30 Juni 2009

Nur die Liebe dellt (2)

Heute Abend rief mich der Besitzer jenes weißen Mercedes an, dessen Dach am vergangenen Wochenende von einem rammelnden Pärchen eingedellt worden war.

Der Wagenbesitzer entpuppte sich als gutgelaunter Mann kleinasiatischer Herkunft. Das war seinem temperamentreichen, doch grammatikarmen Deutsch zu entnehmen.

Er bat um die Herausgabe des Beweisfotos in bestmöglicher Qualität. Damit wollte er feststellen, wer seinen Wagen sexuell missbraucht hatte. Der Schaden nämlich sei groß, die Missetäter müssten ermittelt werden.

Es täte mir leid, zeigte ich Mitgefühl, doch das Foto dürfe ich keinesfalls herausgeben. Immerhin könne ja jeder ankommen mit diesem Wunsch; woher solle ich wissen, ob er überhaupt der Mercedesbesitzer und somit Inhaber eines berechtigten Herausgabeinteresses sei … Und außerdem müsse ich eh die Persönlichkeitsrechte des Pärchens schützen, was auch am vorsorglich angebrachten Augenbalken bereits ablesbar sei.

Ich empfahl ihm abschließend den Gang zur Polizei, und wenn diese Herren später bei mir auf der Matte stünden, so würde ich mich widerwillig der Macht des Gesetzes beugen und das Beweisbild herausrücken. Aber nur dann.

Grundsätzlich stand er meinen Ausführungen erstaunlich gelassen gegenüber. Sein Problem war nur: Er hatte den Verdacht, beim Auto-erotischen Paar handele es sich um Freunde von ihm, und sollte das so sein, sähe er natürlich von einer Anzeige ab und regle das lieber privat, auf dem kurzen Dienstweg sozusagen.

Wir vertagten uns erst einmal ergebnislos. Eine Stunde später rief er wieder an. Er war so aufgeräumt, als käme er gerade aus einer Helge-Schneider-Show. Wie sich herausstellte, hatte er nun den tatverdächtigen Freund an seiner Seite – und der hatte alles zugegeben. Nun begehrte auch der Freund mich, den Dokumentar seiner Manneskraft, persönlich zu sprechen.

„Sa’ma, iss das Foto gute Qualität? Ich brauch Abzüge!“, rief der Rammler begeistert aus, „iss doch ’n subber Andenken!“

Im Bestreben, seine Hoffnungen etwas zu dämpfen, verdeutlichte ich ihm, dass ich die Szenerie, deren Hauptakteur er gewesen war, schon ein wenig
hatte heranzoomen müssen. Eine gewisse Grobkörnigkeit sei somit nicht auszuschließen.

Ich spürte seine Enttäuschung und überlegte, wie ich den armen Tropf wieder etwas aufmuntern könnte, doch da hatte ihm der Mercedesbesitzer auch schon wieder das Telefon entwunden.

„Lass uns doch mal“, schlug er glucksend vor, „auf der Reeperbahn ein Bierchen zusammen trinken.“

Ein Vorschlag, der viel zu reizvoll ist, um nicht darauf einzugehen. Ich wüsste auch schon jemand als Geleitschutz.

Kommentare:

  1. Joshuatree00:46

    Nachdem Sie Lennon nun willentlich widerlegt haben, kann ich nur ein "Helter Skelter" hinterhersingen...

    AntwortenLöschen
  2. Nils die Maus06:05

    Was hat dieser Mann für Freunde?
    Ich überlege gerade, was passieren muss, dass ich mich in aller Öffentlichkeit auf dem Autodach eines Freundes vergnüge ...
    Ihr Geleitschutz scheint angebracht. Wohlwissend im Hintergrund, mit einem öfter mal auftauchenden Blitzen im Auge der Chromaxt durch die hamburger Sonne ... #Eigenlob_tut_gut#

    Mensch, ich werde ja fast poethisch hier am frühen Morgen ...

    AntwortenLöschen
  3. Selbstverständlich können Sie auf Ihren Geleitschutz jederzeit bauen, werter Matt. Sollte der Besitzer des Wagens übrigens... Sie wissen schon welcher ... Herkunft sein, dann hätte G. an dem Treffen sicher auch ganz besonders Spaß.

    AntwortenLöschen
  4. Anonym11:36

    http://www.spickmich.de/news/200907010600-unbekannter-benutzte-autodach-als-gehweg

    ;-))

    AntwortenLöschen
  5. Und ich dachte, da dreht sicher jemand so'n Pseudo-Privatporno und verkauft den Clip hinterher teuer. Tja, zu materialistisch gedacht ;-), war eher ein "Freundschaftsdienst". Viel Spaß beim Bier!

    AntwortenLöschen
  6. oh, bitte, ich muss da auch mit...

    AntwortenLöschen
  7. Olaf19:21

    Kann ich auch mit ?
    Es könnte der Beginn einer zweiten Karriere für Sie sein.
    So als Amatöahrfilmer für Pornohs.
    Hömma...
    ;-)
    Nein, ich komme lieber nicht mit.
    Aber Sie müssen unbedingt berichten, Herr Matt.Sie sind doch ein investigativer Journalist.
    Yess.

    AntwortenLöschen
  8. wie wär's, wenn ihr alle bier trinkend ne runde im benz übern kiez gurkt, mit dino und gina auf'm dach, rammelnd? ich würde gerne die lächerliche laute musik dazu beisteuern, das wär ne tolle promotion!

    eine frage haben ich noch: wie kam der benz besitzer zu ihrer telefonummer?

    AntwortenLöschen
  9. vierundachtzig18:45

    Wahrscheinlich eher Telefonbuch, denn bei mir wird beim Impressum nur irgendwas von wegen "Ätt" und "Dott" angezeigt

    AntwortenLöschen
  10. Wenn Sie meinen. Dann spare ich mir weitere Hinweise …

    AntwortenLöschen
  11. Ach Quatsch. Die haben einfach bei mir angerufen und nachgefragt.

    AntwortenLöschen