihren kleinen Abgrenzungsnationalismus (Wir sind Papst, Lena, Exportweltmeister) jetzt eben mit Fußball bemänteln.

    AntwortenLöschen
  9. Anonym09:10

    Das Thema ist Nummern zu groß für die Rückseite der Reeperbahn.

    Stefan

    AntwortenLöschen
  10. Stefan, ist das Ihre Art, „Maul halten!“ zu sagen?

    AntwortenLöschen
  11. das ist ein jack russel. also der hund.
    danke für den wirklich interessanten und aufklärenden artikel. ich war mir bisher auch immer irgendwie unsicher, wie ich das "nationalistische getue" bewerten soll, aber nun weiß ich mehr und sehe viel klarer.

    AntwortenLöschen
  12. Danny Wilde09:59

    "in den Denkmustern der APO steckengeblieben"
    Da trauen Sie den Transparentschreibern aber viel zu, Herr Matt. Um in deren Denkmustern stecken zu bleiben, müssten diese Modelinken erst mal wissen, was die APO ist. Rudi Dutschke würde weinen, sähe er, wer sich heute so alles "links" verortet.

    Was die Fahnenschwenkerei angeht: Bei den meisten ist dieser "Partyotismus" mit seinem Kollektivorgasmus doch eher Opportunismus als Patriotismus. Das Transparent ist also reiner Aktionismus. Und selbst das ist noch ein Euphemismus.

    Gruß
    Erasm... nein: Danny

    AntwortenLöschen
  13. Auch Avocadomus ist eine sehr leckere Sache.

    AntwortenLöschen
  14. Ewiggestrige gibt es eben mittlerweile in jedem Spektrum. Es ist gar nicht erstaunlich, daß viele Menschen in ihrer Vergangenheit verhaftet bleiben. Und für die Typen aus dem Fenster ist das eben die damals glorreiche APO-Zeit, in der ich das Fahnenschwenken auch so bewertet hätte wie Sie.

    Schlimm finde ich vor allem die Aggressivität, mit der dieser vollkommen unsinnige Satz dort formuliert ist. Diese Menschen, die immer 150%ig sicher sind, im allumfassenden Recht zu sein, sind mir einfach suspekt.

    Aber bzgl. Ihres Artikels stimme ich Ihnen natürlich zu 160% zu. ;)

    AntwortenLöschen
  15. Oh Mist, ich hatte mit 175 % gerechnet, mindestens!

    AntwortenLöschen
  16. The Seb10:37

    'Der Metzger von Wembley' BOATENG?!? Deutsche Nationalmannschaft? Wohl zuviel am Mezcal gelutscht?! Nix für ungut…

    "…so wurde Kevin Boateng am 30. Mai 2010 in den endgültigen WM-Kader Ghanas berufen."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kevin-Prince_Boateng

    AntwortenLöschen
  17. Noch nie etwas von seinem Bruder Jerome gehört …? Erst googeln, dann kommentieren: meistens eine sehr gute Vorgehensweise.

    AntwortenLöschen
  18. The Seb10:49

    Matt, ist das Ihre Art, „Maul halten!“ zu sagen?

    AntwortenLöschen
  19. Ich habe Sie lediglich auf einen Irrtum aufmerksam gemacht (den Sie allerdings noch immer nicht eingestanden haben).

    Bei mir darf nämlich jeder sagen, was er will, solange er sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt … ;-)

    AntwortenLöschen
  20. Oh Mann, wie peinlich! Keine Ahnung von Fußball, aber erstmal voll reinhauen. „Zuviel am Mezcal gelutscht?” kann man da nur fragen.

    AntwortenLöschen
  21. Danny Wilde11:24

    @The Seb
    "Erst googeln, dann kommentieren" =>
    Maul aufmachen unter Vorbedingung != Maul halten

    "meistens eine sehr gute Vorgehensweise" =>
    Feststellung != Vorschrift

    Mit Fußballhalbwissen an Fußballcontent rumnölen = schlechte Idee (Vorsicht: Meinung!)

    AntwortenLöschen
  22. Anonym11:33

    Zett sagt.....
    Da kann man mal sehen welch geistiges Potenzial auf der Rückseite der Reeperbahn lebt.

    AntwortenLöschen
  23. "Die schwarz-rot-goldene Fahne steht für Demokratie, nicht für Nationalismus."

    Ähh, für Demokratie? Nicht für eine bestimmte Nation, sondern nur ganz allgemein für eine Herrschaftsform? Das ist ja wohl auch Quatsch.

    Dass hierzulande bis vor vier Jahren nur Arschlöcher die deutsche Fahne geschwenkt haben, fand ich immer erfreulich. Denn Nationalstolz ist doof, egal wo.
    Das hat sich sehr schnell völlig verändert und jetzt kommen selbst Süßwaren scharzrotgold daher. Schlimm finde ich das aber nicht, denn harmloser kann die Normalisierung gar nicht erfolgen, die Motivation der Fahnenherzeiger, der deutsche Grand-Prix- und Fußballpatriotismus, scheint sich von dem dumpfen Stolz etwa britischer oder dänischer Vaterlandsliebhaber deutlich zu unterscheiden.
    Dass nun aber einige hierzulande das überhaupt nicht gut finden und in die schwarzrotgoldene Seligkeit ein wenig hineinstänkern ist doch aber auch nix, worüber man sich ereifern müsste. Deutschland ist nun mal das ehemalige Naziland, unsere Großväter und Großmütter sind mehr oder minder fast alle schuldig und das ist für mindestens die nächsten tausend Jahre schon mal ein Grund, es mit der Liebe zum deutschen Nationalstaat etwas ruhiger angehen zu lassen, oder? Wenn heute also die Mehrheit schwenkt, mosert immerhin noch eine Minderheit rum. Ist doch nur angemessen.

    AntwortenLöschen
  24. Was mich bei dem Transparent tatsächlich überrascht, ist das freimütige Bekenntnis zur Verkrampftheit.

    AntwortenLöschen
  25. The Seb12:03

    @ Danny: Erster Eintrag Googeln = Kevin-Prince. Ergo, Vorbedingung erfüllt.
    @ Matt: Sie sind doch sonst sehr genau. Die Angabe 'Jerome' fehlt einfach, die Aussage somit mindestens zweideutig wenn nicht gar missverständlich.
    @ The Seb: Klappe zu.
    @ Alle: Noch 90 Minuten bis zum Anstoß!

    AntwortenLöschen
  26. The Seb12:13

    @ Danny Wilde: Erster Treffer Google = Kevin-Prince = Vorbedingung erfüllt.
    @ Matt:
    1. Da ich Sie unter anderem für Ihren Hang zur Präzision schätze, war das Fehlen eines 'J.' oder 'Jerome' doch zumindest irritierend
    2. Irrtum hiermit eingestanden
    @ Alle: Noch 80 Minuten bis Anstoß – Yeaahh!

    AntwortenLöschen
  27. The Seb: Matt hat die Liste der Spieler der deutschen Nationalmanschaft aufgelistet. Somit ist Boateng eindeutig.

    AntwortenLöschen
  28. Martin W.12:17

    Ich möchte mich dem Beitrag des "fol3" anschließen, besonders dem letzten Absatz.

    Wobei ich ergänzen möchte, dass mir dieses Turnier nebst der Balltreter insgesamt sonstwo vorbeihumpelt.

    BTW: Muss man eigentlich als Presseprecher (!) der Nationalmannschaft besondere Qualifikationen haben, Herr Stenger?

