07 Juli 2009

„Nicht so engfotzig, Sie alter Fliegenbefriediger!“

Der unten zu hörende Dialog findet sich auf dem raren Soundtrack zu Wolfgang Staudtes 1971er Film „Fluchtweg St. Pauli“.

Zwei grenzderbe Koberer nehmen einen unbedarften Kiezflaneur verbal in die Mangel – und das Witzige ist: Ihre vulgären Anmachsprüche haben sich seither kaum gewandelt.

Die Reaktion des Opfers allerdings ist so was von 70er. Heute würde niemand mehr mit distinguierter Empörung zu argumentieren versuchen – sondern einfach weiterlaufen.

Das ist zumindest meine Strategie.

Kommentare:

  1. Nils die Maus06:06

    Wäre eine Reaktion des Opfers nicht eher den 70ern standesgemäß, wenn es die Polizei, Derrick, den Alten oder Kojak gerufen hätte? Oder zumindest mit seiner Ehefrau Lisbeth mit rotem Kopf ein paar Meter weiter gegangen wäre, und sich dann aufs Äußerste echauffiert hätte, aber dann des Nachts, als besagte Dame schläft, doch losgezogen und in das Etablismont um Einlass gebeten hätte?

    Nur son Gedanke ...

    Btw: Mit Sonnenschein im Gesicht so früh aufzuwachen, da hat der Arbeits- bzw Seminartag eine ganz neue Erscheinung!

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  2. Wissen Sie, was ich schwierig an dieser ganzen Koberei finde? Die Koberer zwingen einen, unhöflich zu werden. Das ist ähnlich wie die Prostituierten am Albers-Platz. Alle höflichen Arten, das Angebot abzulehnen, alle halbwegs witzigen, aber nicht beleidigenden Sätze kennen sie. Und wissen eine Antwort darauf. Es gibt also keine Lösung, diese Leute loszuwerden, als die des Ignorierens.

    Wenn ein Koberer wenigstens von seinem Standardrepertoire abwiche, wenn er eine Entgegnung hört, aber nein: Die drei, vier Floskeln werden leicht umgebaut und wieder hervorgebracht.

    Und es ärgert mich, wenn ich ein Angebot auf unhöfliche Weise ablehnen muß. Ich möchte einfach nur höflich ablehnen können, sprich: den Koberer / die Prostituierte eben nicht beleidigen. Und genau darauf reagieren die dann wie in dem Beispiel.

    Wie wäre es wohl, wenn wir einfach mal zurückpöbeln und DAS aufnähmen? „Nee, laß mal, hab keine Lust auf die abgewrackten Schabracken da drinnen; MEINE Freundin hält sich wenigstens fit.” Oder „ich komme rein, sobald ich den ersten NEUEN Anmachspruch von dir höre.”

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  3. Nils die Maus19:56

    @GP Das ist wahrlich eine gute Idee. Vorallem Ihr Spruch mit der Freundin ist genial. Zieht meistens auch bei den Prostituierten ...

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  4. Ich weiß nicht so recht, ob GPs Freundinnenspruch in der Praxis funktioniert. Läuft man da nicht Gefahr, dass die Damen im Bewusstsein ihrer Ludenrückendeckung auf eine Weise physisch aktiv werden könnten, die bedeutend weniger angenehm wäre als die gegen Bares offerierte Art und Weise?

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  5. Nils die Maus06:00

    Hmm ... für wahr, eine unangenehme Vorstellung. Der Spruch ist gut, keine Frage. Aber wenn eine der Damen wirklich zuhört (tun sie ja sonst eher nur bei den Wörtern "Ok", "wieviel" und "geit los") und diesen Spruch auch versteht, dann könnte es evtl eng werden ...
    Trotzdem finde ich deren Art auch einfach nur nervig!

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