13 Oktober 2010

Aufgesext



Das Restaurant Freudenhaus in unserer Straße arbeitet weiter überaus emsig an einer komplett kiezkompatiblen Corporate Identity.

Nicht nur, dass der überraschte Gast automatisch auf höchst vertrauliche Weise bereits beim Eintritt geduzt wird wie sonst nur in der Herbertstraße, nein: Die ausnahmslos weiblichen Servicekräfte tragen nun auch alle schwarze Blusen mit der rückwärtigen Aufschrift „Freudenspender“.

Dabei sind die Damen wirklich nur fürs Duzen und Servieren zuständig. Denke ich mal. Ihre Blusen jedenfalls legen etwas anderes nahe und sind auch noch durchweg – wahrscheinlich aufgrund einer bedingungslos zu befolgenden Dienstanweisung – aufgeknöpft bis zur Diademrinne. Und das, obwohl nicht alle Bedienungsdamen gleichermaßen dekolleteegeeignet sind.

Kein Wunder also, dass der dermaßen aufgesexte Esslusttempel selbst an einem stinkoralen stinknormalen Montagabend brummt wie das Reeperbahnlaufhaus am Tag der offenen Tür. (… den es meines Wissens übrigens noch nie gegeben hat. Wäre doch mal eine Promotionidee, liebe Hells Angels!)

Zurück zum Wesentlichen, dem Essen: Ms. Columbo orderte Spanferkelbraten „Corny“, geschmort im eigenen Saft, während ich mich für die Roulade „Lilo Wanders“ entschied, die sich selbstverständlich an einer beziehungsreichen Füllung mit Gurken erfreute.

Der ausgewiesene Foodpornspezi Don Alphonso hätte hier sicherlich seine helle Freude, vielleicht am meisten an den groben Schweinswürstchen oder den Röhrennudeln mit Scampischwänzen.

Zu all dem passt übrigens perfekt „Gabi die Gabi“, jene original Freudenhaus Cuvèe 2006 vom einschlägig berühmten Weingut Stiefel & Lecken.

Den finalen Grapscha Grappa zum Runterkommen haben wir trotz aller Dessertversuchungen, welche das Freudenhaus noch in verführerischer Vielfalt aufbot, lieber zu Hause getrunken.

Kommentare:

  1. Ich stelle gerade mit Entsetzen fest, dass die göttliche Kalbsleber "Kalle" an Johannisbeersauce auf der Speisekarte den Schweinswürstln weichen musste. Das schockiert mich jetzt völlig, die war seit meinem letzten Besuch dort fest vorgemerkt.

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  2. Wenn Sie scharf auf schmackhafte Leber sind, sollten Sie sich an Germanpsycho wenden. Er besorgt Ihnen bestimmt auch die von Kalle.

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  3. Kein Ding. Wenn ich anschließend dafür ein Schnitzel im Freudenhaus krieg.

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  4. blogspargel11:19

    Also Kalles Leber, die ist zart, im Gegensatz zu Eberhard?
    Denn Eberhard, der Ziegenwart, der trank sich seine Leber hart. (Soviel aus Calau.)

    Herr Matt, Sie haben vollkommen recht, die Sichtbarkeit der Diademrinne (diesen wunderschönen Begriff haben Sie momentan exklusiv, sagt jedenfalls Google) sollte reziprok proportional zur Anzahl der Berufsjahre sein, sonst schmeckt’s nicht, da hilft auch kein katholischer BH.

    Erlauben Sie mir die Anmerkung, dass Leber (ein Kindheitstrauma) ja eher etwas für Heavy-Metal-Freaks ist, also für die Freunde des Schwermetalls. Das verlagert den Schwerpunkt.

    Leber schmeckt übrigens am besten, wenn man sie kurz vor dem Verzehr gegen ein saftiges Schnitzel austauscht.

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  5. Zweifellos haben Sie Recht, Herr Blogspargel. Und eine Zigarette ist dann besonders gesund, wenn man sie direkt vorm Anzünden durch eine Tafel „Ritter Sport Dunkle Voll-Nuß“ ersetzt. Mache ich praktisch täglich.

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  6. Da blogspargel gerade Schwermetall erwähnt, muss ich das Angebot von GP nach kurzer Überlegung doch dankend ablehnen. Soweit ich mich erinnere litt Kalle tatsächlich öfter mal an Bleivergiftungen.

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  7. xs4all03:28

    Zaphod u. Herr Blogspargel, Ihre Einwände stimmen mich nachdenklich. Just bis zu diesem Moment verspürte ich noch hämische Lust einen blöden Spruch like: "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" mit süffisantem Lächeln gen Zaphod zu schmettern, da ich am 27. Mai dieses Jahres von Herrn Zaphod zur rituellen Verspeisung dieser ebenjeniger Leber des Herrn Kalle ins Freudenhaus eingeladen wurde.
    Hatten Sie nicht ein anderes Gericht bestellt, lieber Zaphod, und mich interessiert beim Verzehr der Innereien von Kalle beobachtet ?
    By the way, seitdem fühle ich mich auch irgendwie seltsam schwer. Sucht mich etwa eine verschleppte Plumbumvergiftung seither anheim oder ist es nur die Bettschwere, die ob der fortgeschrittenen Stunde an mir nagt ?
    Egal. Allein wegen der Johannisbeersauce hat es sich gelohnt !
    Ach und noch etwas, ehe ich es vergesse...
    seinerzeit (27.5.) waren die Bediensteten in dem Etablissement ausschließlich männlicher Natur und einen Grappa hätten Sie, werter Herr Matt, allen Reputationen zum Trotz sowieso nicht erhalten.
    Diese Idee hatten Zaphod und ich nämlich auch ins Auge gefasst, woraufhin man uns auf Nachfrage stirnrunzelnd bedeutete man führe leider keinen Grappa im Sortiment.
    Man könne allerdings einen Mosel Trester empfehlen.
    Der dann auch durchaus konvinierte.
    Vallah! Ich schwör !

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  8. Nächstes Mal unbedingt die Alstertaler Kartoffelsuppe bestellen. Die birgt eine kleine Überraschung wenn man sie mit Stumpf und Stiel auslöffelt

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