    AntwortenLöschen
  29. Moin,
    wie gerne würde man das so sehen - und in der Tat, man meint, man kennt persönlich doch nur solche, die "ironisch und unverkrampft mit Schland umgehen" - die Wirklichkeit sieht aber wohl anders aus, beschreibt bspw. die SZ;

    "Befragte nach der WM waren nationalistischer"

    "Anhand einer zusätzlichen Umfrage im August zeigen sie, dass nach der Fußball-Weltmeisterschaft befragte Personen ,,nationalistischer eingestellt'' waren als früher Befragte. Und weiter: ,,Die Vermutung, dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt, lässt sich allerdings nicht bestätigen.'' Denn den Zusammenhang zwischen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit hatte der diesjährige ,,Party-Patriotismus'' nicht aufgebrochen."

    via http://s.ring2.de/666

    AntwortenLöschen
  30. Gunnar, natürlich meinte ich die deutsche Demokratie, ist doch (eigentlich) klar. Das Rummosern der Minderheit ist natürlich völlig okay. Meine Überlegungen sind letztlich auch nur Spekulationen über die reflexhafte Reaktion der Plakatverfasser, die mit einfachsten Mitteln abrufbar ist – und m. E. von einer verkümmerten Differenzierungsfähigkeit kündet.

    ring2, danke für den Link auf die Untersuchung. Das ist in der Tat bedenkenswert und eine wichtige Ergänzung zu meiner im Blogtext geäußerten Vermutung. Mein persönliches Erleben ist ein anderes (ohne dass ich das gegen eine wissenschaftliche Langzeituntersuchung ins Feld führen wollte): Unter meinen italienischen, türkischen, spanischen oder russischen Bekannten und Freunden herrscht der Flachs, man nimmt sich gegenseitig hoch, spöttelt über die Teams oder „die Italiener“, doch das hat mit Nationalismus soviel zu tun wie Helmut Kohl mit einem Gartengemüse.

    AntwortenLöschen
  31. Wunderbar, danke!

    Das mit den angeblichen Nationalisten, die einer multikulturellen Mannschaft zujubeln, ging mir neulich auch durch den Kopf. Und auch andersrum ist es interessant: Viele der "unverkrampften Deutschen" haben einen Zuwanderungshintergrund. Die Mannschaft und ihre Fans sind also im besten Sinn ein Spiegelbild unserer deutschen Gesellschaft. Schon allein das macht den Vorwurf von "verkapptem Nationalismus" in meinen Augen lächerlich.

    Natürlich kann man diskutieren, ob das Prinzip Nationalstaat die beste denkbare Gesellschaftsform ist. Als Klugscheißer kann man auch fragen, ob ein Fan der Nationalmannschaft unbedingt Schwarz-Rot-Gold tragen muss. Die Trikotfarben sind schließlich schwarz und weiß. Und Schland-Fan kann man auch in Jeans und rosa Polo-Shirt sein.

    Aber die Tatsache, dass die Deutschen zwischen den Turnieren noch immer sehr verhalten mit unserer Flagge umgehen, zeigt ja auch eine gewisse Distanz zur Flagge als Nationalsymbol. Für diese Distanz spricht übrigens auch, dass neuerdings zwischen Deutschland, dem Staat, und Schland, der Nationalmannschaft und ihren Fans, unterschieden wird. Und solange das so ist, kann ich an Schwarz-Rot-Gold und WM-Euphorie nichts verwerfliches finden.

    AntwortenLöschen
  32. Sich schwarzrotgoldene Stoffkondome über die Außenspiegel zu stülpen, scheint mir kein untrügliches Zeichen tiefer Reflexion über die junge deutsche Demokratie zu sein.

    Wenn es um Fußball geht, verwandeln sich die Zuschauer stets in ein Heer von Zombies, die den Feind an seinen Farben erkennen. Bei einem Wettbewerb von Nationalmannschaften kommt der Landesflagge schlicht die Bedeutung des Vereinswimpels zu.

    Wie in München die "Bayern" die "Löwen" verhöhnen und beschimpfen, geschieht das gleiche bei der WM, nur eben mit den Namen der Nationen. Und schon weist die Statistik mehr Nationalismus auf.

    Der vermeintliche Patriotismus wird so schnell verschwinden, wie er gekommen ist, spätestens wenn die WM vorbei ist.

    AntwortenLöschen
  33. Anonym23:02

    Chapeau!

    Josie

    AntwortenLöschen
  34. Joshuatree23:02

    Unglaublich verkompliziert das Ganze - und jetzt kommt auch der Blaufüssler und könnte von den Wurzeln der deutschen Demokratie in Baden quatschen...

    Faszinierend zu lesen, Matt!

    AntwortenLöschen
  35. Wiebke00:20

    Applaus....und weiter meine Fahne am Fenster lasse ;-)

    Grüße

    Wiebke

    AntwortenLöschen
  36. Anonym00:38

    Nationalismus - auch wenn er sich als Patriotismus, "gesunder Nationalstolz" oder sonstwie ähnliche Verharmlosung tarnt - ist grundweg anzulehnen.

    Dabei geht's nicht Großvaters Nazigreueltaten sondern schlicht um Nationalismus als Keim und Wegbereiter zukünftiger Konflikte.

    Deshalb ist überschwengliches Herumgeflagge schlicht zum Kotzen. Egal mit welcher Flagge und egal in welcher Nation. Auf 'ne Nation kann man genauso stolz sein oder drüber umherjubeln wie über die eigene Augenfarbe oder ähnlich Banales.

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
  37. Anonym00:40

    Linke Spießer? Ja. ja und nochmals ja! Aber die andere Seite in geradezu linker Diktion zu beschreiben, nee ... also nee ... wissen se ... neeee.

    Die Fahne als Symbol der Demokratie, das werden nicht wenige ganz anders und nur national sehen. Aber Nationalisten gleich zu Nazis zu machen, ist das nicht links? ;-)

    Hauptsächlich werden es viele eh nur als Nationalsymbol (geschichtliches Wissen darum, was ist das denn?) sehen und das im positivsten Sinne unpolitisch. Daneben gibt's aber diesen nationalistisch gesinnten Personenkreis. Leute, die Spieler mit Migrationshintergrund nur noch hinter vorgehaltener Hand als Neger oder Polake bezeichnen, aber ansonsten nach außen sowas wie politisch korrekt sind. Der geflügelte typische BILD-Leser beispielsweise.

    So sehr ich mich heute darüber amüsiert habe, daß offenbar Jugendliche mit Migrationshintergrund kein Problem damit haben im entsprechenden Dress für Deutschland zu sein, so ging mir das ganze Fan-Zeug auch auf den Keks.

    Eine herrlich leere Innenstadt (und entsprechend leere und durchstöberbare Läden) auf der einen Seite, danach eine zwar gänzlich friedliche aber bestimmende Stimmung jetzt keinen Spaß zu verstehen. So kenne ich "mein" Hamburg nicht und die nur homöopatisch auftretenden mini-Autokorsos der Serben wurden auch eher naserümpfend aufgenommen. Merkwürdig.

    Übrigens, selbst waschechte Nazis werden sich freuen, wenn "wir" Weltmeister würden. Wer die Tore gemacht hat, ist doch egal. Man schaue mal nach Italien. Die, die den stärker pigmentierten Spieler mit Affenrufen so nett empfangen, verzichten nachher auch nicht auf die Tore, die der "Affe" gemacht hat, wenn's die Endabrechnung der Saison gibt.

    Last but not least: Zustimmung @svent ("linke spiesser") und @fellow passenger ("Vereinswimpel")

    AntwortenLöschen
  38. keano02:24

    Tasci ist übrigens nicht türkisch-, sondern tunesischstämmig.
    Ansonsten: d'accord.

    AntwortenLöschen
  39. miele02:28

    zum glück ist auch die wm endlich.....

    AntwortenLöschen
  40. Paddy, was Ihre Ablehnung von Nationalismus in jeder Form angeht, bin ich völlig Ihrer Meinung. Stolz kann man höchstens sein auf ein demokratisches Gemeinwesen, dass man durch Wahlen und Teilhabe mitgestaltet hat und so fernhält von allen diktatorischen Tendenzen. Die Fahne kann man eben auch dafür als Symbol sehen.

    Doch die meisten schwenken sie – wie oben ausgeführt – für ein Fußballteam. Sie verbinden damit keinerlei politische Ambition. Und das nicht zu erkennen und zu bewerten, werfe ich den linken Spießern vor. Sie BRAUCHEN den Nationalismus als Feindbild, deshalb wird er auch dort unterstellt, wo er gar nicht vorhanden ist.

    Anonym 00:44: Man kann sich nicht schützen vor Beifall von der falschen Seite. Wenn ich mir aber so ins Gedächtnis rufe, was die NPD damals gegen den dunkelhäutigen Nationalspieler Asamoah alles veranstaltet hat, bin ich mir nicht so sicher, ob sie heute ein Cacau-Tor im Endspiel wirklich bejubeln würde.

    Keano, laut Wiki ist Tasci türkischer Abstammung. Wenn Sie Beweise für Tunesien haben, sollten Sie den Eintrag umschreiben.

