19 Juni 2006

Meine trindidadischundtobagoische Freundin

Allmählich wird es wirklich zur Groteske. Seit Frankreich 1998 Fußballweltmeister wurde, haben die Blauen kein einziges WM-Spiel mehr gewonnen. Wenn sie jetzt nicht Togo weghauen – oh je … Schuld sind die Südkoreaner, die Zidane & Co. ein 1:1 abtrotzten und jetzt bessere Chancen als die Franzosen haben, die nächste K.O.-Runde zu erreichen.

Sollten die quirligen Asiaten wirklich ins Achtelfinale einziehen, werden sieben von ihnen nicht nur eine Siegprämie bekommen, sondern auch vom Wehrdienst freigestellt. Zu Südkorea zu halten, kommt also einem pazifistischen Akt gleich, denn ihr Weiterkommen senkte ja logischerweise die globale Kriegsgefahr. Für Schlachten braucht's nun mal Soldaten, und je weniger es davon gibt, desto schwieriger wird es, ein Gemetzel anzuzetteln. Null Soldaten, null Kriege – so simpel ist die Welt. Sieben Südkoreaner weniger sind schon mal ein Anfang. Also: Daumen drücken gegen die Schweiz!

Bei den eben genannten Ländern ist es übrigens einfach, ihre Einwohner zu bezeichnen: Franzosen, Südkoreaner (Foto: Spiegel online), Schweizer. Aber wie ist es mit Trinidad und Tobago? Ganz knifflige Sache, der die Dudenredaktion in ihrem aktuellen Newsletter ein interessantes Kapitel widmet. Ghana geht ja noch („Ghanaer“), ebenso wie Costa-Ricaner. Aber Togo?


Da dachte man immer, mit „Togolese“ korrekt unterwegs zu sein, und muss sich nun belehren lassen: Amtlich heißt es anders, nämlich Togoer. Und Menschen von der Elfenbeinküste heißen nicht etwa „Elfen“, „Elfenbeinküstler“ oder gar „Elfenbeiner“, sondern: Ivorer.

Bei der Ländernamenblähung Serbien und Montenegro stellt sich das Problem jetzt eh nicht mehr, aber wie ist es denn nun mit Trinidad und Tobago – „Trinidader und Tobagoer“? Darf ich vorstellen: meine trindidadischundtobagoische Freundin? Knirsch. Nein: Der Duden erlaubt hier nur die Umschreibung. Man muss also sagen: „Einwohner von Trinidad und Tobago“. Langweilig, aber korrekt.

Ach ja: Sollten sich die Togoer von den Franzosen doch nicht weghauen lassen, wird es ihnen übrigens quietschegal sein, ob wir sie weiter Togolesen nennen oder nicht. Und die Blauen werden wieder mal mit Häme leben müssen – adieu, les bloed …

Ex cathedra: Die Top 3 der Songs mit Einwohnerbezeichnungen
1. „An englishman in New York“ von Sting
2. „Young americans“ von David Bowie
3. „Zorba the greek“ von Mikis Theodorakis

Kommentare:

  1. Der Küchenchef ist Luxemburger, der Saucier ist (Togolese) ein Einwohner aus Togoland, der Spüler Portugiese, der Entremetier Holländer, wir alle sprechen untereinander Französisch. Die Diskussionen müsstest Du hören...
    Bin ich froh dass ich da nix mit zu tun hab. :o)

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  2. im ernstfall immer noch : adieu les bleus ;)
    ich hoffe ja immer noch auf ein wunder, aber die equipe tricolore scheint sich nicht wirklich zu derrappeln. schade.

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  3. Ghana können aber auch teilweise als Ghanese bezeichnet werden. Alles verrückt ;)

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  4. lasst sie uns doch einfach "Freunde" nennen...

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  5. ... ich war zwar wieder mal komplett am thema vorbei (aber frankreich ist mir einfach näher als t&t), hier mein vorschlag : warum nicht enfach insulaner (ok, klingt ein bisschen belämmert) oder ... oder ... oder, tja, bei dem ländernamen sind einem doch wirklich die hände gebunden. ich schließe mich somit blogschrift an, freunde ist immer noch am besten. ;)

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  6. Daiko, „Ghanesen“ ist zwar zulässig, aber nicht amtlich, sagt der Duden.

    „Freunde“ ist natürlich charmant, bleibt aber doch sehr im Schwammigen. Es ist ja auch nichts dabei, aus Trinidad und/oder Tobago zu kommen – und sollte auch benannt werden können. Ich wüsste ja gern, was „Deutscher“ auf Trinidadisch/Tobagoisch heißt. Könnte auch ganz lustig klingen.

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  7. Ich schliesse mich Deiner Friedensmission als Ex-Zivi natürlich sofort an und drücke Südkorea die Daumen. Nordkorea fiel zum letzten Male 1966 auf, als sie im Viertelfinale scheiterten. Das mag evtl. daran liegen, dass die Jungs dort a) im Militärdienst keine Zeit für Fussball haben und/oder b) die Synthetikbälle nähen müssen, statt sie (bereits gefertigt) in der Freizeit ins Tor zu schiessen. Letzteres macht - global gesehen - stets mehr Freude.

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