04 Juni 2010

Von Zehen und Fingern



Vergangenes Wochenende moderierte Peter Urban
noch die sensationelle Grand-Prix-Übertragung aus Oslo, und heute stieg er mir auf den linken kleinen Zeh. Aber nicht mit Absicht, er hat es wahrscheinlich nicht einmal gemerkt. (Sonst hätte er sich ja entschuldigt.)

Nein, Urban wollte beim Konzert von Eric Clapton und Steve Winwood in der O2-Arena einfach nur den Sitz neben mir aufsuchen, und dabei passierte es. Irgendwie logisch: Schließlich saßen wir in der „Penalty Box“, wo bei den Eishockeyspielen der Hamburg Freezers die Strafzeiten abgebrummt werden. „Hoffentlich werden wir nicht eingewechselt“, witzelte Ms. Columbo.
Dazu kam es in der Tat nicht.

Mein kleiner Zeh ist übrigens trotzdem nicht größer als vorher, denn der Urban ist eher ein Leichtgewicht. Im Gegensatz zu Eric Clapton, dem sie vor über 40 Jahren sogar unterstellt hatten, Gott zu sein. Und weiß Gott: Der Mann spielt noch immer Gitarre, als würden um Mitternacht die Kapodaster verboten. Er muss auch groteskerweise nie hingucken, das machen diese wuseligen Clapton-Finger alles von alleine. Dass er nicht hingucken muss, demonstriert er mit einem gewissen Stolz, der leicht ins Eitle lappt, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein.

Ich jedenfalls tat genau das Gegenteil, nämlich die ganze Zeit auf den Großmonitor starren, um hinter das Geheimnis seines geradezu obszön flüssigen Solierens zu kommen; und jedesmal, wenn der unsensible Liveregisseur Claptons Wunderfinger wegblendete, bekam ich einen Hals.

Aus Gründen einer Schlusspointe würde ich jetzt am liebsten sagen: Peter Urban ging es mit Sicherheit genauso. Doch das ist reine Spekulation.


--> Die beliebtesten Tags: Brief | Bus | Einzelhandel | Franke | Fußball | Obdachlose | Panne | Reeperbahn | Sex | Skurriles | Sprache | St. Pauli| Typen

Kommentare:

  1. Ach der Erich, wenn der nicht immer so elend lang solieren würde. Vor 40 Jahren bin ich da noch drauf abgefahren, aber heute langweilt er mich schnell, jedenfalls oberhalb der 5 Minuten Marke. Steve Winwood wäre allerdings ein Grund gewesen, den mag ich immer noch. Ich mag aber einfach nicht mehr auf Großmonitore starren, dann kauf ich mir lieber eine DVD. Vielleicht gibt es ja eine, bei der man die Fingerkamera direkt anwählen kann.

    AntwortenLöschen
  2. Hätten wir uns ja fast gesehen. Nach Informationen meines Geheimdienstes trug Herr Clapton ein Kurzarmhemd, so daß Sie sicher sein dürfen, sein definitiv letztes Konzert gesehen zu haben.

    Schade. Spielen konnte er.

    AntwortenLöschen
  3. ich schau ma das am montag in wien an - soll ich jetzt mehr auf die finger achten und dass mir keiner auf die zehen tritt, oder doch auf die musik?
    und früher war er viel hübscher, der clapton - aber das waren wir alle, früher.

    AntwortenLöschen
  4. Ach, achten Sie doch auf was Sie wollen!

    Clapton war übrigens noch nie hübsch. Nicht so wie z. B. Jim Morrison. Oder Nick Drake.

    AntwortenLöschen