    AntwortenLöschen
  41. Anonym13:08

    > [...]
    > Doch die meisten schwenken sie – wie oben
    > ausgeführt – für ein Fußballteam.

    Die meisten also. Woher kommt diese Gewissheit? Läßt sich das überhaupt wirklich trennen, oder bestehen evtl. nur graduelle Unterschiede zwischen "Für's Nationalteam Jubeln und Kampfparolen brüllen" über "Gesunden Nationalstolz empfinden" bis hin zu "Macht alle Andersfarbigen platt"?

    > Sie verbinden damit keinerlei politische
    > Ambition.

    Mag ja sein, ändert aber nichts daran, daß sie eine Nationalflagge umherschwenken. Die bleibt immer eine Nationalflagge.

    Autos mit Flaggen des offiziellen WM2010-Logos habe ich seltsamerweise noch nicht umherfahren sehen.

    Wenn sich jemand beim Karneval "ohne jegliche politische Ambitionen" als KKK-Gespenst verkleidet und ein paar brennende Holzkreuze in die Gegend stellt, ist das demnach also auch völlig OK?

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
  42. Anonym13:17

    Lieber Matt,
    mit meiner Bemerkung wollte ich keineswegs "Maul halten" sagen. Ich meinte nur, dass das Thema so vielschichtig ist, dass man dem auf einer Blog-Seite kaum gerecht werden kann. Die Vielzahl der zeigt schon, dass es hier ein Diskussionsforum brauchte. Obwohl ich schon zugeben muss, dass ich keine Lust mehr habe, mich an solchen Diskussionen zu beteiligen.

    Stefan

    PS: Was sagt denn Ms. Columbo dazu?

    AntwortenLöschen
  43. Paddy, das ist genau der Unterschied: Die Fahne kann für verschiedene Dinge stehen, für ein Fußballteam, für die parlamentariche Demokratie in Deutschland oder für Nationalismus. Wenn ich mir die Leute so anschaue, die momentan Schwarz-Rot-Gold ausstaffiert sind, dann scheinen sie überwiegend das Fußballteam zu meinen.

    Eine KKK-Kutte plus brennende Holzkreuze haben aber nur eine Bedeutung: Rassismus. Da gibt es nichts dran zu deuteln und zu interpretieren.

    AntwortenLöschen
  44. Stefan, gerade weil das Thema so vielschichtig ist, sollte es auch vielschichtigste Diskussionsformen und -foren dafür geben, auch Blogs. Es steht natürlich jedem frei, mitzudiskutieren oder gar ein Blog als dafür ungeeignet zu empfinden. Wir leben in einem freien Land. Und das ist großartig.

    Wenn Ms. Columbo etwas dazu sagen wollte, würde sie hier sicher einen Kommentar hinterlassen.

    AntwortenLöschen
  45. Anonym15:22

    > [...]
    > das ist genau der Unterschied: Die Fahne kann
    > für verschiedene Dinge stehen: ...
    > [...]

    Genau das sehen offenbar einige bis etliche (unter anderem auch ich) eben anders. Schwarz-Rot-Gold steht genau für ein Sache, nämlich das Land/die Nation die sich Bundesrepublik Deutschland nennt.

    Sie persönlich mögen dieser Flagge noch die Bedeutung "unsere WM2010-Jungs" oder "parlamentarische Demokratie" anheften, das ist dann aber ihre persönliche Deutung.

    Irgendein zurückgebliebener Fascho heftet ihr vielleicht die Bedeutung "Schmach des verlorenen WK2" an. Das sind persönliche Ansichten.

    Offiziell und absolut eindeutig steht sie nur für die Nation Deutschland. Als Nationalsymbol.

    Wenn es denn wirklich nur um Fußball ginge, warum sind dann die Autos nicht mit dem Logo der WM2010 beflaggt?. Davon ließen sich ja auch noch nationalgefärbte Variationen erstellen, mit der jeweiligen Landesflagge in einer Ecke o.ä. Für die Leute, die unbedingt anderen meinen mitteilen zu müssen, daß sie für "uns're Jungs sind".

    Wenn jeder nach belieben einfach mal die Bedeutungen von Flaggen und Symbolen nach eigenem Guttdünken umkrempeln kann und dabei gefälligst nicht von anderen in seiner Freude gestört werden darf, dann sollten hier umgehend auch Hakenkreuzfahnen wieder geschwenkt werden dürfen, denn die Swastika hat ja eigentlich eine durch und durch positive Bedeutung.

    Und auch dem politisch völlig desinteressiertem, leicht pyromanisch veranlagtem Zimmermann mit seinem Faible für spitz zulaufende, weiße Ganzkörperbettlakenkostüme müssen Sie dann das Aufstellen von brennenden Holzkreuzen in KKK-Kutte zugestehen, denn der meint das ja gar nicht so, wie sie das böswillig und spaßverderbend auffassen.

    Geschwenkte WM2010-Flaggen mit meinswegen Scharz-Rot-Gold in 'ner Ecke wären ein eindeutiges Zeichen mit eindeutiger Aussage. Wenn aber nur Schwarz-Rot-Gold geschwenkt wird ist auch diese Aussage eindeutig und kann nicht mal eben Kontextabhängig umdeklariert werden.

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
  46. Tja, da haben wir wohl einen unauflöslichen Dissens.

    AntwortenLöschen
  47. Anonym15:47

    Danke. Ich find den Habitus, sich als mutiger Kämpfer gegen den Faschismus zu präsentieren, auch absolut unerträglich und könnte jeden morgen zurückkotzen, wenn ich das Plakat sehe.

    AntwortenLöschen
  48. Und dann stolpert man über sowas ...

    http://twitpic.com/1y21ap

    AntwortenLöschen
  49. Anonym18:54

    das problem ist gar nicht die fahne. es ist dieser hype, es ist diese vereinheitlichung die mir angst macht. in der masse macht alles mögliche spass, selbst den papst zuwinken oder die nationalmannschaft umjubeln. so bleibt meine skepsis gegenüber derartigen "bewegungen", noch dazu wo ich nicht nachvollziehen kann, warum man für eine mannschaft ist, mit der man doch praktisch nichts zu tun hat. was verbindet mich mit ihr? das land jedenfalls nicht.

    AntwortenLöschen
  50. Und genau deshalb sollte jeder Deutsche das Deutschlandlied problemlos aufsingen können:

    1.Strophe
    Deutschland, Deutschland über alles,
    über alles in der Welt,
    wenn es stets zu Schutz und Trutze
    brüderlich zusammen hält.
    Von der Maas bis an die Memel, von der
    Etsch bis an den Belt.
    Deutschland, Deutschland über alles,
    über alles in der Welt.

    2.Strophe
    Deutsche Frauen, deutsche Treue,
    deutscher Wein und deutscher Sang,
    sollen in der Welt behalten ihren alten
    schönen Klang.
    Uns zu edler Tat begeistern unser ganzes
    Leben lang.
    Deutsche Frauen, deutsche Treue,
    deutscher Wein und deutscher Sang.

    3.Strophe
    Einigkeit und Recht und Freiheit für
    das deutsche Vaterland,
    danach laßt uns alle streben brüderlich mit
    Herz und Hand.
    Einigkeit und Recht und Freiheit sind
    des Glückes Unterpfand.
    Blüh' im Glanze dieses Glückes, blühe
    deutsches Vaterland!

    AntwortenLöschen
  51. Wenn es um Sport geht, doch: Das Land - als ein gemeinsamer Nenner von vielen, aber nunmal der prägnanteste. Ich zum Beispiel leide gerade fleißig mit England, weil ich Familie auf der Insel habe.

    Würde ich mich aber auf Dinge wie, zum Beispiel, den Umweltschutz beziehen, wäre das wohl eher regionaler Natur: In Sachen Wattenmeer sind mir die Niederländer näher als die Bayern.

    Alles nicht so einfach.

    Ich würde trotzdem nie auf die Idee kommen, mir eine Flagge auf den Balkon zu hängen. (Außer vielleicht die irische, wenn ich die endlich mal mit Guinness-Logo finde.)

    AntwortenLöschen
  52. Ach Schmarrn. Mag auf einige Leutchen zutreffen, aber sicher nicht auf alle.
    Ich hasse deutschlandfahneschwenkende Michels nur, weil mir viele deutsche Erfindungen zu wider sind.
    Und ich mit einem Land, das mir soviele Freiheiten genommen hat, einfach nicht sympathisieren kann.
    Daraufhin sagen die treuen Deutschen dann: "Ja, hau doch ab, wenn es dir hier nicht gefällt".
    Hatte ich auch mal vor. Aber ich bleib noch etwas, in der Hoffnung, mir zumindest einiges wieder zu holen, was mir genommen wurde.
    Ja ich hasse dieses Land, und ich hasse die Fahne.

