15 Juni 2010

Die gemütlichsten Ecken von St. Pauli (29): Fanfest, Heiligengeistfeld



Man könnte meinen, es ginge um ein Autofestival, übertragen vom NDR.

Doch wenn man genau hinschaut, wenn man die Automodelle links und rechts der Bühne wegblendet und die Markenlogos erst recht, dann dämmert einem irgendwann, dass all das übertüncht werden soll, doch
auf durchschaubarste Weise.

Sponsoring funktioniert im besten Fall wie jener Parasit, der sich im Hirn der Schnecke einnistet und irgendwann so groß wird, dass er ihren Willen umprogrammieren kann. Dann tut die Schnecke nur noch das, was das Überleben des Parasiten sichert – und stirbt dabei.

Das Spiel endete übrigens 1:1, aber ich habe nicht mal mitgekriegt, dass Italien den Torwart ausgewechselt hat.


Kommentare:

  1. Danny Wilde10:23

    Einer der Gründe, warum ich solche "Fanfeste", "Fanmeilen" und sonstiges "Public Viewing" (Gammelsprech für Fußballgucken mit fußballdesinteressierten Fremden) meide: Die Werbefläche ist größer als die Fläche, die eigentlich wichtig sein sollte: Auf'n Platz.

    Ich zahle ungern auch noch Geld dafür, mich mit Werbung vollballern zu lassen (Hallo Sky!).

    Zumal es auch den Werbefuzzis langsam mal dämmern sollte, dass man mit diesen Japsumushi-Fanfesten und HappyCredit-Arenen wegen absoluter Reizüberflutung ohnehin keine stehenden Begriffe mehr schaffen kann.

    Shell-Atlas und Guide Michelin, liebe Werbefuzzis, das war gestern, als noch nicht jeder Eckball von irgendeinem Reiseveranstalter präsentiert wurde.

    Aber was bringt es, das jemandem zu erzählen, der eine Spielstätte allen ernstes "Playmobil-Stadion" nennt, ohne irgendwas zu merken?

    Da sind die Gören auf der Meile, die jedesmal "Schweiniiiii" kreischen, wenn Klose im Bild ist, noch das kleinere Problem.

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  2. Danny, zum Glück müssen Sie dort nichts zahlen, wenn Sie nicht wollen. Nur für Bier und Futter.

    Ansonsten haben Sie natürlich in vielem Recht. Doch gerade Leute wie Sie werden gebraucht auf dem Fanfest, damit Sie den Gören den Unterschied zwischen Miro und Schweini erklären können.

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  3. Joshuatree00:07

    In Hamburg H******, in FFM *K** -

    "You want to display your charms
    on this bright night" - Deacon Blue "Circus Lights"

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  4. @Danny

    Jetzt mal ehrlich: Wenn diese „Fan Feste” (wie schlimm wirds eigentlich noch mit diesr Kompositadiskriminierung?) Eintritt kosteten, dann wärs auch nicht recht.

    Was stören Sie sich denn daran, wenn da Autos herumstehen? Wenn da Werbung plaziert wird?

    Wir bekommen dafür eine wirklich schön gestaltete Veranstaltung. Und die auszurichten kostet nunmal Geld. Das können Sie drehen und wenden wie Sie wollen.

    Mit dem Verkauf von Bier und Würstchen allein kommt man nicht auf die Summen, die benötigt werden, um ein solches Ereignis auszurichten.

    Kosten für den Eintritt senken die Besucherquote und grenzen diejenigen aus, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen.

    Was also wäre Ihrer Meinung nach besser? Wenn die „Werbefuzzis” NICHT dafür sorgten, daß jeder kostenfrei diese Veranstaltung besuchen könnte? Wenn ein Eintrittspreis erhoben würde, damit auch die von Ihnen so verachteten „Gören” um Himmels willen nicht in Ihrer Nähe sind?

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  5. Danny Wilde10:16

    @german psycho
    Ich ging zum einen irrtümlich davon aus, DASS diese Veranstaltung Eintritt kostete, was beim PV keineswegs ungewöhnlich ist.

