18 Juni 2018

Pareidolie (124-129)

Diese Serie liegt trotz ihres durchaus erfreulichen Zuspruchs schon seit anderthalb Ewigkeiten entsetzlich brach, genauer gesagt seit August 2017. 

Um das nonchalant zu übertünchen, kommen heute gleich sechs Pareidolien auf einmal. 

Aber natürlich reicht keine davon heran an die grandiose Sammlung der unvergleichlichen Pareidolie-Tante aus Wien.








03 Juni 2018

Er macht mich ECHT fertig!

Der holländische Käseshop, der sich seit Dezember 2016 (als ich erstmals dort vorstellig wurde) beharrlich meinem Angebot, seinen rührend katastrophalen Newsletter zu korrigieren, verweigert (die traurige dreiteilige Geschichte meiner Zurückweisung und ihrer Folgen finden Sie hier), verfolgt weiterhin eine höchst düpierende Strategie: 

Er macht mich fertig. 
Mit jedem Newsletter, jeder Mail, jeder Onlineausgabe. 
Immer wieder aufs Neue. 
Mehrfach monatlich.

Als neusten Coup hat er sich nun eine an Un- und Wirrsinn nicht zu überbietende Übersicht der holländischen Käsemärkte einfallen lassen. Diesen übelriechenden Haufen vergammelter Separatorensemantik dokumentiere ich unten mithilfe beweiskräftiger Bildschirmfotos, sonst wäre das ja definitv nicht zu glauben. Selbst für die hartgesottenen Nerds nicht, denen es seit Jahren nicht gelingt, den Google-Übersetzer ordentlich zu programmieren.




Sollten Sie, meine Damen und Herren, in der Lage sein, die in diesen Screenshots des Schreckens dokumentierte Riesenhalde aus Sprachpartikelmüll in verständliches Deutsch zu verwandeln, gehören Sie hierzulande wahrscheinlich zu den Gebenedeiten unter den Sprachkünstlern und sollten künftig James Joyce übersetzen. Beginnen Sie bitte mit „Finnegan’s Wake“.

In diesem Fall bewerben doch bitte unbedingt SIE sich beim Käseshop um den Korrektorenjob. Auch wenn er, wie ich mithilfe einer Antwortmail mühelos nachweisen könnte, noch niemals ausgeschrieben wurde.

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25 Mai 2018

Der den Ständer hasst

Normalerweise hat gerade hier auf St. Pauli nix und niemand Probleme mit einem Ständer. Im Gegenteil: Bei vielen kieztypischen Freizeitangeboten rund um die Reeperbahn ist er geradezu essentiell. 

Doch irgendjemand zieht hier gerade über den Kiez und schneidet Ständer ab – einstweilen erst mal die von Fahrrädern.

Schlimm genug. Manchmal lässt derjenige – ich benutzte hier ganz bewusst das generische Geschlecht, liebe Genderer, also verzichten Sie bitte auf einen Shitstorm – manchmal also lässt der Ständerkiller das Amputat sogar einfach achtlos zurück. Es bleibt auf dem Gehweg liegen als stummer Zeuge einer fehlgeleiteten Kastrationsfantasie, an der die freudianisch geprägten Vertreter der Psychiatrie gewiss ihre stille Freude hätten.

Und so geht es auch mir, wenn ich ehrlich sein soll. Ich erführe allzu gerne Ursache, Sinn und Zweck dieser schwer behämmerten Freizeitgestaltung. Denn nach und nach zwingt sie uns Kiezradler alle dazu, bei jedem Halt nach einem immobilen Gestänge oder Gewächs zum Anlehnen zu suchen, statt unser Fahrrad einfach mal auf freier Fläche zwischenparken zu können. Ich weiß nicht, ob der Täter das bedacht hat, aber in der Sahara hätten wir jetzt echt Probleme, Mann.

Mein Interesse an der Motivation des Ständermörders ist übrigens ein durchaus ernsthaftes. Mithilfe der Kommentarfunktion unten gibt es für Sie, der Sie sich jetzt unweigerlich angesprochen fühlen, die rechtssichere Möglichkeit, mich und das interessierte Publikum dieses Blogs über die Hintergründe Ihres Tuns und Lassens aufzuklären.

