01 August 2011

Von Franken bedroht



Beim 0:10 des Eimsbütteler TV im Pokal gegen Greuther Fürth fotografierte ich ein wenig vor mich hin, darunter auch den fleißig sich zugunsten seines Teams echauffierenden Fanblock der Franken – einem Volksstamm, zu dem ich ja, wie Stammleser wissen, eine von kopfschüttelnder Zuneigung geprägte Beziehung pflege.


Bis jetzt.


Denn p
lötzlich stand ein ebenso langer wie missmutiger Kapuzenfürther vor mir und verlangte das sofortige Löschen des Bildes. Ich beschied das augenblicklich und mit spontan aufflammender Empörung abschlägig, woraufhin er glaubte, mir wenigstens weitere Bilder untersagen zu müssen. „Die wollen nicht fotografiert werden“, sagte er knapp.

Mein Hinweis auf das halbe Dutzend Fernsehkameras, welches fleißig dabei war, unablässig Bilder von Spielern und Zuschauern zu produzieren und sie frecherweise auch noch in alle Welt hinaus zu SENDEN, stieß bei diesem Menschen auf gänzlich taube Ohren. Ich versuchte meine Argumentation noch mit einem frei rezitierten Paragrafen aus dem Kunsturheberrechtsgesetz (KUG) zu unterfüttern, welcher besagt, dass auf öffentlichen Veranstaltungen zustimmungsfrei Aufnahmen in die Menge hinein gemacht werden dürfen.

„Sie werden schon sehen“, rief er daraufhin mit einem drohenden Unterton, den ich von dieser gemeinhin friedfertigen und eher der Sättigungsherstellung zugetanen Ethnie nicht erwartete hätte, „was dann passiert!“ Inzwischen waren zwei weitere Kapos mit grünen Schals hinzugetreten, die sich beeilten, mir eine ähnliche Botschaft zu übermitteln.

Das lächerliches Ansinnen dieser anscheinend in Nordkorea fehlausgebildeten Frankenkamarilla wurde mir zunehmend lästig und ich suchte Beistand bei einem Ordner. Immerhin waren wir hier mitten in Hamburg, und die offenkundige Generösität, mit der die hiesige Ausländerbehörde den Fürthern Besuchsvisa ausgestellt hatte, durfte, wie ich fand, nicht zu körperlichen Schäden bei der einheimischen Bevölkerung führen, nur weil sie etwas tat, was auch das Fernsehen tat.



Doch auch der Ordner faselte etwas vom „Recht am persönlichen Bild“, woraufhin ich nun auch ihm frei den KUG-Paragrafen vorzitierte. Er lächelte das allerdings mit dem Argument weg, die Franken um uns herum seien sonder Zahl und zudem betrunken.

„Sie wollen mich also nicht schützen?“, fragte ich ihn verwundert. „Nun“, sagte er, „ich MUSS Sie schützen. Aber …“ Und dann zuckte er auf eine joviale Art mit den Schultern, die mich daran zweifeln ließ, ob er überhaupt willens wäre, mich bei Bedarf wieder aus den Klauen von Kim Il-sungs fünfter Kolonne zu befreien.

Warum die Greuther Fürther oder Fürther Greuther (wie heißt das eigentlich richtig?) ausgerechnet von mir nicht fotografiert werden wollten, blieb übrigens bis zum 0:10 im Dunkeln. Vielleicht gibt uns Michael Rudolfs luzides Meisterwerk „Schrumpft die Bundesrepublik!“ einen interessanten Hinweis. Der selbst der thüringischen Krume entsprossene Autor deutet auf S. 45 ff. an, die Franken pflanzten sich dank des bestürzenden Aussehens vor allem ihrer weiblichen Stammesangehörigen nicht durch gemeinhin übliche Tätigkeiten fort, sondern durch Knospung.

