21 Februar 2026

Und wieder einmal nahe null

Jahre nachdem mein erster Versuch, mir testweise einen alkoholfreien Wein einzuflößen, wegen unmittelbar einsetzenden Speizwangs desaströs gescheitert war, wagte ich es unlängst erneut. Anlass war das gut gemeinte Geschenk eines fachkundigen Freundes, der mir hoffnungsfroh einen Pugibet Mademoiselle Sophie Rosé mit null Umdrehungen überreicht hatte (erstes Foto).

Nach meinem schmallippigen Dankeschön stellte ich die Flasche erst einmal beiseite. Elf Monate lang, um genau zu sein. Irgendwann wurde das Gefühl, meinem Freund ein Feedback schuldig zu sein, allerdings recht bedrängend. Also entkorkte ich den Pugibet. Und schmecke da: So schlecht wie bang erwartet war das rosa Schaumgetränk gar nicht. Sein halbtrockener Charakter übertünchte halbwegs die üblichen bittersauren Fehltöne, mit denen jeder anständige Wein sich zu Recht gegen den gewaltsamen Entzug seines zuvor in mühsamer Gärarbeit erworbenen C₂H₅OH wehrt.

Gab es auf diesem Gebiet etwa wirklich inzwischen etwas Trinkbares? Ich fühlte mich neu ermuntert, das herauszufinden, zumal meine Erfahrungen mit alkoholfreiem Bier zuletzt zunehmend erfreulicher geworden waren (Jever Fun, Perlenbacher). Vielleicht hatte sich ja auch auf Traubenbasis was getan; die Chemie ist ja eine Wunderwissenschaft. Diesmal orderte ich bei einem einschlägigen Händler ein Probierpaket mit drei Weinen, die siegreich aus einer Verkostung hervorgegangen waren. Expertise: Sie ist ja so wichtig.

Doch ach, es war wieder zum Weinen. Zwei der drei Sorten musste ich bereits nach dem ersten Schluck dem Ausguss übergeben (sic!), nur dem Pinot Bianco von Nett aus Duttweiler (zweites Foto) vermochte ich mit Ach und Krach und über mehrere Tage den Garaus zu machen. Ob es sich beim Wort „Reverse“ auf dessen Etikett um ein Wortspiel oder einen Tippfehler handelt, interessiert mich angesichts dieser Erfahrung nicht mehr die Bohne. Das dürfen Sie die KI gern selbst fragen.

Mein auf einem weiterhin sehr schmalen empirischen Fundament ruhendes Fazit lautet: Je trockener ein Wein ausgebaut ist, desto fataler wirkt sich die Ethanolabsenz auf seine Genießbarkeit aus. 

Sollten auch Sie sich also einmal in diese seltsame und (un)gefährliche Welt der alkoholfreien Weine begeben wollen, so achten Sie in Bacchus Namen wenigstens auf ordentlich Oechsle.





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