30 Mai 2007

Re: Ihre Nachricht auf meinem Anrufbeantworter

Sehr geehrter Herr German Psycho,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ihren Hinweis auf konzeptionelle Schwächen der Aktion „Blogger helfen Schäuble“ nehme ich sehr ernst.

Sie monieren korrekterweise, bisher beschränke sich die freiwillige Kooperation mit dem Bundesinnenministerium lediglich auf die gesamtdeutsche E-Mail-Korrespondenz, die wir alle seit Pfingsten aus patriotischem Pflichtgefühl automatisch an Herrn Minister Schäuble weiterleiten.

Gleichzeitig – und für diese konstruktive Kritik muss ich Sie ausdrücklich loben – schlagen Sie ein Update der Aktion „Blogger helfen Schäuble“ vor: Auch Telefonate, so Ihre höchst interessante Anregung, sollten unbedingt Herrn Schäuble zur Kenntnis gebracht werden, denn erfahrungsgemäß seien auch dieser Kommunikationsform interessante und oftmals sogar sicherheitsrelevante Erkenntnisse abzugewinnen.

Was soll ich sagen? Sie sehen mich ebenso erfreut wie bestürzt – denn warum habe ich nicht selbst daran gedacht?

Doch so bestechend Ihr Vorschlag auch ist, Sie sehen bei der praktischen Umsetzung zu Recht gewisse Probleme auf die Deutschen zukommen. Man könne ja, führen Sie nachvollziehbarerweise aus, nicht bei jedem Gespräch eine Telefonkonferenz mit dem Innenminister auf die Beine stellen (wenn Sie mir diese saloppe Ausdrucksweise gestatten), zumal bei dem ein oder anderen Telefonpartner – im Gegensatz zum Innenministerium – die technischen Voraussetzungen womöglich (noch) nicht gegeben sind.

Nun, wo ein patriotischer Wille ist, da ist auch ein ebensolcher Weg, wenngleich ein etwas umständlicher: Wir alle könnten doch hinfort einfach unsere privaten Telefonate mitschneiden (z. B. mit einem handelsüblichen Diktiergerät, welches es schon für wenig Geld im Media Markt gibt). Danach könnten wir die so enstandenen Dateien ins weitverbreitete MP3-Format konvertieren und dem Herrn Bundesminister sodann per Mailanhang (an die bekannte Adresse wolfgang.schaeuble@bundestag.de) zusenden, so dass sie seinem sicherlich hocherfreuten Stab zu Analysezwecken zur Verfügung stünden.


Übrigens reicht eine Komprimierungsrate von 64 kb völlig aus; der Bundesserver sollte keinesfalls über Gebühr belastet werden. Das kostet sonst wieder unsere Steuergelder! Immer mitdenken.

Mitgeschnitten werden sollten – wie schon erwähnt – konsequenterweise alle Telefonate. Ich denke dabei ebenso wie bei den Mails auch und gerade an private und privateste Gespräche. Wie etwa solche:

„Hallo?“

„Hallo, Schatz, ich bin’s. Ich komme heute später.“
„Ha! Und wer kauft jetzt die Runkelrüben?“
„Könntest du das übernehmen? Ausnahmsweise? Ooooh, bitte …“
„Na gut.“
„Bist ein Schatz!“
„Ich weiß. Du aber auch.“
„Bussi!“
„Bussi!“


Ich hoffe sehr, wir sind nun in dieser Angelegenheit ein gutes Stück weitergekommen. Dank Ihnen, werter Herr Psycho, was ich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich hervorheben möchte. Ohne Menschen wie Sie hätten wir eine andere Republik.

Für Deutschland:
Matt


--
Zur Information: Diese Mail geht in Kopie auch an Dr. Wolfgang Schäuble und das Bundesministerium des Innern, um sie in ihrem Dienst am deutschen Volk in optimaler Weise zu unterstützen. Ich zähle fest auf Ihr Verständnis. Es geht um so viel.

