13 Juli 2007

Fahrraddieb am Werk (1)

16:17 Uhr, Polizeistation Davidwache, am Tresen.

Ich
: (hoffe auf die Aufmerksamkeit des konzentriert arbeitenden Polizisten)
Polizist: (ohne aufzublicken) Sie wünschen?
Ich: Ich brauche Ihren fachmännischen Rat.
Polizist: (schaut auf) Dann schießen Sie mal los.
Ich: (halte mein Schlüsselfragment hoch) Gestern Nacht wollte ich am Bunker an der Feldstraße mein Fahrrad losbinden, dabei brach mir der Schlüssel im Schloss ab. Wenn ich jetzt mit einem Bolzenschneider dort auftauche, sieht das irgendwie … blöd aus.
Polizist: (mit feinem Lächeln) Da haben Sie Recht.
Ich: … und deshalb brauche ich Ihren fachmännischen Rat. Was soll ich tun?
Polizist: (grinst) Ein klassischer FaW also: Fahrraddieb am Werk.
Ich: Ja, genau, haha.
Polizist: (wieder ernst) Haben Sie Belege über das Fahrrad?
Ich: Nein. War ein Flohmarktkauf. Ich habe nur ein Foto.
Polizist: Hm, wenn Sie beim Aufschneiden von jemand beobacht werden und der ruft die Kollegen, dann kommen die mit drei Wagen angerast.
Ich: Ich sehe, Sie verstehen mein Problem.
Polizist: … und dann müssen Sie die Geschichte noch mal erklären, das gibt Papierkram, vielleicht Ermittlungsverfahren. Ich würde Sie ja dann gehen lassen, aber …
Ich: … aber die vielleicht nicht.
Polizist: (schaut hilflos in den hinteren Raum, dann mehr zu sich selbst) Wir haben gerade keinen Wagen da …
Ich: Ich habe sowieso noch gar keinen Bolzenschneider.
Polizist: Am besten gehen Sie zur Wache 16, mit Bolzenschneider.
Ich: Ist das die an der Stresemannstraße?
Polizist: Lerchenstraße, Ecke Stresemann. Erzählen Sie den Kollegen, was Sie vorhaben. Vielleicht haben die auch einen Wagen da.
Ich: Gut. Dann besorge ich mir erst mal einen Bolzenschneider.
Polizist: Viel Glück.
Ich: Danke.

19:44 Uhr, beim Nachbarn. Er hat keinen Bolzenschneider. Aber er hat, wie er sagt, „etwas viel Besseres“: eine Flex. Er zeigt mir, wie sie funktioniert.


„Sei bloß vorsichtig“, mahnt er, „das Ding ist gefährlich. Die Funken fressen sich sogar in die Brille.“

(Fortsetzung folgt)

Kommentare:

  1. Pavel K.01:38

    ...eine batteriebetriebene Flex? Oder haben Sie Freunde im Bunker, die Ihnen mal ihre Steckdose leihen würden?
    Bleibt spannend.

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  2. Mike09:21

    Ist auf dem Foto leider nicht zu erkennen: Wenn der andere Teil des Schlüssels noch im Schloss steckt, nimm doch mal den abgebrochenen mit und steck den (mit Gefühl) auf den anderen. Versuch das mal zu bewegen bzw. zu drehen. In den meisten Fällen springt das Schloss dann auf (Das klappte bei mir sogar mit meiner Bürotür). Sollte das abgebroche Stück über dem Schloss hinausstehen, kannst du es mit einer kleinen Zange versuchen. Viel Glück ... und schönes Wochenende

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  3. Pavel, meinst du wirklich, ein echter FaW würde sich unterwegs auf eine Steckdose verlassen …? Nein, das Teil hier ist wirklich akkubetrieben.

    Und die Sache ist auch bereits erledigt, Mike, wenngleich mit Hindernissen (dazu heute Abend mehr). Aber danke für die Mühe!

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  4. na dann bin ich mal gespannt, erinnert mich daran, wie ich vor vielen jahren meine eigene wohnung "eingebrochen" bin und plötzlich die bullerei auftauchte .. :-)

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  5. Ich bin ja auch mal gespannt.

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  6. Mike21:33

    @phil: Mich erinnert das „Einbrechen in die eigene Wohnung“ an einen Nachbarn, der den Schlüsseldienst holte, weil hinter ihm die Tür zugeknallt ist. Dabei hätte er nur die kleine Scheibe über der Klinke mit einem Hammer einschlagen müssen .. aber das ist jetzt sehr off topic

    @matt: Bin gespannt wie es ausging

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