13 März 2026

Klartext

„Sach ma, was heißt eigentlich Moin?“

„Guten Morgen, Guten Tag, Guten Abend. Hallo. Hi. Schön, dich zu sehen – je nach Kontext.“

„Und Moin Moin?“

„Dass du ’ne nervtötende Quasselstrippe bist.“

„Und Guten Moin …?“

„Nun, dass du noch heute geteert und gefedert zurück nach Stuttgart verfrachtet wirst.“

10 März 2026

Im Auge des Sturms

Kaum hatte ich mich entschlossen, hier eine mit mir eng verwandte Dame liebevoll zu bespötteln, weil sie innerhalb weniger Wochen zwei elektrische Espressomaschinen vollends ruinierte, indem sie sie gedankenverloren auf eine Ofenplatte stellte, gelang es mir, eine Kasserolle mit tomatensoßenlastigem Kichererbseneintopf auf unserem geerbten Perserteppich zu entleeren sowie wenig später ein Grappaglas derart effizient auf einem Fliesenboden zerschellen zu lassen, dass die Anzahl der kleinteilig zerbröselten Scherben die Gesamtfläche des zerdepperten Grappaglases um den Faktor vier überstiegen haben muss, ich schwör.

Dies bewegt mich, über beides – die ruinierten Espressomaschinen (im Foto Nummer zwei) und den ruinierten Perser – den Mantel des Schweigens zu breiten, ja, kein einziges Wort über beide Missgeschicke zu verlieren, sondern lieber den Blick zu lenken auf eine liebenswürdige Aufmerksamkeit, die mir meine weltweit liebste Hansestadt alljährlich zuteilwerden lässt. Denn stets begeht sie das Jubiläum meines Wiegenfestes mit einer dreiwöchigen Sause, Frühlingsdom genannt, und hofft, ich möge erscheinen und mir von den erschienenen Massen huldigen lassen. Doch da halte ich es wie mein Lieblingskünstler Bob Dylan: Nur wer sich rar macht, bleibt interessant.

Momentan scheint dies in hohem Maße für dieses Blog zu gelten. Denn obgleich sich meine Veröffentlichungsfrequenz seit Langem einer homöopathischen Dosierung nähert, stürmen seit Tagen Massen sonder Zahl die Rückseite der Reeperbahn. Die heutige Zugriffszahl von mehr als 58.000 ist ein einsames All-time-High, und das ist auch gut und schön, denn ich fühle mich grundsätzlich wohl im Auge eines Sturms – doch wüsste ich gern, was und wer ihn entfacht hat. Denn mit Google Analytics et cetera ist dieses Blog unterausgerüstet, weshalb ich auf Sie – also eine(n) der plus 58.000 – angewiesen bin.

Also Butter bei die Fische: Warum sind Sie hier? Wer hat Sie geschickt? Bitte nutzen Sie zahlreich die Kommentarfunktion, denn so lange ich mich in Ihren Erklärungen verliere, kann ich wenigstens keinen tomatensoßenlastigen Kichererbseneintopf auf dem geerbten Perser entleeren.

Danke vorab!




01 März 2026

Alles Käse auf dem Fischmarkt

Bei meiner Route über den Fischmarkt morgens um halb zehn passiere ich zunächst den uninteressanten Stand von Schnipsel-Dieter. Auch der von Schnibbel-Tim entfaltet keinen Liebreiz. Das gilt auch für die nächsten auf meinem Weg, nämlich die von Bananen-Fred, Fisch-Moritz und Schoko-Jonny. Nein, mein Begehr und einziges Ziel ist der Marktwagen von Käse-Tommi!

Hier besorge ich mir alle paar Monate eine ordentliche Weichkäsekompilation für fünfzehn Euro auf Vorrat, so auch heute. Die obendrauf platzierte eingeschweißte Portion Räucherfleisch moniere ich, und Käse-Tommi offeriert mir als Ersatz umstandslos eine Ziegenrolle. Her damit!

Auf dem Rückweg passiere ich die durchweg uninteressanten Stände von Schoko-Jonny, Fisch-Moritz, Bananen-Fred, Schnibbel-Tim und Schnipsel-Dieter, und ruck, zuck bin ich wieder zu Hause, wo man mich alsbald beim Portionieren der Weichkäsekreszenzen antreffen kann. Denn die ordentliche, nur in Kilogramm quantifizierbare Menge, die Käse-Tommi einem für fünfzehn Euro einpackt, wäre nur unter Gefahr für Leib und Magen bis zum recht nahen Ablaufdatum verzehrbar, weshalb sie stets mehrheitlich zunächst in der Tiefkühltruhe landet.

Sollten Sie jetzt reflexhaft aufschreien und mir aufgeregt mitteilen wollen, dass man Weichkäse keinesfalls einfrieren dürfe, weil seine Konsistenz nach dem Auftauen nicht mehr verzehrkompatibel sei, so rufe ich Ihnen entgegen: Das ist falsch! Aufgetauter Weich- geriert sich wie ebensolcher Hartkäse nämlich genauso wie zuvor: unbeschadet.

Nur sehr, sehr wenige Male in meiner jahrzehntelangen Geschichte des erfolgreichen Weichkäsetieffrierens wurde ich mit einem schmierig-schlabberigen Auftauresultat konfrontiert, was mich zur sofortigen Entsorgung zwang. Diese Vorfälle aber kann ich an einer Hand abzählen, während das Gegenteil eine Zahl an Händen erforderte, für die ich schon die halbe Einwohnerschaft des Kiez’ rekrutieren müsste.

Wen ich übrigens bei meiner kleinen Tourbeschreibung oben unterschlagen habe, ist der bundesweit bekannte Aale-Dieter. Dieses Monument von Marktschreier subsumiert man halt nicht einfach so unter Kantonisten wie Schnibbel-Tim. Wie eh und je – genauer gesagt seit Juni 1959! – steht Aale-Dieter auch heute Morgen hinter seinem Tresen. Der Sechsundachtzigjährige ist so hager geworden wie zäh geblieben – und weiterhin der unangefochtene Endgegner aller Aale.

In drei Jahren also möge Dieter (Aale- nicht Schnipsel-) bitte, bitte sein siebzigstes Fischmarktjubiläum feiern. Wenn ja, dann bin ich dabei. Wenn auch nur en passant auf dem Weg zu Käse-Tommi.