Dank der Anonymität, die ich Ihnen hiermit DSGVO-kompatibel zusichere (siehe dazu den neuen seitenlangen Sermon in der Spalte links), brauchen Sie dabei auch kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Mein Dank vorab. Und jetzt steigt die Spannung.





17 Mai 2018

Die gemütlichsten Ecken von St. Pauli (134)



Genau hier, meine Damen und Herren, soll schon in drei Wochen während der Fußball-WM das Hamburger Fanfest stattfinden. 

Na, denn man tau.


07 Mai 2018

Was mir heute den Tag gerettet hat

Eine nur für Nichteingeweihte kryptische Kürzest-SMS des Franken (sie bestand nur aus dem Wort „Penny“) bewog mich heute, sofort den gleichnamigen Supermarkt an der Reeperbahn aufzusuchen, um dort rücksichtslos durch die zu Sonderpreisen angebotenen Bestände meiner Lieblingsschokolade zu marodieren. Ich hatte die Botschaft des Franken also richtig gedeutet.

Auf dem Weg zu Penny, nämlich an der Fußgängerampel eingangs der Silbersackstraße, gingen zwei junge Frauen an mir vorüber, die wohl noch nicht einmal die Marke von 20 Lenzen erreicht hatten. Sie unterhielten sich miteinander über irgendetwas, das ich nicht verstand, doch auf einmal wehte ein kleines Satzfragment zu mir herüber, das mir nicht nur den Tag rettete, sondern möglicherweise – das wird sich noch herausstellen – auch den Glauben an diese ganze Generation zurückzugeben in der Lage ist.

Das Satzfragment lautete: „Im Herbst letzten Jahres …“ 

Im Herbst letzten Jahres … Wie wunderbar. Diesen reinen, unverfälschten, mit liebreizender Nonchalance in den sommerlichen Kieznachmittag geflöteten Genitiv hätte ich von zwei jungen Frauen von nicht einmal 20 Lenzen, die im Jahr 2018 über die Reeperbahn schlendern, keinesfalls erwartet. Und das beschämt mich, wie ich zugeben muss.

Bei Penny erwischte ich dann übrigens nur noch Restbestände meiner Lieblingsschokolade, doch diese schmale Ausbeute vermochte den genitivüberstrahlten Kiezsommertag natürlich nicht im Geringsten zu beeinträchtigen.

Meine letzte Kürzest-SMS an den Franken lautete übrigens „Edeka“.

PS: Die „Frankensaga – Vollfettstufe“ gibt es als E-Book hier. Nur für den Fall, dass ich Sie – hüstel – noch niemals darauf hingewiesen habe.

21 April 2018

San Bernadino

Wir waren 16. Die dunkle, stille Spanierin aus meinem Dorf war vor allem still, weil sie damals noch schlecht deutsch sprach. Das fand ich geheimnisvoll. Aber ich war hilflos. 

Als ich es mal schaffte, sie zu einem Besuch in meinem Zimmer zu bewegen, spielte ich ihr Christies „San Bernadino“ vor. „Warum?“, fragte sie. „Weil es mich immer an dich erinnert“, sagte ich, „es klingt spanisch, verstehst du?“ Sie verstand nicht – wie auch? – und wurde noch stiller. Wenn ich allein in meinem Zimmer war, legte ich oft „San Bernadino“ auf.

Ein andermal saßen wir im VW-Käfer eines Freundes gemeinsam auf der Rückbank, und es gelang mir eine Weile, ihre Hand festzuhalten. In einem unachtsamen Moment entzog sie sie mir, und wir saßen still nebeneinander da. Nicht mal unsere Beine berührten sich. Zu Hause hörte ich mir „San Bernadino“ an.

Später heiratete sie einen Verwandten von mir, der sie im Suff prügelte und ihr Leben verpfuschte. Mit zwei Kindern floh sie schließlich ins Nachbardorf, viele Jahre zu spät.

Hätte sie mir damals nicht ihre Hand entzogen und hätte „San Bernadino“ besser funktioniert, würde sich dieser Text wahrscheinlich in nichts auflösen. Roberto Blanco hat den Song übrigens mal auf Deutsch gesungen. 