Dass man unter diesen Umständen nicht fotografiert werden will, ist sehr verständlich. Man hätte es mir einfach nur sagen müssen.


PS: Wie der Fotovergleich zeigt, kann man Rudolfs These bei Sky (o.) übrigens erheblich besser überprüfen als bei mir.

Kommentare:

  1. Nihilistin06:29

    Der grüne Kapzuzenmann hat Sie echt geSIEzt, Herr Matt?
    Da sieht man mal, was für einen Einfluß die Umgangsformen in Ihrem Blog inzwischen aufs normale Leben haben....

    AntwortenLöschen
  2. Anonym07:14

    Nur "warum" sich die Fürther nicht fotografieren lassen wollten, das wird mit keinem Wort erwähnt.

    Man wird diese Verhaltensweisen nämlich heutzutage in nahezu jedem Fanblock vorfinden. Und leider auch zu Recht in Zeiten von Gesichtserkennung, systematischer Auflauerung fussballerischer Gegner und Datensammlung von Polizei.

    Das fehlt in dem ganzen Kommentar. Der Hinweis auf "ist doch erlaubt" greift da viel zu kurz.

    Zugegeben: Mit Drohungen und aggressiv den jeweiligen Fotografen anzugehen ist genauso albern.

    AntwortenLöschen
  3. Frau Nihilistin, ich war auch ganz beeindruckt. Allerdings war das auch die einzige beeindruckende Eigenschaft dieses Menschen.

    Anonym, wenn es um Gesichtserkennung geht, dann frage ich mich: Warum akzeptieren diese Leute mit dem Kauf einer Eintrittskarte lammfromm den darauf abgedruckten Passus, mit dem sie das Recht an ihrem persönlichen Bild abtreten und dessen bedingungslose Vermarktung gestatten? Warum protestieren sie nicht gegen Fernsehübertragungen von Fußballspielen? Und glauben diese Leute wirklich, sie könnten heutzutage, wo jeder mit einem Fotohandy ausgestattet ist, das Fotografieren in der Öffentlichkeit verhindern?

    AntwortenLöschen
  4. Das dürfte in fast jedem Block so sein. Sicher ist der angeschlagene Ton aus dem Block nicht hinnehmbar - aber andererseits - warum kann man auf die Aussage "Wir möchten nicht fotografiert werden" nicht einfach mit "OK" antworten und die Bilder aus der Entfernung machen? Auch wenn das Gesetz das ganze klar regelt - nicht immer sind Gesetze auch richtig und gut. Und nicht immer muss man drauf bestehen.

    AntwortenLöschen
  5. offenbar lässt ihr diffuses rechtswissen sie auch annehmen, man dürfe einfach mal standbilder aus herrn murdochs skysport schatzkästchen in seinem blog abbilden. wenn das mal so stimmt...

    AntwortenLöschen
  6. derkiesel, ich HABE ausschließlich aus der Entfernung fotografiert, wie sie meinem Motiv unschwer entnehmen können.

    Der Klage von Herrn Murdoch sehe ich gelassen entgegen, Tommy …

    AntwortenLöschen
  7. Entfernung ist bei mir aber weiter weg ;-) Ich erkenne schon deutlich die Gesichter.

    AntwortenLöschen
  8. So? Dann vergleichen Sie das doch bitte mal mit den für potenziell Millionen Fernsehzuschauer gesendeten Bildern von Sky. Dagegen rührten die greulichen Fürther keinen Finger. Aber Sky haben sie ja auch freiwillig ihr Recht am eigenen Bild abgetreten.

    Mich erinnert das an eine Bürgerinitiative, die für Verkehrsberuhigung im Wohnviertel sorgen will und Lkws durchdonnern lässt, aber Dreiradfahrern Prügel androht.

    AntwortenLöschen
  9. Mein Schwesterherz lebt seit 30 Jahren in Franken und hält diesen Volksstamm immer noch für leicht bekloppt. Was, zugegeben, nicht unbedingt nur an den Franken liegen muss.
    Greuthfürther Fußballfans dürften ohnehin nicht repräsentativ sein für die Nordbajuwaren.