Näheres
hier.
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Kommentare:

  1. Sehr gut, der neoliberale Patriot denkt mit! Wir vom BaziND werden unsere aufgrund von Aktionen am Rande der Legalität gewonnenen Erkenntnisse selbstverständlich Herrn Schäuble ebenfalls zur Verfügung stellen und beginnen heute damit:

    http://neobazi.net/archives/6403/telefonsex/

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  2. Anna12:01

    Prima, das Projekt steht kurz vor der vollendeten Vervollkommnung, leider wurde bisher vergessen oder übersehen:
    DIE SMS!
    Was ist mit den 368 sms die ich allein pro Monat (oder Woche?) schreibe? Und auch da stehen höchst wichtige Dinge drin, die man Herrn Schäuble nicht vorenthalten sollte:
    "Komme später. Bin gleich da. Du auch?" oder
    "ts, du kannst mich mal. Jetzt aber hallo." oder
    "Kind, du hast dein Pausenbrot vergessen. Kauf dir was, aber kein Zuckerzeug. Deine Mami xx, hdl. Bussi."

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  3. Oh, habt ihr die Schlecker-Überwachungs-Aktion vergessen? Ab sofort sollten auch alle Einkäufe vorher zur Begutachtung an Herrn Schäuble weitergeleitet werden, um auszuschließen, dass man mit den Waren böse Sachen machen kann.
    "Herr Schäuble, da ist schon wieder ein Karton voller Runkelrüben geliefert worden!"

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  4. Anna, ein prachtvoller Vorschlag. Ich bitte um Schäubles Handynummer, dann legen wir los.

    Runkelrüben an den Minister: welch bestechende Vorstellung, Herr Vornamenskollege! Die Portokosten muss man dann aber auch in voller Höhe von der Steuer absetzen können.

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  5. ich drucke lieber alle E-Mails aus und schicke sie mit der Post, dann können diese - falls mal wichtig - an die Nationalbibliothek weiter gereicht werden.

    s. http://www.heise.de/newsticker/meldung/90316

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  6. Stefan07:24

    Das System hat immer noch deutliche Schwächen. Werden E-Mails abgehört, verlagern sich Gespräche Verdächtiger womöglich aufs Telefon. Werden auch Telefone abgehört, verlagern sich diese Gespräche auf normalen Briefverkehr. Werden Briefe, wie in Hamburg geschehen, womöglich von einem armen Polizisten im Keller aufgedampft, verlagern sich verdächtige Information womöglich auf Parkbänke, Autobahntoiletten ect. pp. Ich habe das dumpfe Gefühl, eine lückenhafte Abdeckung ist praktisch ausgeschlossen. Ich fühle mich demzufolge verunsichert. Ein Gefühl, welches mir Herr Schäuble doch zurückgeben sollte.

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  7. Stefan, schau dir bitte noch mal Astrids Kommentar an; DER ist konstruktiv.

    Deine Verunsicherung löste sich schlagartig in Luft auf, wenn du nur rückhaltlos kooperieren würdest.

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  8. Eben. Aber, auch wenn ich diese Initiative hier sehr begrüße, für mein Verständniss von lückenhafter Aufklärung und der damit verbundenen Sicherheit reicht es nicht aus. Die Kritik von Stefan ist durchaus ernst zu nehmen. Es ist an der Zeit die Initiative aus zu weiten, und zwar auf alle relevanten Bereiche des privaten Lebens. Der engagierte Bürger kann heute schon im Handel, recht günstig, komplette Überwachungssysteme, vom Babyphone bis zur digitalen Videokamera, erstehen. (Solche technischen Möglichkeiten hätte man damals ›drüben‹ auch gut gebrauchen können.) Mit entsprechenden Festplattensystemen versehen, lassen sich solche Daten digital aufzeichnen um sie dann prima an das Ministerium zu versenden. Das garantiert die höchst mögliche Sicherheit im Staat. Wenn alle braven Bürger mit machen, dann braucht man sowiso eben nur noch die wegsperren, die sich weigern mit zu machen. Haben ja was zu verbergen, müssen verdächtig sein. Auf so Kinkerlitzchen wie GG 13 sollte auch gleich verzichtet werden, brauch man dann auch nicht mehr. (Da sollte dann noch eine gesonderte Unterschriftenaktion an den Bundestag gestartet werden.)

    Gruß,
    doubl (ehem. Hausmeister im Ministerium für Staatssicherheit)

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