    AntwortenLöschen
  53. @anonym 19:33 (sic!) Welche Erfindungen und welche Freiheiten? Das würde mich wirklich interessieren.

    AntwortenLöschen
  54. Anonym19:47

    (Scusi, Abmahner, gerade wurde mir das noch als "anonym" angezeigt)

    AntwortenLöschen
  55. @ramses101
    Eine Antwort auf die Fragen gibt ja schon die Website hinter meinem Link.
    Deutschlands weltweit einmalige Rechtsprechung ist ein Grund. Man interessiert sich ja meistens nur für Sachen, die einen selbst auch betreffen. Ich hab mich jedoch etwas intensiver mit der ganzen Geschichte befasst, und so auch von anderen Menschen zerstörte Existenzen und Leben erfahren.
    Dazu dann noch andere Sachen (z.B. die Schikanierung von Langzeitarbeitslosen, die ihr ganzen Leben gearbeitet haben, und nun für 1 EUR Klos putzen müssen, während zugereiste "Südländer" "nix deutsch" sagen und Jahrelang von den Behörden nicht behelligt werden, von den monatlichen Zahlungen mal abgesehen.
    (ich hab 2 Jahre lang in einer Firma gearbeitet, die 1-EUR-Jobber vermittelte und qualifizierte. Was ich da erlebt hab, erzähl ich hier jetzt garnicht erst).
    Ich könnte noch einige andere Sachen vorbringen, aber das reicht wohl erstmal, der Kommentar ist schon lang genug.

    AntwortenLöschen
  56. @Abmahner: Was die soziale Komponente angeht, könnten wir gar nicht einiger sein. Da bin ich voll auf Ihrer Linie.

    Aber ich kann auch jetzt noch nicht erkennen, was daran "deutsche Erfindung" ist (wobei ja die Sozialversicherung durchaus deutsch ist, wenn auch eher nicht aus sozialen Gründen eingeführt) oder welche Freiheit man Ihnen genommen hat.

    Ich habe alle Freiheiten dieser Welt (die logischerweise da aufhören, wo es entweder mein gesunder Menschenverstand mir sagt, oder, sollte der mal aussetzen, eben das Gesetz).

    AntwortenLöschen
  57. @ramses101
    Es ist doof das jetzt hier auszuführen, ohne das es ein Werbezug für meinen eigenen Blog wird (will ich ja garnicht hier machen, ehrlich :)).
    Mir persönlich z.B. hat deutsche Rechsprechung in ihrer weltweit einmaligen Form meine Selbstständigkeit gekostet, und mich insolvent gemacht. Ehrlich, ich hab recherchiert: Das wäre mir in keinem anderen westlichen Land passiert. Das habe ich jetzt einfach mal als "persönliche Freiheit" bezeichnet, die mir genommen wurde.
    Das klingt jetzt furchtbar verbittert, soll es aber garnicht sein. Ich kämpfe ja gerne, was auch ein Grund ist, weshalb ich nicht ausgewandert bin. Dafür sehe ich jedoch eine deutsche Fahne eher als Provokation.
    Ich behaupte auch nicht, das alles in Deutschland schlecht ist. Aber vieles.

    AntwortenLöschen
  58. Meines Erachtens hat (wie bereits mehrfach gesagt wurde) diese Fahnenschwenkerei nichts mit Bekenntnis zur in Deutschland angeblich vorhandenen Demokratie zu tun. Es geht dabei vornehmlich um Gruppenzugehörigkeit und Vorwand für gemeinschaftlichen Partytaumel.
    Gerade diese "wir" gegen "die anderen" offenbart mehreres.
    Einerseits die Doofheit der Fahnenschwenkenden, die sich irgendwie mit in Südafrika Fußballspielenden Menschen in Verbindung bringen und deren Sieg feiern um selbst nichts auf die Beine stellen zu müssen. Menschen, die auch ihr Verhältnis zu Nationen und ähnlichem wahrscheinlich nicht in den nächsten 100 Jahrne reflektieren. Schade.
    Und andererseits die, die glücklich sind, entlich Teil von irgendetwas zu sein und sich abgrenzen zu können, gegen alles, was nicht so normal (und u.a. fussballbegeistert) ist, wie sie selbst. Letzteres Vorurteil bestätigte sich beim ersten Aufeinandertreffen mit gröhlenden Fans in einem RE dieser Saison. Kaum hatten sich die verwirrten Feierwütigen darauf geeinigt, dass mein Freund und ich wohl beide Männer sind, wurden wir mit homophoben Sprüchen bedacht. Zufälle gibts.

    AntwortenLöschen
  59. Jay, Fahnenschwenker und/oder Fußballfans sind natürlich per se keine besseren Menschen. Aber sie pauschal als „doof“ abzukanzeln, trägt wenig zur Substanz der Diskussion bei. Beim Hurricane-Festival in Scheeßel haben sich am Freitag abertausende Rock- und Indiefans mit Fähnchen, Schals und Gesichtsbemalungen das Deutschlandspiel angeschaut – und dabei handelt es meist nicht um dumpfe Homophobe. Mir ging es von Anfang an um Differenzierung statt Pauschalurteile; und ich hatte gehofft, mein Text hätte das deutlich gemacht. Wenn ich Ihren Beitrag lese, schwindet meine Hoffnung allerdings. Aber vielleicht liegt es auch gar nicht an mir.

    AntwortenLöschen
  60. Anonym00:03

    Fahne schwenken ist ok, hat nix mit "Nazitum" zu tun, sollten selbst die verbohrtesten mal einsehen.
    Was mir aber ziemlich auf den Sack geht ist dieses ganze Übertreiben mit den Fahnen. 4 Flaggen am Auto, 5... sogar 6 Flaggen hab ich schon gesehen. Oder Balkone, die mit einer ganzen Flut an Flaggen geschmückt waren. Man kann's auch übertreiben.

    AntwortenLöschen
  61. meine worte... danke für den beitrag!

    -jo

    AntwortenLöschen
  62. It only takes 20 years for a liberal to become a conservative without changing a single idea. - Robert Anton Wilson -

    AntwortenLöschen
  63. Anonym10:57

    Ein wenig Patriotismus hat niemandem geschadet, seid stolz auf Deutschland.
    Ich finde Deustchland ist eine der besten demokratischen Staaten der Welt, wenn nicht die Beste.
    Ob jetzt mit der Fahne die Fußballmannschaft oder die Nation gehuldigt wird ist doch egal, die Hauptsache ist man hat irgendetwas woran man sich festhalten kann.
    Wir Menschen brauchen Gruppenzugehörigkeit und wenn wir uns dann mit einem demokratischen, sozialen und so gut es geht auch gerechten (man kann es nie allen recht manchen) identifiziert umso besser.
    Die Menschen übertreiben ab und zu ja es stimmt, aber es liegt daran weil sie es lange Zeit nicht richtig ausleben konnten. Jetzt holen sie die Jahre halt nach. Lasst die Menschen das tun damit sie sich auch weiterentwickeln.

    Rechschreibfehler und Grammatikfehler im Text dürft ihr behalten. (Ich bin nicht in Deutschland geboren aber ich bemühe mich alles richtig zuschreiben, was leider nicht immer gelingt)

    AntwortenLöschen
  64. Anonym12:51

    In Sachen "Verkrampftheit" unterscheiden sich das Plakat und Dein Text nicht sonderlich. Nur dass es die Plakatmacher immerhin geschafft haben, diese auf wenige Worte zu konzentrieren. ;-)

    AntwortenLöschen
  65. Anonym13:58

    Ich bezweifle, dass die grölenden, saufenden, rauchenden, fernsehenden und/oder öffentliche Plätze und Züge verschmutzenden Fussballfans beim Fähnleinschwenken (wobei ich nicht die Alkoholfahne meine) an so hochtrabende Dinge wie Demokratie oder Politik denken. Eher an die genannten Tätigkeiten. Insofern steht bei mir die Fahne der Fußballfans einfach für einen unreflektierten Saufpatriotismus. Jöööööh!

