06 Juli 2009

Auf Tomatenjagd

Wir stehen noch unterm Eindruck der Hummertapete im Kieler Maritimhotel, als uns bei einem Spaziergang durch die Altstadt dämmert: Das war noch gar nichts.

Denn auf nur zehn Metern Strecke entfaltet sich ein komprimiertes Horrorszenario; es ist sozusagen der Eingang in den Hades: erst eine Scientologybude, dann eine Aktivistin der Rentnerpartei, schließlich drei Panflötenindios mit CD-Verkaufsstand. Hier hilft nur Flucht.

Zurück in Hamburg fehlen Tomaten. Zum Glück wimmelt der Kiez auch sonntags vor offenen Geschäften. Bei Penny aber gibt es keine mehr. Also Lidl.

Dort liegen nur noch zwei dreieckige flache Plastikschalen mit supersüß ausschauenden Kirschtomaten im Regel, doch vor mir stürzt sich ein Mittzwanziger drauf.

Er öffnet beide Schalen und beginnt umstandslos damit, ihren Inhalt in einer zusammenzuführen. Das schafft er auch bis auf vier partout nicht mehr hineinquetschbare Tomätchen, und die will ich natürlich jetzt auch nicht mehr.

Dann nimmt der Mann die nun proppevolle Schale, geht damit zur Kasse und hofft aufs sonntägliche Vorfeierabendkoma der Verkäuferinnen.

Ich weiß nicht, ob das geklappt hat, doch auch so zeigt die Methode des jungen Mannes zweierlei: a) wieviel Luft (nach oben) in einer dreieckigen Tomatenplastikschale ab Werk noch da ist und b) welche Sparpotenziale der Rest der Welt oftmals ungenutzt verstreichen lässt, sei es aus Anstand oder Dummheit.

Allerdings hat die Methode des Tomatenumfüllens auch Nachteile. „Wegen solcher Dödel“, wird Ms. Columbo später schimpfen, „wird hier alles kameraüberwacht!“

Tomaten erwische ich schließlich bei Topkauf in der Davidstraße, und zwar kurz bevor dort hitzeermunterte Huren die schärfsten Klamottenfitzelchen seit Erfindung des Rasiermessers vorführen.

Ich weiß es – denn wir haben hinterher, nach dem Tomatenmahl, noch mal nachgeschaut.


PS: Ach ja, noch ein mitgebrachter Kalauer, weil er zu lang ist zum Twittern: Was wünscht sich der in der Hauptstadt Schleswig-Holsteins für die Wasserversorgung Zuständige inständig? Immer eine Handbreit Wasser unter Kiel …


Kommentare:

  1. Anonym04:52

    :-)
    btw, wäre es möglich, den rss-feed auf full-post umzustellen? danke!

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  2. Nils die Maus06:05

    Kiel hat eine Scientologybude? Oh man ... Diese Spinner!

    Aber anscheinend hatten Sie ein paar schöne Tage in Kiel.
    Den Tomatentrick finde ich ... eklig. Ich mache sowas aus Anstand nicht.
    Und wo haben Sie diese ganzen Kalauer her?
    So humorlos kann der Norden doch nicht sein, oder?!
    Nagut ... aktuelle Schaubude, Kieler Woche und Schlager Move mal ausgenommen ...

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  3. Ohja, bitte wieder Full-post RSS.

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  4. Da immer mehr Contentdiebe umgehen, die sich ein eigenes Angebot aus fremden RSS-Feeds zusammenstellen, geht das zurzeit leider nicht.

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  5. vierundachtzig11:36

    In der Regel liegen Tomaten im RegAl. :-)
    Folgenden Kalauer fand ich auch super, auch wenn er auf Englisch ist: What does making love in a boat and american beer have in common? It is fucking close to water.
    In diesem Sinne einen schönen Montag noch!

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  6. full feed! we want full feed! sorry matt, ich lese auf handy und ipod, da funktioniert das so nicht.

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