Jetzt ist die dunkle, stille Spanierin gestorben.

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15 April 2018

Die kulinarische Entdeckung des Jahres


Liebe italienische Gastronomen, ich sage es wirklich nur ungern, aber die besten Pizzen diesseits von Neapel gibt es nicht bei euch, sondern in einem veganen Restaurant in Ottensen: dem Froindlichst

Selbst getestet – und zwar nicht nur einmal.

Die dortige Wandbepflanzung hat übrigens auch ihren Reiz. Zumindest optisch.

09 April 2018

Die gemütlichsten Ecken von St. Pauli (132)

Steht wie eine Eins: Das Mangolassi im Restaurant Maharaja in der Detlev-Bremer-Straße hat den gefürchteten Matt-Wagner-Strohhalmtest mit Bravour bestanden. 


02 April 2018

Frikadellen mit Baby

Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber manchmal sehne ich mich nach jenen seligen Zeiten zurück, als nur Deppenbindestriche meinen Alltag beeinträchtigten.

Inzwischen sind sie großflächig verdrängt worden durch etwas sehr viel Schlimmeres: das brutalstmöglich Komposita meuchelnde Deppenleerzeichen

Anscheinend handelt es sich bei diesem Phänomen um eine so dumpf- wie stumpfsinnige Fehlentlehnung aus dem Englischen, welche auf deutsche Wörter indes wirkt wie ein Handshake von Nitro und Glyzerin.

Ein einziger Sonntagsspaziergang reichte, um mir bewusst zu machen, dass längst alles zu spät ist. Es regiert allerorten der Hirnriss; er hat jede Semantik ersatzlos verdrängt. Was mir bleibt, ist nur noch die Dokumentation der Katastrophe. Aus Ordnungsliebe folgen unten einige wenige Beispiele aus der Sphäre der Gastronomie und Backstuben – aus dem Bereich der Kulinarik im weitesten Sinne also, dessen Vorreiterrolle bei dieser Entwicklung unbestreitbar ist.

Diese Behauptung finden Sie vielleicht unhaltbar, doch ich kann sie beweisen. Denn schon im Jahr 2007 (!) stellten die ersten Deppenleerzeichen ihr kleines mieses Nichts öffentlich zur Schau, wie mein historischer Eintrag „Brat Kartoffeln, aber pronto!“ dokumentiert.

Inzwischen stolpert man an jeder Ecke, auf jeder Speisekarte, in jedem Kiosk mit Verzehrmöglichkeit auf diese Minisprengsätze, denen Tag für Tag unzählige Worte zum Opfer fallen. Nehmen wir das Beispiel oben, verbrochen von der Brötchenhökerkette Backhuus: Es bietet „2 Butter“ an. Meint es damit Stücke? Und wenn ja, vielleicht ein halbes Pfund schwere? Das Backhuus will das an dieser Stelle noch nicht verraten, reicht dazu aber immerhin ein Croissant, damit man die 2 Butter draufschmieren kann.

Der Kumpirladen in der Nähe lässt uns die Wahl zwischen Jäger und Balkan. Wer sich nach heftigem Kopfkratzen für den einen oder anderen entschieden hat, erhält zur Belohnung Sauce. Aber welche? Der Kumpirladen möchte sich da lieber nicht festlegen.



Sehr nützlich dagegen das Angebot des Restaurants Tiffany am Neuen Wall: Es serviert „Frische Nordsee“. Als Hamburger müsste man andernfalls – gäbe es das Tiffany nicht – rund 80 Kilometer weit fahren, um in den Genuss frischer Nordsee zu kommen. Das spart also ganz konkret Sprit.



Geradezu kriminell agiert hingegen das Kleinhuis, ein sich zunächst harmlos gebendes Restaurant an der Esplanade. In Wahrheit aber frönt es unverhohlen dem Kannibalismus – und setzt Frikadellen mit Baby auf die Speisekarte. Müsste hier nicht unverzüglich die Mordkommission eingreifen?