    Übrigens: Würden die Fans ihre Sportler als Vorbilder ansatzweise ernst nehmen, sollten sie lieber selbst Sport machen. Das wäre sinnvoll, auch hinsichtlich der Gesundheitskosten. Was sie da machen, ist genau das Gegenteil. Würden die Sportler es wie die Fans machen, gäbe es nichts zu bejubeln. Aber das ist für viele Fans wahrscheinlich schon zu viel Tiefgang.

    AntwortenLöschen
  66. Anonym14:34

    > Ein wenig Patriotismus hat niemandem geschadet
    > [...]

    Bis auf all die Kriegsopfer zumindest der letzten ~100 Jahre. Ohne Deinen "Patriotismus" hätten all die Kriegstreiber arge Probleme gehabt genug Leute für Ihre Ansinnen zu mobilisieren.

    > Wir Menschen brauchen Gruppenzugehörigkeit
    > [...]

    Aber nur bis zur Gruppengröße der eigenen Großfamilie und des eigenen Freundes- und Bekanntenkreises. Alles darüber hinaus ist so abstrakt, daß es nur zwecks Massenlenkung und -verdummung als scheinbare Gruppe instrumentalisiert wird.

    In diesem Fall vielleicht nur um den Leuten ihr Geld für idiotische Fußballdevotionalien aus den Taschen zu ziehen.

    Morgen dann vielleicht schon um im nächsten Krieg irgendwo mitzumischen und genug Kanonenfutter dafür zu generieren.

    > Lasst die Menschen das tun damit sie sich auch
    > weiterentwickeln.
    > [...]

    Nationalistische Anwandlungen sind keine Weiterentwicklung sondern ein klarer Rückschritt Richtung zunehmende Konflikte.

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
  67. Anonym15:36

    Ist das jetzt nicht "Typisch Deutsch", diese Miesmacherei ;-)

    AntwortenLöschen
  68. murry21:21

    @Paddy
    Pfff. Das ist doch dämliches Geschwätz der Armseligkeitsbrigade die meint sie könne sich moralisch gegenüber den Vorgängergenerationen erhöhen und mit mit Ihrem Kampf gegen Mohrenköpfe, Negerküsse, innere Reichsparteitäge und Deutschlandfahnen beweisen, daß sie damals garantiert im Widerstand gewesen wäre. Die meint sie beweist mit einer vorher angemeldeten Demonstration oder einer harmlosen Hausbesetzung gegen den kurzerhand zum faschistischen Feind erklärten demokratischen Rechtsstaat mindestend genauso viel Zivilcourage wie jemand der im Dritten Reich ein Dutzen Juden versteckt hat.

    Ne, tut ihr nicht. Ihr seid ein armseliger Haufen der meint wenn man sich Antifaschist nennt sei man in irgendeiner oppositionellen kämpfenden Minderheit obwohl man nur ganz normaler spiesiger Mainstream ist.

    AntwortenLöschen
  69. Anonym22:41

    Ich nenne mich weder Antifaschist, noch latsche ich bei Gutmenschendemos mit, noch meine ich in irgendeiner kämpfenden Minderheit zu sein.

    Mich widert nur das wieder immer mehr zunehmende nationalistische Getue an, weil das die Keimzelle für die nächste Phase der Kriege, Unterdrückung und Ausgrenzung sein wird.

    Das hat auch nichts mit Moral zu tun, sondern mit schlichtem Nachdenken. Hirn benutzen.

    Solange Du und Deine Gesinnungsgenossen glauben, Krieg sei nur 'ne Art hochskalierter Wirtshausprügelei, und somit etwas völlig Natürliches, wird's auf dieser Welt nicht friedlicher.

    Und solange Idio^W^W ... Patrioten ihrem Nationalismus frönen, wird's immer genug geben, die sich vor die Karren der Kriegstreiber spannen lassen, um ihr Vaterland "zu verteidigen" und ideologische "Ehre" zu schützen und ähnlichen Mumpitz.

    Genauso wie Soldaten potentielle Mörder sind, sind patriotische Flaggenschwenker potentielle Soldaten. Ohne diesen ganzen Verdummungsschwachsinn wäre die Welt schon längst 'ne ganze Ecke friedlicher.

    Und wie der spießige Mainstream aussieht, sieht man, wenn man sich mal die Insassen der ganzen Schwarz-Rot-Gold-Autos anguckt.

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
  70. simon01:18

    word, paddy.

    AntwortenLöschen
  71. Anonym01:46

    also nein...dass ich das Wort "Gesinnungsgenossen" 2010 (!!!) in einem Kommentar lesen darf...dachte, der Begriff sei Mitte der 80er ausgestorben...zu früh gefreut.

    Komme gerade aus dem Ruhrgebiet. Vollgeflaggt! Und nicht nur in schwarzrotgold: das haben die und wir überhaupt nicht nötig! Mit buntgemischter Beflaggung lebt es sich vielleicht lässiger?

    ete

    AntwortenLöschen
  72. ... nur mal als Einwurf: "Linke Spießer" ist Junge-Freiheit-Jargon. Das rülpsen die Jungrechten, wenn sie beschwören, dass die Coolen doch bitte auf ihrer Seite der Barrikade stehen sollten. Hilft aber alles nichts: Spießertum ist ebenso wie Nationalismus und Diskussionunfähigkeit immer noch meist rechts zu finden, auch wenn die Rechten sicher kein Abo mehr darauf haben.

    Und, tut mir leid, als internationalistischer Linker kann ich keine Fahne gut finden. Die Fahne, unter der Figuren wie Filbinger, Dregger und Kohl Eide ablegten, noch weniger.

    AntwortenLöschen
  73. Zahnwart, entweder es gibt linke Spießer oder nicht, und wenn ja, dann werde ich mir auch die Freiheit (übrigens ein wichtiger und oft unterschätzter Begriff!) nehmen, sie so zu nennen – und mir keinesfalls von ein paar dahergelaufenen Rechten das Vokabular für Realitätsbeschreibung vorschreiben lassen.

    Allerdings hatte ich sie „Ewiggestrige“ genannt, und das finde ich weiterhin viel treffender.

    Die meisten, die zurzeit die Fahne schwenken, unter der Figuren wie Joschka Fischer, Gustav Heinemann oder Willy Brandt vereidigt wurden, schwenken sie übrigens als Vereinsfahne, vergleichbar mit dem Impetus, mit dem die Fahne des FC St. Pauli geschwungen wird.

    AntwortenLöschen
  74. Anonym14:09

    Völlig zutreffender Beitrag.

    Traurig aber, dass in anderen, vielbeleseneren, Blogs die Rede ist von "Staatsbürgermannschaft" anstatt "Nationalmannschaft", ebenfalls im Zusammenhang mit der Tümmelei um die deutsche Flagge. Woher da der Wind ist denke ich klar.

    AntwortenLöschen
  75. In der Tat. Die rechten Hohlköpfe unterscheiden ja auch zwischen „Volksdeutschen“ und „Passdeutschen“. Dabei kommen sie ebenfalls ursprünglich aus Afrika … ;-)

    AntwortenLöschen
  76. Anonym20:33

    nationalismus auf nazis zu beschränken ist aber ein bisschen sehr kurz gedacht. und mit der schwachen begründung dass die meisten deutschlandfans ja wohl keine nazis sind der ganzen sache den nationalistischen charakter abzusprechen ebenso.

    Massen die in nationalfarben gehüllt ihrer nationalmannschaft zujubeln um dann entweder mit einem wir sind die besten gefühl oder wut auf andere länder(mannschaften) nach hause zu gehen verüben nunmal nationalistische handlungen.

    kleiner denkanstoss: fussballfans sind häufig die grössten lokalpatrioten. oder wie erklärst du dir sonst dass die leute zum absoluten grossteil ihrem eigenen verein aus ihrerer eigenen stadt bzw land zujubeln?

    auch sind schwarz rot gold nicht die farben der demokratie , das waren sie vo 160 jahren.
    nein schwarzrotgold ist die staatsflagge des staates deutschland der sich zwar demokratie nennt in dem aber das volk praktisch keinerlei macht ausübt da es nur zwischen verschiedenen parteien wählen kann welche intern die entscheidungen treffen. der parlamentarier selber ist auch nur der partei und nicht seinem gewissen verpflichtet.

