25 April 2010

Fünf mal eins ist nicht achtzehn



Bei meinem Streifzug über den Schlachthofflohmarkt ließ ich trotz aller offenkundigen Qualitäten die 45-Single „Bier, Bier, Bier ist die Seele vom Klavier“ von Paul Kuhn links liegen, wohl wegen der thematisch enttäuschend gleichförmigen B-Seite („Es gibt kein Bier auf Hawaii“).

Bei einem anderen Händler stieß ich allerdings auf eine Plattenkiste mit lauter mir unbekannten Songwriteralben aus den 70ern. Eine herumsitzende Frau ermunterte mich mit merkantilen Argumenten („Alles billiger! Alles nur ein Euro!“) zur näheren Inaugenscheinnahme.

Und in der Tat: Am Ende hatte ich fünf mir interessant vorkommende Objekte herausgefischt, deren erstaunlich guter vinyler Zustand die ramponierten Cover nicht gerade nahegelegt hatten. Inzwischen war die Frau verschwunden, dafür hielt ein etwa zwei Meter langer älterer Herr nun die Stellung. Er trug merkwürdigerweise eine hochgeschobene Affenmaske auf dem Kopf, ähnlich wie es die hiesigen Luden mit ihren stets bedingungslos blickdichten Sonnenbrillen tun.

„Entschuldigen Sie“, wandte ich mich an ihn, „machen Sie mir ein Angebot für die fünf LPs hier?“ Er schaute gutgelaunt unter seiner Affenmaske hervor und sagte: „No jo, saachen wir achtzehn.“ Ein überraschend erschreckendes Angebot.

„Ihre Kollegin hat vorhin gesagt, das Stück kostet nur einen Euro“, versuchte ich die beiden gegeneinander auszuspielen, was meist in Abwesenheit einer Partei ganz gut gelingt. „Na gut“, gab er sich versöhnlich, „saachen wir acht.“


Mit Mathe hatte er’s offenber nicht so. „Fünf mal eins“, belehrte ich ihn, „ist aber fünf.“ Er winkte lässig ab, während man durch das gewaltige Gebiss der Affenmaske seine Haare sehen konnte. „Na gut, fünf.“

Aus Scham beendete ich das Spiel an dieser Stelle. Sonst wäre ich wohl nicht nur mit fünf Platten, sondern auch mit zwei Euro mehr nach Hause gegangen.

Doof nur: Ich hatte vor Monaten bereits geschworen (allerdings ohne Zeugen), keine weiteren LPs mehr zu kaufen. Jetzt fühle ich mich reingelegt.

>> Die beliebtesten Tags: Brief | Bus | Einzelhandel, Franke | Fußball | Obdachlose | Panne | Reeperbahn | Sex | Sprache | St. Pauli

Kommentare:

  1. Nils die Maus09:52

    Selbst schuld. Was müssen Sie auch bei Ralf Möller auf dem Flohmarkt einkaufen.

    AntwortenLöschen
  2. Ich gehe eben unvoreingenommen auf Menschen zu.

    AntwortenLöschen
  3. Anonym21:53

    Man muss auch mal den Mut haben, sich selbst reinzulegen - Frauen kennen das beim Einkaufen, Männer tun sich damit (meiner Erfahrung nach) schwerer.
    Nehmen Sies leicht.

    Schmunzelnde Grüße,
    Josie

    AntwortenLöschen
  4. miele00:37

    welches hobby hat deine süße....
    schuhe ?.?.?

    AntwortenLöschen