Mit der werde auch ich es wohl bald zu tun bekommen – und dann auf Unzu Rechnungs Fähigkeit plädieren. Aus Grün den.


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23 März 2018

The Käseshop rides again

Während mein liebster holländischer Käseshop sich weiterhin dagegen sperrt, seine Texte von mir korrigieren zu lassen, prasseln die fehlergespickten Newsletter unablässig weiter auf mich hernieder wie nadelspitze Kaskaden aus Spott und Häme. 

Damit mein Leid zum nicht nur doppelten, sondern vielfachen Leid wird, werfe ich Ihnen mal wieder die jüngste Sammlung vor die Füße. Leben Sie damit!

Hätten Sie z. B. gewusst, dass man es einem Käse anschmeckt, wenn er fürs Weltkulturerbe kandidiert? Ich auch nicht.



Enthält die Beemster-Passage immerhin noch so etwas wie Semantik, geht der Käseshop mit den folgenden Botschaften wirrsinnstechnisch aber so was von in die Vollen:




Während der Shop ja meine Mithilfe verschmäht (Sie sehen, ich bin immer noch nicht darüber hinweg), engagiert er anderweitig munter Hilfskräfte, darunter sogar einen waschechten MONAT:



Wäre ich zum Korrektor geadelt worden, so hätte natürlich auch die falsche Schreibweise unseres engen aquatischen Verwandten, des Narwals, niemals das Licht der Weltöffentlichkeit erblickt. Aber so schon:



Etwas besser als mit Meeressäugetieren kennt der Käseshop sich augenscheinlich mit Methoden der Haltbarmachung seines Milchproduktes aus. Zumindest nehme ich an, dass es in der folgenden Passage um irgendetwas in der Art geht:



Herzallerliebst, dieses verschmitzt um Nachsicht für vergangene Fehlleistungen bittende Augenzwinkern am Ende der Vakuumpassage, finden Sie nicht? 

Die immense Breite des Sortiments soll uns wohl mit den wuchtigen ersten vier Worten des folgenden Newsletterauszugs verdeutlicht werden – zumindest interpretiert sie so der weltweit kompetenteste Käseshopchefexeget von ganz St. Pauli:



Und aus all diesen Gründen fiele mir auch kein besseres Schlusswort ein als eins, das der Käseshop selbst schon nonchalant in petto hat:




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20 März 2018

Fundstücke (228)


Mit welcher Unverfrorenheit manche Klappskallis die Wildentsorgung ihres Ekelmülls als altruistische Tat verkaufen möchten, macht mich immer wieder fassungslos.

Entdeckt in der Seilerstraße.




13 März 2018

Der belagerte Hauseingang

Immer mal wieder machen es sich Menschen vor unserer Haustür bequem, die nicht zu den Bewohnern dieses Hauses gehören. Nicht nur das: Sie versperren uns auch den Aus- und Zugang. Am Sonntagmorgen war es erneut so weit. 

Schon aus dem Hausflur sah ich die außen an die Glastür gelehnte Tasche. Als ich die Tür öffnete, fiel sie mir halb entgegen, und zwei Männer in ihren Zwanzigern versperrten mir den Weg. Sie saßen auf den beiden Stufen vor der Haustür und waren gerade dabei, Utensilien auszupacken. „Danke“, sagte ich, als sie aufstanden, um mich durchzulassen. 

Für eine tiefergehende Ansprache oder gar eine Ermahnung sah ich keinen Anlass, wahrscheinlich war dieser Ruheplatz nur ein temporärer, und wenn ich vom Brötchenholen zurückkäme, sähe man bestimmt nur noch ihre Hinterlassenschaften (bei deren Provenienz allerdings einige unschöne Möglichkeiten abgedeckt werden konnten; ich möchte jetzt nicht ins Detail meines Erfahrungsschatzes gehen). 