    AntwortenLöschen
  77. Anonym00:39

    > Die rechten Hohlköpfe unterscheiden ja auch
    > zwischen „Volksdeutschen“ und „Passdeutschen“.
    > Dabei kommen sie ebenfalls ursprünglich aus
    > Afrika … ;-)

    Andere Leute unterscheiden zwischen SchwarzRotGold-Schwenkern, die die Flagge angeblich als Vereinswimpel sehen und denen, die sie aus nationalistischen Gründen schwenken. Dabei wedeln die alle mit dem gleichen Tuch rum. ;-)

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
  78. Genau: Und das Tuch als solches ist unschuldig, genau wie die Farben, mit denen es bedruckt ist. Entscheidend ist die Intention, mit der es geschwenkt wird.

    AntwortenLöschen
  79. Anonym04:30

    Hallo Paddy,

    Sie schrieben: "Nationalismus - auch wenn er sich als Patriotismus, "gesunder Nationalstolz" oder sonstwie ähnliche Verharmlosung tarnt - ist grundweg anzulehnen."

    Es ist ein Mechanismus zur Abgrenzung gegenüber "den Anderen" -- ähnlich wie die Zugehörigkeit zu einem Stamm, einem Verein, einer politischen Organisation oder eines Standes. Das ist uns Menschen wohl leider inhärent, abgegrenzte Gruppierungen auszubilden. Für eine nomadische oder, später, auch für eine seßhafte Stammesgesellschaft war das eine Art gegenseitiger Lebensversicherung, sich gemeinsam zu verteidigen und gemeinsam weit größere Jagdbeute zu machen. Da können Sie pikiert den Finger abspreizen, aber zehntausende Jahre alte Instinkte und Verhaltensmuster bekommen wir aus uns Menschen wohl nicht so schnell heraus, wie wir das gerne hätten.

    "Dabei geht's nicht Großvaters Nazigreueltaten sondern schlicht um Nationalismus als Keim und Wegbereiter zukünftiger Konflikte."

    Gruppenbildung und Abgrenzung sind primär Verteidigung, und erst sekundär Arbeitsteilung. Nationalismus besitzt natürlich ein Konfliktpotential, dient aber auch als Verteidigung gegenüber anderen Gruppen, die sich genau denselben Instinkten folgend abgrenzen: über Religion, politische Ansichten, Vereins-, Stammes-, oder aber auch Standesgruppen, Kasten, ... Problematisch wird so etwas im Prinzip nur dann, wenn es mit Anspruchs- oder Überlegenheitsdenken einhergeht.

    "Deshalb ist überschwengliches Herumgeflagge schlicht zum Kotzen. Egal mit welcher Flagge und egal in welcher Nation. Auf 'ne Nation kann man genauso stolz sein oder drüber umherjubeln wie über die eigene Augenfarbe oder ähnlich Banales."

    Ach, wissen Sie, wenn man etwas zu seiner Nation beträgt, und die Nation nicht allzu verkehrt ist -- vergessen Sie nicht: die schwarz-rot-goldene Nation ist, bei aller berechtigten Kritik, eines der freisten, reichsten und sozialsten Länder der Welt -- dann darf man auf seinen kleinen Beitrag durchaus stolz sein -- insbesondere dann, wenn er als Ansporn genommen wird, es morgen noch besser zu machen. Sie könnten der alten Dame von nebenan ja morgen mal den Einkauf tragen, das macht die Welt zu einem besseren Ort als hochtrabendes Gerede über Schubladen -- und löst auch diesbezügliche Verklemmungen ganz prima.

    Frage nicht, was Deine Mitbürger für Dich tun können. Frage, was Du für Deine Mitmenschen tun kannst.

    AntwortenLöschen
  80. Humorlosigkeit ist die konstitutive Eigenschaft dieser verbohrten "Linken", die nichts zum Sozialprodukt beitragen und nur unsinnige Ideologien verkaufen

    AntwortenLöschen
  81. Anonym11:52

    > [...]
    > Das ist uns Menschen wohl leider inhärent,
    > abgegrenzte Gruppierungen auszubilden. Für
    > eine nomadische oder, später, auch für eine
    > seßhafte Stammesgesellschaft [...]

    Nur ist eine Nation eben keine Stammesgesellschaft. Die "wirkliche" Gruppe, zu der Menschen dazugehören können/müssen/wollen ist die Familie und der Freundes- und Bekanntenkreis. Das entspricht eben dieser Stammesgesellschaft. Eine Nation ist viel zu groß und damit viel zu abstrakt, um da eine echte Zusammengehörigkeit draus zu konstruieren, das funktioniert nur per Ideologie und Propaganda.

    > Da können Sie pikiert den Finger abspreizen,
    > aber zehntausende Jahre alte Instinkte und
    > Verhaltensmuster bekommen wir aus uns Menschen
    > wohl nicht so schnell heraus, wie wir das
    > gerne hätten.

    Dieser 10.000 Jahre alte Instinkt umschließt keine Nation. Sondern den eigenen Stamm (Familie/Freunde) und noch ein paar benachbarte/befreundete Stämme.

    > Gruppenbildung und Abgrenzung sind primär
    > Verteidigung, und erst sekundär
    > Arbeitsteilung.
    > Nationalismus besitzt natürlich ein
    > Konfliktpotential, [...]

    Wir müssen uns nicht gegen andere Nationen verteidigen. Ebensowenig wie "Der Russe" uns überrannt hat, wird "Der Afgahne" uns überrennen.
    Oder welches neue Feindbild die Kriegstreiber dieser Welt auch immer als nächstes aufbauen werden.

    (Schon gehört, daß zufällig erhebliche Bodenschätze in Afgahnistan "entdeckt" wurden? Klar, dagegen müssen wir uns natürlich verteidigen; dagegen, daß die bösen Afgahnen - uns überrennenderweise - womöglich selbst bestimmen wollen, wem sie Ihr Lithium etc. zu welchen Preisen verkaufen).

    All die "V-Fälle" der letzten über 100 Jahre sind politisch herbeikonstruiert/-inszeniert worden.

    Die Zeiten der sich ständig gegenseitig überfallenden Stämme sind lange vorbei. Die Überreste davon sehen sie bei Hooligans und linken Krawallchaoten.

    Aber all die Patrioten (entweder wegen wirklicher Dummheit oder wohl meist wegen jugendlicher Naivität) lassen sich mit genau dem Argument von den wahren Kriegstreibern (und das sind nicht die gegnerischen Soldaten/Bevölkerung, sondern die eigenen und die gegnerischen Politiker und Industrievorstände) ständig aufs neue zu Kriegen instrumentalisieren.

    > Problematisch wird so etwas im Prinzip nur
    > dann, wenn es mit Anspruchs- oder
    > Überlegenheitsdenken einhergeht.

    Das ist im Nationalismus mitinbegriffen. Deshalb wird er ja so gern als Kriegsmittel eingesetzt, immer wieder aufs Neue.

    > Frage nicht, was Deine Mitbürger für Dich tun
    > können. Frage, was Du für Deine Mitmenschen
    > tun kannst.

    Z.B. ihnen immer wieder aufs neue zeigen, daß nationale V-Fälle absolut nichts mit Mechanismen auf Stammesebene zu tun haben.

    Ein Krieg ist keine hochskalierte Wirtshausschlägerei o.ä. Aber das ist *das* Argument mit dem Kriegsbefürworter immer als erstes kommen ("Was würdest Du denn machen wenn irgendwer Deine Familie angreift?" Dem würde ich natürlich was vor den Latz knallen).

    Aber das hat absolut nichts mit den Ursachen "kriegsähnlicher Zustände" und ähnlichem Propagandageschwätz zu tun; all die "Terroristen" sind nach eigener Ansicht Freiheitskänpfer; woran das wohl liegen mag ...

    Und Nationalflaggen Schwenken ist ein oft genug erfolgreich angewandtes Mittel um den Leuten eben den Blick dafür zu nehmen und kritsche Stimmen zum verstummen zu bringen. Sieht man ja auch an der hiesigen "Diskussion". Alle Leute, die das mit dem Flagge schwenken doof finden sollen gefälligst das Maul halten und sind außerdem eh nur blöde Spießer und Spaßbremsen.

    Der Mechanismus funktioniert also noch wunderbar und es gibt noch viel zu bekriegen, paßt doch also bestens, gelle?

