17 Oktober 2010

Seit pfirsich Jahren Mitglied



Gegen 14 Uhr streunte ich hoffnungsfroh über den Stadionvorplatz, um eventuell noch kurzfristig eine Schwarzmarktkarte für das St.-Pauli-Heimspiel gegen Nürnberg zu ergattern.

Doch ich bekam nicht mal die Chance, mich über Mondpreise aufzuregen, weil niemand, der ein Ticket besaß, auch nur im Traum daran dachte, es mir kurzfristig zu verhökern.

Also schlich ich mich frustriert nach Hause und schaute trübe und verdüstert der Alternative Fitnesstraining bei Chris, dem Schlächter, entgegen, als das Telefon klingelte und Andreas mich fragte, was ich heute Nachmittag vorhätte.

„Habe gerade vergeblich versucht, vorm Stadion eine Schwarzmarktkarte zu kaufen“, maulte ich. „Gut so“, sagte er, „ich schenk dir eine.“

Tja, und dann wachte ich auf und fand mich in der Wirklichkeit wieder, wo so etwas nun mal nicht geschieht, es sei denn, ein GZSZ-Autor schriebe das Drehbuch …

Der letzte Satz ist allerdings erstunken und erlogen, denn die Geschichte stimmt wirklich, sie trug sich genauso zu, und eine Stunde später stand ich mit Andreas und seiner Clique in der Gegengerade unten am Zaun, was ich allerdings nicht lange durchhielt, weil man dort nichts sieht außer Gitterstangen und die Rücken glücklicher Kinder, die in zwei Meter Höhe drankleben, weil ihre Papas sie dort hingehängt haben.

Also stieg ich rempelnd und quetschend ein paar Stufen höher. Hinter mir erzählte ein Fan seinem Kumpel, er sei seit 40 Jahren Vereinsmitglied. „Stell dir das ma vor, Mönsch“, sagte er, „seit vierzich Jahren! Verstehst du? Viiieeeeeerzich! Was ’n das für ’ne Zahl, sach ma?“

Das konnte sein Kumpel auch nicht so genau sagen. Der altgediente Fan wurde daher nicht müde, sich an dieser Wahnsinnszahl zu berauschen. Er knautschte und dehnte sie, kaute darauf herum, beschmeckte sie von allen Seiten, deklinierte all ihre phonetischen Varianten durch, und ganz zum Schluss sagt er die 40 so blitzgeschwind, dass sie klang wie „Ftzch“.

Dann endlich hatte der ganze Block es begriffen, was diese Zahl bedeutete. Und am Ende auch, was ein 3:2 gegen Nürnberg bedeutet: nämlich Jubel, Trubel, Heimsiegseligkeit – plus Bierdusche für alle.


Und ich meine alle.

Kommentare:

  1. Sie Glückspilz, ich musste für eine Bierdusche nach Hannover fahren. Mehr als pfirsich Kilometer.

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  2. miele05:05

    womit hast du das verdient.....
    gönn ich dir aber trotzdem.....

    war eingeladen vitali beim hauen zuzuschauen...
    war völlig ausverkauft, die ...arena...
    habe auf einem 100€ platz, genau auf höhe des rings gesessen, das war ein wunderbarer blick...
    spasiba bolschoi vitali, das hat spass gebracht
    dir bei der arbeit auf die hände zu kucken...

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  3. Anonym13:10

    Ich wohne in Hörweite eines Fußballstations (2.Liga) und öffne bei Interesse am Spielstand einfach das Fenster .... und das nun auch schon viele Jahre .... pfirsich sind's noch nicht ganz, aber ich arbeite dran!
    Glückwunsch an St.Pauli und ein 'weiter so!'
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  4. Zaphod, ich fühle mich prompt als Maskottchen, weil der letzte Bundesligaheimsieg achteinhalb Jahre her war. Wer also künftig dafür sorgt, dass ich bei Heimspieln anwesend bin, dient dem Wohle des Vereins.

    Miele, Gückwunsch zu den 12 Runden! Das hätte auch viel schneller enden können …

    Frau-Irgendwas-ist-immer, wir wohnen ebenfalls in Hörweite des Stadion. Aber manchmal muss es mehr sein.

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  5. Jep, beide Großstadtvereine haben gewonnen. Zum Glück hatten wir unseren Flaschenwerfer ;-) Und ein Blick auf die Tabelle erspart mir morgen viel "Gelaber" im Büro. P.S. Der Gegner vom Wahldeutschen liegt auf der Intensivstation. Nur für die, welche es noch nicht mitbekommen haben. In diesem Sinne...

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  6. Ja, Hamburg hat schon 27 Punkte in der Bundesligatabelle und ist somit Erster.

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  7. miele07:17

    rechnen 6
    setzen
    du bist und bleibst ein quittje
    und wirst nie paulianer............

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  8. Immerhin weiß ich (im Gegensatz zu gewissen anderen Menschen), wie man „Quiddje“ schreibt, hihi …

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  9. Ja, Matt, was erlauben Sie sich auch? Sie glauben doch wohl nicht, daß man einfach so Paulianer werden kann, oder? Dazu müssen Sie schon die richtigen Gene haben. Ein lückenloser Paulianernachweis ist ebenfalls erforderlich, sonst bleiben Sie eben auf ewig Gastarbeiter. Und sollten möglichst schnell nach Hause gehen.

    Wie mir dieser Rassismus (ja, nichts anderes ist das) auf den Sack geht.

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  10. Nichtpaulianer wie Sie und ich sollten einen Stoffaufnäher für Jacken und Mäntel bekommen, damit wir in der Öffentlichkeit gleich als solche wahrgenommen und entsprechend behandelt werden können.

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  11. Eine gute Idee. Ich meine, andererseits erkennt man uns ja sicher schon an der Nasenform als Nichtpaulianer, aber wenns der Wahrheitsfindung dient, wäre auch ein Aufnäher gut.

    Wissen Sie, ich glaub, als Nichtpaulianer hat man so Konzentrationsschwierigkeiten beim Fußball. Vielleicht sollte man dafür mal ein Lager trinken.

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  12. Aber natürlich nur in den dafür vorgesehenen und markierten Vierteln, wo Nichtpaulianer sich auch legal aufhalten dürfen!

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  13. Eventuell kann man das ja durch speziell dafür ausgebildete Beamte überprüfen lassen?

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  14. miele12:07

    quittsche, quiddsche, quittje, quiddje....
    völlig egal wie, alles legal....
    is nähmlich platt...
    kennst du nix von...
    und das du ein korinthenkacker bist is mir nich neu...( für die von weit wech : dippelschisser )
    hast du bestens vorgeführt...

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  15. GP, das ist eine sehr gute Idee. Man könnte sie in schwarze Ledermäntel stecken, damit sie klar als Nichtpaulianerjäger erkennbar sind. Ihre Kompetenzen wären natürlich unbegrenzt. Und müssten natürlich unbedingt auf die Ergreifung und „Behandlung“ von Korinthenkackern erweitert werden.

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  16. Da sie auf die Behandlung von Nichtpaulianern und Korinthenkacker spezialisiert wären, benötigten sie auch keinerlei Ausbildung bezüglich Rechtschreibung und Grammatik. Hmm... mir fiele da sofort ein Kandidat ein!

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  17. Stimmt, mir auch … Übrigens könnte man auch über spezielle Lager für Quiddjes und Korinthenkacker nachdenken, vorzugsweise im Osten, wo Platz ist, in Meck-Pomm zum Beispiel.

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