Bei meiner Route über den Fischmarkt morgens um halb zehn passiere ich zunächst den uninteressanten Stand von Schnipsel-Dieter. Auch der von Schnibbel-Tim entfaltet keinen Liebreiz. Das gilt auch für die nächsten auf meinem Weg, nämlich die von Bananen-Fred, Fisch-Moritz und Schoko-Jonny. Nein, mein Begehr und einziges Ziel ist der Marktwagen von Käse-Tommi!
Hier besorge ich mir alle paar Monate eine ordentliche Weichkäsekompilation für fünfzehn Euro auf Vorrat, so auch heute. Die obendrauf platzierte eingeschweißte Portion Räucherfleisch moniere ich, und Käse-Tommi offeriert mir als Ersatz umstandslos eine Ziegenrolle. Her damit!
Auf dem Rückweg passiere ich die durchweg uninteressanten Stände von Schoko-Jonny, Fisch-Moritz, Bananen-Fred, Schnibbel-Tim und Schnipsel-Dieter, und ruck, zuck bin ich wieder zu Hause, wo man mich alsbald beim Portionieren der Weichkäsekreszenzen antreffen kann. Denn die ordentliche, nur in Kilogramm quantifizierbare Menge, die Käse-Tommi einem für fünfzehn Euro einpackt, wäre nur unter Gefahr für Leib und Magen bis zum recht nahen Ablaufdatum verzehrbar, weshalb sie stets mehrheitlich zunächst in der Tiefkühltruhe landet.
Sollten Sie jetzt reflexhaft aufschreien und mir aufgeregt mitteilen wollen, dass man Weichkäse keinesfalls einfrieren dürfe, weil seine Konsistenz nach dem Auftauen nicht mehr verzehrkompatibel sei, so rufe ich Ihnen entgegen: Das ist falsch! Aufgetauter Weich- geriert sich wie ebensolcher Hartkäse nämlich genauso wie zuvor: unbeschadet.
Nur sehr, sehr wenige Male in meiner jahrzehntelangen Geschichte des erfolgreichen Weichkäsetieffrierens wurde ich mit einem schmierig-schlabberigen Auftauresultat konfrontiert, was mich zur sofortigen Entsorgung zwang. Diese Vorfälle aber kann ich an einer Hand abzählen, während das Gegenteil eine Zahl an Händen erforderte, für die ich schon die halbe Einwohnerschaft des Kiez’ rekrutieren müsste.
Wen ich übrigens bei meiner kleinen Tourbeschreibung oben unterschlagen habe, ist der bundesweit bekannte Aale-Dieter. Dieses Monument von Marktschreier subsumiert man halt nicht einfach so unter Kantonisten wie Schnibbel-Tim. Wie eh und je – genauer gesagt seit Juni 1959! – steht Aale-Dieter auch heute Morgen hinter seinem Tresen. Der Sechsundachtzigjährige ist so hager geworden wie zäh geblieben – und weiterhin der unangefochtene Endgegner aller Aale.
In drei Jahren also möge Dieter (Aale- nicht Schnipsel-) bitte, bitte sein siebzigstes Fischmarktjubiläum feiern. Wenn ja, dann bin ich dabei. Wenn auch nur en passant auf dem Weg zu Käse-Tommi.

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