    Zum anderen richtete sich meine Kritik neben dem konkreten Fanfest hier auch gegen die allgemeine Kommerzsch... im Fußball, so z.B. bei Bezahlsendern und im Stadion. Und hier kostet es sehr wohl "Eintritt" und man wird dennoch mit Werbung vollgeballert.

    Wenn hier kein Eintritt genommen wurde, relativiert sich das natürlich.

    Was die Gören angeht, die verachte ich nicht, sorgen sie doch a) für den einen oder anderen Heiterkeitserfolg und ist doch b) meine Nichte eine von ihnen (allerdings mit deutlich besseren Wiedererkennungsquoten). Deswegen beschrieb ich sie ausdrücklich als kleineres Problem.

    Mitunter kann es halt nerven, beim Fußballgucken von einer kritischen Masse eigentlich Fußballdesinteressierter umgeben zu sein. Dass ich die dennoch respektiere, sieht man aber m.E. recht eindeutig daran, dass ICH solchen Veranstaltungen fernbleibe und nicht statt dessen DEREN Fernbleiben fordere.

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  6. Gerade mit dem letzten Satz haben Sie natürlich vollkommen recht.

    Ansonsten muß ich aber noch loswerden: Diese Veranstaltungen kosten tatsächlich ein Schweinegeld. Um das auch nur halbwegs wieder reinzuholen, muß man eben manchmal auch auf eine Mischkalkulation setzen, also einen Eintrittspreis PLUS Sponsoren.

    Die Kommerzialisierung hat ja dafür den positiven Effekt, daß man überhaupt so etwas anbieten kann. Denn ohne Sponsoren wäre das einfach nicht finanzierbar.

    Daß es aber sauer aufstößt, wenn man trotz Eintrittspreis noch Werbung sieht, kann ich emotional gut verstehen.

    Bzgl. der Gören bitte ich um Entschuldigung: Das habe ich wohl falsch verstanden.

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  7. Danny Wilde11:43

    Dass das ein Schweinegeld kostet, weiß ich ja. Aber was ist der mit Abstand größte Posten? Genau, die Lizenzgebühr.

    Für den restlichen Orgakram wie "Leinwand", Zäune, Frittenbuden und Ordner würde es reichen, wenn irgendwo ein Aufsteller von Eisen-Karl an der Ecke steht.

    Erst die unersättliche Gier von FIFA, DFL und Konsorten macht es "nötig", dass Werbeflächen geschaffen werden, wo eigentlich gar keine Flächen sind (Beispiel: Ecken des Kölner Stadions) und die Werbung so aufdringlich wird, dass sie das eigentliche Interesse des Zuschauers überlagert (Beispiel: Animierte Banden, komplett mit Werbebannern verdeckte Zuschauerränge, jeder Furz von irgendwem "präsentiert").

    In den Achtzigern war Fußball auch schon kommerziell. Es gab Trikotsponsoren, Bandenwerbung und auch Werbedurchsagen vor dem Spiel. Das alles aber in einem Maß, dass einem die Werbung nicht auf den Sack ging und sogar positive Aspekte hatte.

    Jeder Kölner Fan dürfte angenehme Assoziationen mit den Marken Samsung, Doppeldusch, Daimon und Pioneer haben. Ich kenne viele, die noch heute mit feuchten Augen die Texte einzelner Werbedurchsagen für die Spedition Kuckuck ("Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin ...") und Polster Trösser rezitieren können.

    In die Südkurve kam der Eismann Jochen, der seinen Job mit Enthusiasmus erledigte ("Frrrrusteis noch jemand?") und zum Teil beliebter war als Teile der Mannschaft ("Außer Jochen könnt Ihr alle geh'n ...").

    Es hatte halt alles ein vernünftiges Maß. Es ging erst mal um Fußball und dann wurde noch etwas Werbung gemacht für die Finanzierung.

    Heute geht es erst mal um Kohle, für deren Abschöpfung man widerwillig hinnimmt, dass eine gewisse Zeit und Fläche zum Fußballspielen frei bleiben muss.

    Das zeigt sich an nichts besser als an den Platzverhltnissen im obigen Foto. Auch wenn der Schluss hier offenbar mal nicht so berechtigt war.

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  8. Eine dreimal so große Leinwand fände ich auch besser.

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