19 August 2007

Meditieren auf der Reeperbahn

Mehrfach jährlich herrscht hier auf dem Kiez die sonische Hölle. Zum Beispiel beim Schlagermove („Fiesta Mexicana“-grölende Kampftrinker in Schlaghosen), dem Christopher-Street-Day (Tunten in Tüll und Karnevalsklamotten) oder den Harley Days (rollende Bierbäuche mit applizierten Graubärten).

Müsste ich mich entscheiden, welchen dieser empörenderweise sogar polizeiunterstützten Terrorakte ich zum Teufel wünschen sollte, so fiele mir das leicht: alle drei.

Außerdem gibt es hier noch ein Radrennen, die CyClassics. Auch das führt zu Lärmentwicklung. Denn tausende von Menschen stehen gewöhnlich an der Strecke und nerven akustisch die schutzlosen Fahrer.

Doch dank der Tour de France war heute alles anders. Zwar rauschte das Fahrerfeld zig-mal über die Reeperbahn, nur stand da kaum jemand rum. Radelnde Chemiedepots? Braucht wohl keiner mehr.

Weil aber natürlich trotzdem alles für den Autoverkehr gesperrt war, herrschte heute auf dem Kiez plötzlich eine himmlische Ruhe. Dafür danke ich Leuten wie Ullrich, Fuentes und Sinkewitz von Herzen. Bitte immer weiterspritzen, ja?

Natürlich nutzte ich auch die unverhoffte Chance, mich mal mitten auf die verwaiste Reeperbahn zu stellen und diese sonst tagtäglich so gequälte Straße einmal im verträumten Dämmerzustand zu fotografieren.

Ein bisschen war’s wie meditieren. Ommm.

Kommentare:

  1. Anna23:23

    Sehr schöne Straße, so schön gerade. Aber viele Flecken, wenn ich das mal so sagen darf. Wo die nur alle herkommen, nein, ich will es gar nicht so genau wissen...

    Schockiert bin ich ja über die "applizierten Graubärte" der Harley Menschen. Ja, is denn heut scho Weihnachten?

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  2. Lesezeichen hinzugefügt. Nur für den Fall akuter Heimwehschübe.

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  3. So sieht er also aus, der Straßenstrich in Hamburg.
    Pfeile weisen dem Almbewohner den Beginn der
    Torkeltour gleich neben der obligatorischen
    Pinkelrinne. Die ist natürlich in Hamburg sommerlich
    begrünt. Ein schönes gerades Stück Geschichte, wie
    geschaffen um Taue zu zwirbeln.
    @ Opa, warum Heimweh, Du kannst Dich doch in
    allgäuer Büsche schlagen zum Wasser abschlagen.

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  4. Andreas10:21

    Schöne Geschichte, schönes Foto. Frage mich nur, wie das mit der heutigen Mopo-Meldung in Einklang zu bringen ist, dass in diesem Jahr mit 800.000 Zuschauern ein neuer Cyclassics-Reord aufgestellt wurde. Waren die alle irgendwo, nur nicht auf St. Pauli? Das wär ja mal ganz was Neues.

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  5. Hier waren sie nicht. Zumindest nicht, als ich da war. Kann aber auch sein, dass sie sofort in die umliegenden Kaschemmen flüchten, sobald ich komme. Beim Schlagermove funktioniert das jedenfalls nicht.

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  6. @ oldman

    Das Bierzelt der gestern zu Ende gegangenen Allgäuer Festwoche mit table dance und Blasmusigeschunkel hat tatsächlich den ersten Heimwehschub bereits ausgelöst - nach dem Schlagermove. Jawoll.

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  7. Es gibt übrigens nicht nur Schwule in Tüll und Karnevalsklamotten sondern viele, denen du es gar nicht ansiehst, dass sie schwul sind.
    Auf der Pride Parade des Christopher Street Day - die übrigens NICHT über den Kiez zieht - ist so ziemlich die ganze Bandbreite schwulen und lesbischen Lebens zu sehen.

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  8. Ich weiß … Meine Neigung zu sarkastischen Übertreibungen ist aber manchmal einfach nicht zu zähmen.

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  9. @quergedacht,
    solange sich Querdenkende anonym im Netz bewegen müssen sie mit Übertreibungen leben.
    Kommt raus aus Eurem selbst gesponnenen Kokon.

    Das erinnert mich an meine Kindheit:
    "Du darfst mich man nicht sehen"!

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  10. @ queergedacht:

    Leider nicht die ganze Bandbreite: das rosarote Rathaus fehlt völlig.

    Meine Lieblingsgruppe war immer der schwule Hamburger Männergesangsverein. Die Typen sind wirklich gut.

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  11. @oldman: Es ist keines Falls so, dass ich mich verstecke, im Gegenteil, ich lebe offen schwul mit meinem Mann zusammen und jeder in meinem Umfeld weiss das.
    Dein Kommentar hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass in meinem Profil bei blogger.com mein Blog nicht aufgeführt wurde. Ich muss aber dort angemeldet sein, um hier kommentieren zu können. Als Anonymus wollte ich das erst recht nicht machen. Ich habe daraufhin heute meinen Bloggernamen entsprechend geändert und ".de" angehängt. Wer Interesse hat zu erfahren, wer dahinter steckt, wird es so hoffentlich leichter haben, hinter die Fassade zu schauen.
    @oma:
    Die Truppe Schola Cantoroa ist wirklich klasse. Ich bin selbst Fördermitglied, war früher aktives Mitglied als Technikbeauftragter für Ton und Licht bei den Konzerten. Nachdem mein Mann wegen einer Meinungsverschiedenheit ausgtreten ist (er war aktiver Sänger und Mitglied der Programmgestaltungsgruppe. Er den Inszenierungen früherer Programme mitgearbeitet), habe ich den Job aufgegeben.

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