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
  82. Paddy, ich geben Ihnen in vielem Recht – aber nicht darin, „all die "V-Fälle" der letzten über 100 Jahre sind politisch herbeikonstruiert/-inszeniert worden“.

    Fragen Sie doch bitte mal die Polen, Tschechen, Holländer, Briten, Russen, Franzosen etc., ob ihr „V-Fall“ in den Jahren 1939 bis 1945 nur herbeikonstruiert war …

    AntwortenLöschen
  83. Anonym13:57

    Es ist ja nicht so gewesen, daß der Ansichtskartenmaler aus Österreich 1939 von heut' auf morgen aus dem Nichts auftauchte (und bis dahin im luftleeren Raum agierte) und das ganze Deutsche Volk vor lauter Freunde alle seine Nachbarn wie eine Horde Fußballhooligans vermöbelte.

    Ohne Unterstützung aus Politik und Industrie (die diese Unterstützung zwecks erhoffter Gewinne gewährte) hätte der WK2 wohl eher nicht stattgefunden.

    Und insofern waren die V-Fälle damals eher doch alle politisch herbeikonstruiert. Wenn sich nicht etliche Kräfte in den damaligen Machtsystemen eigenen Gewinn durch das Tun der nationalistischen Irren versprochen hätten, wäre der österreichische Kasper wohl nie so weit gekommen.

    Da dürfen sich die Polen, Tschechen, Holländer, Briten, Franzosen usw. auch bei ihren eigenen Machteliten der damaligen Zeit bedanken, die es soweit kommen ließen.

    Gruß Paddy

    PS: es gab vor etlichen Jahren mal eine Reihe im GEO über WK2, und im Zuge des FreedomOfInformationActs tauch(t)en da wohl nach und nach Akten in den USA auf, die darauf hindeuten, daß Pearl Harbour keineswegs überraschend kam, sondern bewußt zugelassen wurde um endlich auch einen offiziellen Grund zum Kriegsbeitritt zu haben.

    Da sind damals wohl an recht hoher Stelle die Infos der längst entschlüsselten Funknachrichten der Japaner bewußt nicht weitergeleitet worden.

    Die damals modernen Schiffe wurden auch einige Tage vorher in ein Manöver beordert, und nur das schwimmende Alteisen aus WK1-Zeiten wurde in Pearl Harbour liegen gelassen. Als Köder/Bauernopfer.

    Das stand mal so im GEO aber seit dem WarOnTerror
    sind wohl auch wieder etliche Akten erneut in der Versenkung verschwunden.

    AntwortenLöschen
  84. Germany: 100 Points. Sehr gelungener Artikel.

    AntwortenLöschen
  85. Anonym12:25

    paddy bei deinen beiträgen weiss mann wirklich nicht mehr ob mann lachen oder weinen soll....gott, bitte lass es hirn regnen.....

    AntwortenLöschen
  86. Anonym18:25

    Schöner kann man es nicht schreiben, Herr Wagner.

    AntwortenLöschen
  87. miele23:34

    genau jetzt feiern die gehirnamputierten auf dem kiez....autokorso....schwachmaten unter sich....

    AntwortenLöschen
  88. Anonym02:51

    > Und insofern waren die V-Fälle damals eher
    > doch alle politisch herbeikonstruiert. Wenn
    > sich nicht etliche Kräfte in den damaligen
    > Machtsystemen eigenen Gewinn durch das Tun der
    > nationalistischen Irren versprochen hätten,
    > wäre der österreichische Kasper wohl nie so
    > weit gekommen.

    > Da dürfen sich die Polen, Tschechen,
    > Holländer, Briten, Franzosen usw. auch bei
    > ihren eigenen Machteliten der damaligen Zeit
    > bedanken, die es soweit kommen ließen.


    Achso, die Machteliten der überfallenen Völker haben sich eigenen Gewinn davon versprochen, dass sie Hitler bis '39 gewähren ließen.

    Verraten Sie uns doch einmal, paddy, in welcher Weise zB die niederländische Regierung Hitler gefördert hat und was sie stattdessen hätte tun sollen, um seinen Aufstieg und/oder die deutsche Wiederbewaffnung zu stoppen?

    Und die Dänen? Die Belgier? Die Norweger? Alle von ihren "Machteliten" in den Krieg getrieben?
    Oder was hätten die jeweiligen Regierungen genau machen sollen? So ein Zufall, die europäischen Länder ohne Verteidigungsfall waren die, die sich direkt mit Nazideutschland arrangiert haben - wie in den Fällen der Slowakei, Ungarns, Rumäniens etc.

    Denn für viele kleinere Länder war das so ziemlich die einzige Wahl: Sich zu arrangieren bzw. erpressen lassen oder angegriffen und besetzt zu werden.

    Ich habe es versucht, paddy, aber man *kann* ihre Worte nicht anders verstehen als so, dass den diversen von Deutschland überfallenen Nachbarländern die Mitschuld am Krieg zufällt, weil ihre (vielfach parlamentarischen) Regierungen nicht irgendetwas gegen die deutsche Regierung unternommen und dann den Verteidigungsfall "herbeikonstruiert" haben.

    paddy, zu Ihren Gunsten will ich annehmen, Sie sind historisch komplett verblendet und haben überhaupt keine Ahnung, wovon Sie da reden. Denn als Alternative wären Sie einer zynischsten, widerwärtigsten Unmenschen, die mir je online untergekommen sind.

    Jörg

    P.S. Matt, ich weiß, dass dieser Beitrag weit wegführt vom Thema Ihres Postings, aber paddys Geschichtsklitterung ist dann doch zu derb, um sie unwidersprochen durchrutschen zu lassen.

    AntwortenLöschen
  89. Genau aus diesem Grund hatte ich mich nicht mehr dazu geäußert. Doch wenn, dann wäre es in Ihrem Sinne gewesen.

    AntwortenLöschen
  90. Modelverhunzer18:15

    Danke. Sehr schön auf den Punkt gebracht.

    AntwortenLöschen
  91. Anonym20:51

    Oh man vom Fußball zu den Nazis, viele von euch können es nicht unterscheiden. Ich glaube das ist eher das Problem.
    @ paddy
    Mit weiterentwickeln meinte ich: Sie merken irgendwann das es sinnlos ist Sachen so zu übertreiben und es wird langweilig und sie suchen sich andere Möglichkeiten um sich auszudrücken (und ich denke zivilisierte Möglichkeiten, bin halt ein Optimist).
    Also, dass wir Menschen unsere Gruppenzugehörigkeit nur auf die Familie reduzieren sollen/müssen ist wohl eher zu kleinkarriert.
    Irgendwann wird es soweit sein das wir in einem kommunistischen Welt, wie in Star Trek, leben werden, wenn wir sie vorher nicht zerstören. Bis dahin brauchen wir Nationen um nicht verloren zu gehen. Ich mag die Grenzen (Nationen) auch nicht aber die Welt ist noch nicht soweit. Wenn ich mir in vielen Ländern die Dörfer, Kleinstädte etc. anschaue oder davon lese dann staune ich noch über was für vergangenheitsorientierte Denkweisen die Menschen haben. Deshalb ist Deutschland auch ein sehr gutes Land da man hier alles sagen und denken kann OHNE ein Staatsfeind zu sein, wie in vielen DEMOKRATISCHEN Ländern der Fall ist, auch in Europa.

    AntwortenLöschen
  92. Anonym20:52

    ganz unten: "nicht der Fall ist"

    AntwortenLöschen
  93. earendil10:45

    "Die schwarz-rot-goldene Fahne steht für Demokratie, nicht für Nationalismus."

    Oh Heimatland, das ist echt das dämlichste, was ich seit langem im Netz gelesen habe, und das will ja wirklich was heißen. Als ob Nationalismus keiner mehr ist, wenn er sich auf eine demokratische Nation bezieht...

    Es bleibt dabei: Staat. Nation. Kapital. Scheiße. (Und in die Aufzählung kann man gut und gerne die Demokratie noch mit reinnehmen.)

    AntwortenLöschen
  94. Ach, und die Diktatur nicht …?

    AntwortenLöschen
  95. Anonym01:46

    There is no good system than a sound system...

    AntwortenLöschen
  96. Mein Kreislaufsystem halte ich auch für ganz okay.

    AntwortenLöschen
  97. miele00:15

    das deutsche bruttosozialglück ist heute abend gegen spanien endlich auf null gefallen...

