14 Juli 2009

Mattophobie ist heilbar



In praktisch jedem zweiten Marburger Fachwerkhaus – und es gibt SEHR vele davon in der Oberstadt – befindet sich eine psychotherapeutische Praxis.

Es muss heutzutage eine verheerende Wirkung aufs Gemüt haben, in Marburg zu studieren. Einst, als Ms. Columbo und ich hier unser Unwesen trieben, war das noch nicht so. Vielleicht gab es damals einfach die besseren Partys – oder Themengebiete, die eher geeignet waren, die mentale Gesundheit zu erhalten.

Ein Bekannter aus alten Marburger Tagen etwa forschte über die Kulturgeschichte des Verkehrsunfalls, was ihn allabendlich froh und glücklich nach Hause zurückkehren ließ. Seine Frau hingegen tüftelte lange an einer bahnbrechenden Arbeit über Intimbehaarung im asiatischen Raum, doch irgendwann brach sie das Unterfangen ab – wahrscheinlich nachdem die Totalrasur auch in Japan und Indonesien eine … ähem … Schneise der Verwüstung hinterlassen hatte.

Bei unserer nostalgischen Tour durch die Stadt, die wir gemeinsam vor 14 Jahren gen Hamburg verließen, stoßen wir übrigens auf eine frappierende, ja geradezu erschreckende Häufung just stattgefundener Abschiedsvorlesungen von Professoren, bei denen ich einst studiert hatte.

Ob Heller, Deppe oder Berg-Schlosser: Es scheint fast so, als hätten all diese großen Köpfe die Alma Mater fluchtartig verlassen im Vorfeld meiner Rückkehr, statt einfach eine der vielen psychotherapeutischen Praxen in der Oberstadt aufzusuchen und ihre Mattophobie professionell behandeln zu lassen. Aber vielleicht überschätzte ich auch einfach meine Bedeutung.

Die Parolen (Foto) in der Philosophischen Fakultät sind übrigens noch pointierter als zu meiner Zeit, dafür leiden sie an einem wirkungsdämpfenden Pleonasmus.


Kommentare:

  1. Olaf19:53

    Oha - das klingt nach Marburg-Virus (war der "-" jetzt falsch ?).

    "Ein Bekannter aus alten Marburger Tagen etwa forschte über die Kulturgeschichte des Verkehrsunfalls. was ihn allabendlich froh und glücklich nach Hause zurückkehren ließ."
    Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König.
    Es soll anderswo auch schon über das Thema "Vorfahrtsregeln im römischen Wagenrennen" gearbeitet worden sein.
    Waren diese Flüchtigen solche C4-Professoren ?

    AntwortenLöschen
  2. Joshuatree20:31

    Hat jemand die aktuellen Zugriffszahlen zum Begriff "Pleonasmus" auf Wikipedia? *feix*

    AntwortenLöschen
  3. Anonym22:32

    Hallo, Ihr Schlafwandler, es gibt hier noch Überlebende, die, um nicht eben bei einem dieser Psychotherapeuten zu landen, immer wieder gerne Deiner Reeperbahn einen Besuch abstatten. Morgen werde ich übrigens der Centralstation in Darmstadt einen Besuch (Calexico) abstatten und an unseren Konzertabend vor einigen Jahren im Stadtpark in HH denken.
    Grüße von der EX des Franken, leider immer noch Marburgerin. Falls Ihr noch länger bleibt und Zeit für einen guten Espresso im Südviertel (garantiert ohne Fachwerk) habt, Ihr findet mich als Tippfehler "Maren" im Telefonbuch.

    AntwortenLöschen
  4. Olaf, über die Gehaltsstufe der frisch Emeritierten weiß ich nichts. Jedenfalls scheinen sie alle ihre Schäfchen im Trockenen zu haben.

    Joshuatree, das Interesse an „Pleonasmus“ ist bei Wikipedia heute auf nahe null gesunken. Weiß auch nicht warum.

    Schade, „Maren“, wir sind gerade im Begriff abzureisen. Und: Wir lieben Fachwerk!

    AntwortenLöschen
  5. hmmm mal n bissl Off-Topic, aber warum gibts heute morgen keinen frischen Blog-Post? Ich sitze hier nu ganz verzweifelt im Büro und irgendwie fehlt mir was. ;)

    AntwortenLöschen