Zehn Minuten später, als ich vom Kiezbäcker zurückkam, saßen die beiden allerdings immer noch da. Sie hatten es sich sogar gemütlich gemacht. Ich sah unter anderem ein kleines Klappmesser auf der obersten der beiden Stufen liegen; zu welchem Behufe auch immer. „Sie können hier nicht bleiben“, sagte ich, „das ist ein Hauseingang, hier wollen immer wieder Leute rein und raus.“

Der eine, ein braunhaariger Zausel mit gebeugtem Kopf, entschuldigte sich sofort. „Sie haben Recht, das stimmt, wir gehen, alles klar.“ Er räumte mit rundem Rücken seine Tasche beiseite, alles an ihm signalisierte Deeskalation. „Wir wollen keinen Ärger, alles klar“, schob er nach. 

Ich stand da und sah ihm beim Zusammenräumen zu, als ich bemerkte, wie der andere mich von der Seite anstarrte. Er war blond, sein Gesicht hager und hart, er hielt den Kopf oben. „Gehen Sie durch“, sagte er. 

„Wir wollen keinen Ärger, wirklich nicht“, sagte der andere. „Gehen Sie durch“, sagte der Blonde noch einmal. 

Während sein Kumpel Unterwürfigkeit simulierte, entströmte dem Blonden die Aura unterschwelliger Aggressivität. Wahrscheinlich waren die beiden Junkies. Mit Junkies ist bisweilen nicht zu spaßen. Manchmal müssen sie auf Teufel komm raus Handlungsprioritäten setzen, die einem verständnisvollen gesellschaftlichen Miteinander abträglich sind. 

Ich sah das Klappmesser auf der obersten der beiden Stufen. Es war aufgeklappt. „Wir wollen wirklich keinen Ärger“, sagte der Unterwürfige. Der Blonde starrte mich an, gerade und aufrecht. Er trug eine hellblaue enge Daunenjacke. 

Und dann ging ich durch, hoch in den zweiten Stock, in eine ganz andere Welt.


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05 März 2018

Fundstücke (227)

Natürlich könnte man dasselbe Tagesgericht theoretisch auch eine ganze Woche lang auf die Karte setzen, aber wäre es dann nicht ein Wochengericht? Aber was weiß ich schon.

Entdeckt im Fenster eines türkischen Restaurants am Paul-Nevermann-Platz.



20 Februar 2018

Flaschenwerfen ganz legal


Auf allen Altglascontainern an der Louise-Schroeder-Straße an der Grenze von St. Pauli zu Altona kleben unter den Hinweisen zum Verwendungszweck weiße Zettel, die bei mir zunächst als pfiffige Werbung für ordentliche Mülltrennung durchgingen.

Denn die Behauptung „Hier droht bei Flaschenwurf keine 3,5 jährige Haftstrafe“ ist ja – trotz des unverzeihlichen, die Aussage stark überlagernden Deppenleerzeichens – eine durchaus richtige. Und als clevere hanseatische Werbeagentur, die endlich einmal einen städtischen Auftrag an Land gezogen hat, traut man sich natürlich was und ermuntert unsereins einfach mal per Anspielung auf Ereignisse vom vergangenen Juli zu farbkorrekter Altglasseparierung.

So weit, so gut, so nachvollziehbar. Skeptisch stimmte mich allerdings das künstlerische Niveau des Entwurfs. Ich konnte und kann keine Gestaltungshöhe im eigentlichen Sinne feststellen. Nein, so was wäre bei Jung von Matt krachend an der internen Qualitätskontrolle gescheitert.

Gewissheit über die Urheberschaft der Aufkleber verschaffte mir dennoch erst das Aufsuchen der am unteren Rand abgedruckten Webseite. Der Zettel stammt also von G20-Gegnern, die auf diese Weise ihre Solidarität mit Inhaftierten vom Juli 2017 demonstrieren wollen.

Gleichwohl hätte, wie mir scheint, auch die Stadtreinigung mit etwas Hilfe einer hiesigen Werbeagentur diese Klebeaktion wagen können – zum Beispiel in einem Anfall augenzwinkernden Sarkasmus’. Das soll ja selbst in Beamtenkreisen vorkommen.

Übrigens sollten Sie die angegebene Webseite nur dann besuchen, wenn Sie starke Nerven haben. Auch dort wird nämlich dem bereits auf den Altglascontainern dokumentierten Hang zu Deppenleerzeichen schamlos nachgegeben („G20 Aktivisten“).

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