12 Mai 2007

Wer darf zu St. Pauli gegen Dresden? Ich nicht.

Seit Tagen schon kreisen die Gedanken des Franken nicht mehr um die üblichen Frankenthemen (Essen, Schmerzen in der Schulter, FC Bayern), sondern um etwas viel Allgemeingültigeres.

Er hat nämlich etwas, das 50 000 andere Hamburger auch gern hätten, inklusive mir: Karten für das letzte Heimspiel des FC St. Pauli am 25. Mai gegen Dresden.

Der Franke besitzt sogar volle fünf Stück davon. Seine ganze Frankenfamilie lässt er einfliegen zu diesem entscheidenden Spiel um den Zweitligaaufstieg. Und statt sich bis dahin breit grinsend in Vor- und Schadenfreude zu suhlen, macht er seit Tagen was ganz anderes: Er verfolgt die Schwarzmartkkurse seiner Tickets.

„Die stehen teils schon bei 211 Euro pro Stück!“, teilt er unruhig mit. Ein tiefer Zweifel scheint sich in der Brust des Franken eingenistet zu haben, seine Familie ahnt derweil nichts Böses. „Ja“, gieße ich pflichtgemäß Öl ins Feuer seiner Gier, „das sind über tausend Euro Gesamterlös bei fünf Karten. Und nächste Woche gehen die noch höher. Wirst schon sehen.“

„Vielleicht sollte ich sie wirklich verkaufen“, sinniert er mehr für sich, „und mit den anderen zum Public Viewing gehen.“ Mein Stichwort. „Weißt du eigentlich“, versuche ich ihn besserwisserisch zu nerven, „dass Public Viewing übersetzt ,öffentliche Leichenschau' heißt? Die doofe Fifa wollte zur WM wohl weltläufig wirken und hat das nicht gerafft. Und seither gibt es öffentliche Leichenschauen auf Großbildleinwänden, und keiner merkt’s.“

Der Franke, zwar emotional gefangen im Wägen all seiner merkantilen Möglichkeiten, steigt komischerweise auf diesen Themenwechsel ein. „Passt ja wenigstens zur Brisanz des Spiels“, sagt er, „es geht schließlich gegen Dresden, und auf dem Heiliggeistfeld kann die Polizei die Fangruppen nicht ordentlich trennen.“

„Man müsste zum Public Viewing eigentlich auch Body Bags mitnehmen, also Leichensäcke“, ergänze ich. „Wäre ja nur konsequent.“

„Habe ich dir schon erzählt, für wieviel die Karten inzwischen auf Ebay gehandelt werden?“, sagt der Franke und stiert wieder auf den Bildschirm. Ja, hat er, vor zwei Minuten. Und gestern.

Ende März war übrigens mal kurz davon die Rede, mir eins der Tickets zum Selbstkostenpreis zu verkaufen, sofern Schwager oder Schwester doch nicht kommen könnten. Ganz allmählich aber beschleicht mich das Gefühl, ich sollte mir das lieber abschminken.

„211 Euro“, sagt der Franken mehr zu sich, aber da bin ich schon halb aus dem Zimmer. Mir bleibt wohl nur die öffentliche Leichenschau.

Doofe Fifa.

Kommentare:

  1. Anonym18:37

    Hoffentlich hat keine der Dresdner Fußballer diese Bloggs hier gelesen, vor allem die über die 3 Tage in Dresden. Ich glaube sonst haben die sich alle was besonderes vorgenommen. Aber wahrscheinlich sind da gar nicht soooo viele echte Dresdner bei Dynamo und es interessiert die eh nicht.....

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  2. Stefan11:01

    Einem Schwaben hätte ich dieses Verhalten zugetraut, seinem (besten?) Freund kein Ticket zu geben und es stattdessen bei Ebay zu versteigern. Aber einem Franken nicht. Ich bin entäuscht, habe ich doch einen Teil meiner Kindheit oft in Franken verbracht (wenn auch nur in den Ferien, dafür das aber sehr oft) und so ein anderes Bild von Franken gewonnen.

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  3. Ich muss ihn in Schutz nehmen: Noch hat er kein Ticket übrig. Wenn es doch noch dazu kommt, werden wir aber sehen, ob er den Charaktertest besteht … ;-)

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  4. Astrid21:22

    Wenn er die Karten bei eBay verkauft, statt sie massig suchenden St. Paulianern in den diversen Foren zum selben Preis zu verkaufen, wäre ich sehr enttäuscht.
    Zum einen wollen wir keinen Schwarzmarkt für Karten, und zum anderen ist das einfach unfair.
    Ich kenne genug Leute, die noch händeringend Karten suchen.
    Gerne dann bitte Info an mich!

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  5. Auch ich ringe die Hände, habe aber wenig Hoffnung, dass jemand abspringt. Und aktiv nachhelfen möchte ich nicht. Obwohl …

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  6. Anonym15:37

    Was für ein Zufall.
    Fans vom FC St. Pauli verkaufen ihre Karten nicht im Internet! Nur zum Selbstkostenpreis.
    Die es trotzdem machen sind für mich keine Paulianer!
    Den Schwarzmarkt-Link gebe ich gerne an die entsprechende Abteilung weiter. Wenn das nicht schon geschehen ist. Dieser Fan darf nicht so schnell wieder einen Platz im Stadion bekommen.

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  7. Dann hast du viel zu tun: Ebay quillt über vor lauter St.Pauli-Tickets zu Fantasiepreisen. Einer verkauft fünf Tickets zum Festpreis von je 149 Euro – und es ist NICHT der Franke!

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  8. Anonym16:29

    es wird kein public viewing geben und vermutlich wohl auch keinen schwarzmarkt. ich jedenfalls würde niemandem empfehlen vorm stadion tickets zu überhöhten preisen zu verkaufen...

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