    AntwortenLöschen
  98. Anonym12:53

    Wenn deutschland kein grund zum feiern ist dann sicher wegen leuten die solche plakate aufhängen, hier den kopletten schwachsinn schreiben , irgendwelche statistiken ausgraben und alle fakten stumpf wegignorieren: haben wir nicht schon nach der WM im eigenen land gesehen das auf einmal alle nazis wurden die vorher fahneschwenkenderweise gefeiert haben...ja ich kenne viele, hunderte, tausende....*lach*
    Es gibt eine recht einfache definition für solche plakate, aussagen und verhalten – „intoleranz“
    Und da brummt sich dann die frage auf: Gab es nicht schonmal so eine intoleranz in der deutschen vergangenheit? sollte man daraus eigentlich nix gelernt haben....? was war das noch? Wie nannte mann diese leute noch?
    Und das ganze in unserem schönen viertel....das ist wirklich sehr traurig aber die allgemein zunehmende volksverdummung macht auch hier nicht halt.
    desweiteren frage ich mich: wenn unverkrampfte deutsche stinken?! Können sich diese heranwachsenden „ möchtegern linken“, „rechten“ eh „fucking selber nazis“dann eigentlich selber riechen (mal abgesehen davon das sie immer ziemlich ungewaschen aussehen :)
    wenn sie völlig unverkrampft und ungehemmt am fenster stehen und nach gewonnen spielen die leute mit wasser bespritzen, dumme , unsinnige sprüche klopfen....oder nach verlorenen auslachen (obwohl ein 4ter platz ja gar nicht schlecht ist)???????
    wie gesagt in unserem land gibt es leider auch sehr viele sagen wir mal „einfache menschen“ und von daher sollte man das ganze einfach nicht so ernste nehmen. Es ist und bleibt eine intolerante minderheit.... sie wollen provozieren , nicht mehr nicht weniger.....alle anderen laufen an diesem plakat vorbei, bleiben stehen, schütteln den kopf, fangen an zu grinsen und gehen mit einem „ oh gott sind die wirklich so dumm“ weiter...........ich finde deinen artikel zumindest super und der rest von st pauli hat sich über eine schöne WM gefreut. für die ewig gestrigen sehen mir diese zugezogenen buben aber einbischen jung aus .....

    AntwortenLöschen
  99. „Ewiggestrig“ ist halt keine Frage des Geburtsdatums, sondern eine der Geisteshaltung. Und längst überkommene Weltbilder können sich leicht weitervererben; das zeigt die Erfahrung.

    AntwortenLöschen
  100. miele23:16

    ich bin nicht Ewiggestrig...
    habe nur Patrioten + Fahnenallergie...
    wegen allgemeinem Dummpfbackenalarm...

    AntwortenLöschen
  101. Wer nicht merkt, dass es nicht nur Dumpfbacken sind, sondern Teenies und Twens, Türken und Tunesier, Partyhengste und Familienväter, Linke und Liberale: Der merkt eh nichts mehr.

    Jetzt hat es übrigens auch der Spiegel inzwischen bemerkt:

    „Viele Aktionen und Initiativen rund um die WM bewiesen Phantasie und Kreativität. Und so wurde der eigentümliche Neologismus "Schland", eine Mischung aus Verballhornung, Ironisierung und rhythmischer Notwendigkeit (um Lenas "Satellite" für einen WM-Song zu covern) zum Schlachtruf einer neuen Generation. Er drückt das Bedürfnis nach einer Identifikation aus, die weder die alte "Nation" bieten kann, noch die offenkundig anachronistischen - und ziemlich hohlen - Versprechen einer Wohlstands- und Wellness-Gesellschaft, die sich vorwiegend um sich selbst dreht und jederzeit in die Krise stürzen kann.

    Wer die jungen Feiernden auf dem Berliner Kurfürstendamm gesehen hat, die nach dem 4:0 gegen Argentinien zu Tausenden ihrer Begeisterung freien Lauf ließen, ahnte etwas von jener Sehnsucht nach einem Gemeinschaftsgefühl, das über Familie, Job und Verein hinausgeht, ohne dabei irgendeinem neuen alten Fetisch hinterherzulaufen.

    Die WM 2010 hat zwar das erhoffte Sommermärchen nicht vollendet, aber ein geheimnisvolles Kürzel für die Leerstelle hinterlassen, die es nun zu füllen gilt: Schland.“

    AntwortenLöschen
  102. miele21:53

    sehnsucht nach gemeinschaftsgefühl hatten die anno 33 auch....
    mir ist egal ob `"Teenies und Twens, Türken und Tunesier, Partyhengste und Familienväter, Linke und Liberale"
    so wie die auf dem kiez gefeiert haben...
    so wie die sich aufgeführt haben...
    besten dank...
    die dumpfbacken zu nennen ist da noch echt nett und freundlich...

    AntwortenLöschen
  103. Das 'Wir'-Gefühl, die wollen doch nur feiern, ja?
    http://npd-blog.info/2010/07/06/wm-npd-wirkungstreffer-101/

    AntwortenLöschen
  104. DIE natürlich nicht. Aber gerade Ihnen traute ich die Differenzierungsfähigkeit bisher zu.

    AntwortenLöschen
  105. Es waren ja eben nicht nur DIE.. Es war eine spontane Rotte (Augenzeugenaussage). – Stop – Differenzierungsfähigkeit weiterhin unbeschadet erhalten, kein Grund zur Besorgnis. – Stop – Informationsstreuung über solche Fälle dennoch von Nöten. – Stop – Höchstselbst angespuckt worden aufgrund euphorischen Mangels auf Heimweg (wollte nicht küssen), der zwangsläufig Feiermeile. – Stop –

    AntwortenLöschen
  106. Anonym15:20

    Ich muss mich zum obrigem post korrigieren. Ewiggestrig trifft den nagel auf den kopf....die bestätigung lieferten die herrschaften malwieder gleich selber mit. Nachdem das plakat am wochenende leichten sturmschaden genommen hat wäre ja nun, mittlerweile ist die WM ja gut eine woche vorbei, der richtige zeitpunkt gekommen es abzuhängen. Alle fressen abgeschminkt, fähnchen sind eingepackt nur die ewiggestrigen trauern noch der schönen zeit hinterher als man (ihrer meinung nach) ganz ungeniert die leute auf der strasse beschimpfen konnte....naja gucken wir mal wann auch sie verstanden haben das der „spuk“ vorbei ist oder man lässt es einfach noch 2 jahre hängen, dann ist man der zeit ja wieder weit vorraus :)

    Zu dem letzten link kann ich nur sagen : keine überraschung – wie auch schon oben im ersten post beschrieben habe ich gesehen wie diese provokationen vonstatten gehen....das problem ist leider das sich die leute auf das niveau ihres gegenübers herablassen, es ist traurig aber so ist es halt. Wenn jetzt jemand solche plakate aufhängt und dazu noch provozierenderweise am fenster steht , gröllt, spuckt mit wasser schmeisst (hier ja angeblich noch mit bierflaschen)....ja dann ist es nur eine frage derzeit bis die leute sich darauf herablassen und nazi parollen gröllen obwohl sie keine sind - das ist schlecht, sehr schlecht, sehr traurig. Auf der anderen seite ist es aber auch NIX besser plakate mit „deutschland verrecke“ oder wie hier abgebilded aufzuhängen und das ist nunmal „fucking fakt“ – geile wort kombo :) einfach nur das andere extrem, am ende aber GLEICH bescheuert! das problem ist nur nazis wissen das sie scheisse sind, die linken glauben das das was sie tun schon in ordung sei selbst wenn die grenze schon weit überschritten ist. Ich kann euch nur sagen es ist ein kleines wunder dass so etwas nicht in der b-n-st passiert ist so armselig wie die jungs sich nach den spielen aufgeführt haben.....ich habe es ja nun schon geschrieben .... sie wollen provozieren und darauf gibt es meistens eine reaktion....ich möchte nicht gut heissen was dort passiert ist aber die schuld an der situation muss ich leider den provokateuren geben.... ich habe jedenfalls ohne diese zugabe keine fussballfans, die verbotene strophe der nationalhymne, singenderweise durch unsere strassen ziehen sehen, du etwa ?.... wer trägt nun deiner meinung nach die schuld daran ..... kapiert?????
    Um mich dem vorschreiber anzuschliessen –stop-

    AntwortenLöschen