09 April 2007

Im Totenpark

„Komm, wir probieren’s einfach!“, schlägt Ms. Columbo fröhlich Schwarzfahren vor, nachdem wir planen, den größten Parkfriedhof der Welt in Ohlsdorf zu besuchen und ich auf die mangelnde Reichweite unserer Monatskarte verwiesen habe.

„Früher“, tadle ich sie streng, „warst du eine anständige junge Frau, und jetzt planst du Gesetzesbrüche! Was ist bloß aus dir geworden?“ Sie bestreitet meine Analyse keineswegs, führt aber vor allem meinen schlechten Einfluss ins Feld. Mist, sie hat Recht.

Daher schlage ich verschärfend vor, wir könnten heute nachmittag ja Blumen von den Ohlsdorfer Gräbern klauen, das sei bestimmt noch verwegener als schwarzfahren. „Nein“, erwidert Ms. Columbo entschieden, „meine Gegner müssen sich wehren können.“

Also bleibt es beim abschnittsweisen Schwarzfahren, was durchaus zur aufregenden Episode gerät, denn am Jungfernstieg steigt ein Uniformierter der Hochbahn zu, platziert sich nur wenige Sitze entfernt gegenüber und bleibt bis Ohlsdorf (zum Glück tatenlos) sitzen, das sind gefühlte 34 Stationen.

Vorm Haupteingang des Friedhofs stoßen wir auf ein Bestattungsinstitut, welches die populäre Philosophie des „Geiz ist geil“ behutsam in seinen Tätigkeitsbereich überführt hat. Dennoch scheinen mir die beiden Wörter „Sarg“ und „Discount“ noch ein wenig zu fremdeln, aber das war ja bis vor kurzem auch noch mit „Billig“ und „Flug“ so.

Man sollte niemals Avantgardisten in ihrem Tun behindern.

Kommentare:

  1. Lieber Matt,
    du (und Ms.Colombo!) fährst schwarz und Särge kann man im Discount kaufen. Vielleicht wäre es ganz interessant, diese beiden Tatsachen in einer Art Gleichung zu betrachten. Das Ergebnis aus dieser Gleichung, wären die Prognosen für ethische und moralische Zukunft dieses unseren Landes. Ich denke unsicher, sehr unsicher!
    Aber davon mal abgesehen auf eins können wir uns wenigstens verlassen, dass nächtens ein neuer, gedankenproduzierender Beitrag von Dir im www erscheint.
    Besser und besser, Gaba

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  2. Ja, in der Tat, für die moralische Zukunft unseres Landes würde ich persönlich aus Kant’scher Sicht keine Hand ins Feuer legen, nicht mal meinen Handschuh.

    Für deine abschließende Prognose, liebe Gaba, aber schon.

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  3. Na ja, wenn man es erstmal hinter sich hat, dann ist es einem sicher egal, ob man billig oder teuer unter die Erde gebracht wurde.

    Mich befremdet immer der Bestatte in der Straße nebenan, der mit großen Schildern schon mal für eine vorsorgliche Beratung wirbt. Da kann man schon mal alles klar machen - und die Verwandten brauchen sich um nichts mehr zu kümmern. Na ja, vielleicht gehe ich mal hin, wenn die Einschläge näher kommen ...

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  4. Die HVV Kontrolleure kommen grundsätzlich in Zivil und sehen auf den ersten Blick meist eher wie Handtaschenräuber aus. Uniformen sind doch sooo 1980.

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  5. Diesen Beitrag werde ich geflissentlich ignorieren.

    Mir reicht schon der Kommentar von Bosch.

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  6. blogspargel15:23

    Schwarz fahren zum Friedhof, ja wie sonst sollte man sich angemessen kleiden? Also - wenigstens abschnittsweise - alles richtig gemacht.

    Da fällt mir einer ein:
    "Hallo, lange nicht gesehen, gehen wir einen Kaffee trinken?"
    "Ich fühl mich nicht danach, mein Mann ist vor kurzem gestorben."
    "Na, dann trinken wir ihn eben schwarz."

    Uiuiui, hoffentlich bin ich hier der letzte, der das liest!

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