    AntwortenLöschen
  10. Anonym12:00

    Hallo Matt,

    Ich glaube das diese Richtlinien und AGB vielen Leuten einfach bisher unbekannt sind. Wenn du die Diskussion beim FCSP verfolgst, dann wirst du sehen, dass eine kritische Auseinandersetzung damit gerade beginnt und ein "lammfrommes akzeptieren" nicht (mehr) der Fall ist. Ich zumindest finde diese AGB Regelungen unerträglich und auch das ständige Abfilmen von Zuschauern in Nahaufnahme finde ich grausig.

    AntwortenLöschen
  11. Über die AGBs kann und sollte man in der Tat diskutieren. Allerdings muss man dann konsequenterweise die komplette Art und Weise der momentane Fußballvermarktung in Frage stellen. Ohne sie nämlich wäre das Produkt ein völlig anderes. Das Eine – volle Stadien, Stars, Superzeitlupen – ist ohne das Andere nämlich nicht zu haben.

    AntwortenLöschen
  12. Also, Herr Wagner, wer das Benehmen von Fürthern auf den Franken im Allgemeinen projiziert, macht sich in den Nachbargemeinden keine Freunde ....

    Repräsentativ für Franken (nicht Bajuwaren, bitte) kann man das nicht nennen, wie Herr Zaphod richtig anmerkt.

    Das begründet auch die von Ihnen angemerkte Visumspflicht, was das Kuriosum für die kleinste Stadt der Welt mit U-Bahn mit sich bringt, dass man an der Stadtgrenze aussteigen, vorzeigen und wieder einsteigen muss.

    Wen das noch nicht abschreckt, geht zu einem Föddä Fussballspiel, ein Verein, der aus dem Zusammenschluss des legendären TSV Vestenbergsgreuth und der SpVgg Fürth hervorgegangen ist, die schon immer als unaufsteigbar galten - wofür wir alle sehr dankbar sind, wie Sie ja am Wochenende selbst erfahren durften.

    AntwortenLöschen
  13. Die Frage ist doch, Herr blogspargel, wer die Definitionshoheit besitzt, über die Zugehörigkeit zu Ihrer Ethnie zu urteilen. Möglicherweise halten sich die Fürther trotz Ihrer tadellosen Argumentationskette ebenfalls für Franken, und wer wollte ihnen das letztlich wie widerlegen? Nein, nein: Sie müssen schon damit leben, diese fehlentwickelte Splittergruppe zu Ihren engsten Verwandten zählen zu müssen.

    AntwortenLöschen
  14. Leider kann ich nichts zur Ausgangsfrage beitragen, aber als jemand, der quasi neben der Trolliarena wohnt, muss ich die Grünweißen doch mal a weng in Schutz nehmen.
    Fürth an sich ist im Städtedreieck schon das Stiefkind - Nürnberg ist groß, Erlangen ist gebildet und der Rest, naja, der ist halt in Fürth gelandet.
    Der Nordbayer ist primär entweder FCB-Fan (Erfolg schafft Fans) oder vielleicht noch Glubberer, der ruhmreiche FCN hatte zumindest mal Zeiten, aus denen man das mit obigem Klammerinhalt begründen kann. Um Fan der Unaufsteigbaren zu werden, die selbst in ihrer Heimat von den meisten belächelt werden, braucht es eine gehörige Leidensbereitschaft.
    Also bitte ich um Nachsicht, die Jungs sind arm genug dran ;-)

    AntwortenLöschen
  15. Akzeptiert. Dennoch sollte man sich zu benehmen wissen, wenn man in einer richtigen Stadt zu Gast ist – selbst wenn man aus Fürth kommt. Das kann ja nicht alles entschuldigen.

    AntwortenLöschen