09 Juni 2009

Nicht sattelfest

Den Menschen, der mir gestern vorm Haus den Fahrradsattel samt Rohr entwendet hat, verstehe ich genauso wenig wie jenen, der das abgebildete Graffito ans Musicalhaus am Spielbudenplatz sprühte.

Doch ich mache dem Dieb keinen Vorwurf. Nein, mich selbst muss ich bezichtigen. Mich und meine zuletzt unmerklich angewachsene Bequemlichkeit, die mir irgendwann überzeugend einzuflüstern vermochte, es sei völlig Banane, abends immer den Sattel abzuschrauben und bis zum nächsten Morgen sicher in der Wohnung zu lagern.

Also, Unbekannter: Werde glücklich mit Sattel und Rohr, ich mach dir keinen Vorwurf. Doch solltest du dereinst mal die Krätze kriegen (was ich dir natürlich nicht wünsche), dann möge es bitte genau dann passieren, wenn du mit auf dem Rücken gefesselten Händen in einer Ausnüchterungszelle zu dir kommst, wo man dich blöderweise übers Wochenende vergessen hat.

Übrigens ist der Drang, sich zu setzen, wenn man mit einem Fahrrad ohne Sattel durch St. Pauli öttelt, praktisch unwiderstehlich.

Aber jetzt geht es schon wieder.



Kommentare:

  1. Joshuatree01:05

    Och nöh - nicht schon wieder, Matt.

    Kein Trost für Sie: Unser Familienauto im Laternenparkerdasein wird seit Jahren von beiden Seiten aggressiv und böswillig bearbeitet. Selbst meine Vespa wurde in Heidelberg nicht verschont. Ein Leasing-Auto wäre der wirtschatliche Ruin für uns.

    Mir erschien Montezumas Rache als adäquater Beistand...

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  2. Wie wäre es den mit einem Sitzkissen gepolsterten Gepäckträger zu nehmen, falls vorhanden natürlich nur. Es sieht zwar genauso dumm aus, aber im sitzen fährt es sich doch angenehmer.

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  3. Falls es tröstet - das ist nicht auf St. Pauli begrenzt. Ich habe hier (Barmbek) einen durchschnittlichen Verschleiß von 1 Fahrrad / Jahr. Inzwischen bin ich der Auffassung, daß man hier ein Fahrrad nicht kauft, sondern mietet - egal, was auf der Rechnung steht.

    Ähnlich wie das Essen einiger Gaststätten....

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  4. Sie wissen doch, Matt, daß es keine bösen Verbrecher gibt. Das ist alles die Schuld der Gesellschaft.

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  5. GP, Sie haben natürlich Recht. Wie konnte ich das vergessen.

    Me, Ihre Worte haben etwas sehr Tröstliches. Obwohl … eigentlich doch nicht.

    aquiiinla, ich habe eine andere Lösung bevorzugt: neuer Sattel.

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  6. Purer Destruktionstrieb. Nicht gut, aber soll es trotzdem geben. Wieso? Weil es ohne, vielleicht langweilig auf der Welt wäre.

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