15 November 2010

Konkurrenz verdirbt das Geschäft

Das Backhus war die erste Bäckerei im neu entstandenen Bürohausviertel zwischen Reeperbahn und Hafen, dem sogenannten Brauquartier rund um den neuen Astraturm (Foto).

Dem Paketangebot des Backhus – fünf frei wählbare Brötchen für zwei Euro – vermochte ich immer dann nicht zu widerstehen, wenn wir Wochenendbesuch und somit gesteigerten Backwarenbedarf hatten. Zumal man bis zu drei dieser verflixt köstlichen Walnussbrötchen mit eintüten lassen durfte, die einzeln 65 Cent kosteten.

Seit ein paar Monaten gibt es nun direkt um die Ecke des Backhus die Schanzenbäckerei. Konkurrenz soll ja das Geschäft beleben, lehren uns von jeher jene Verfechter des Kapitalismus, die sich seiner so sehr schämen, dass sie ihn im Gespräch immer als „Marktwirtschaft“ verbrämen müssen.

Dieser Spruch behauptet, das Auftauchen eines Konkurrenten führe automatisch zu sinkenden Preisen, was die Kunden im besten Fall zu einem insgesamt höheren Gesamtkonsum animiere, wovon dann am Ende alle profitierten, Konkurrenten und Kunden.

Die Schanzenbäckerei jedenfalls fuhr erst mal so richtig lehrbuchmäßig auf diesen Spruch ab. Sie schaute sich sorgfältig das Backhus-Angebot an und offerierte dann zwar wenig fantasievoll, doch durchaus effizient ebenfalls fünf Brötchen nach Wahl im Paket – allerdings für 25 Cent weniger.

Fünf für nur 1,75: eine klare Kampfansage ans Backhus. Es musste reagieren.

Heute war es mal wieder so weit: Wir hatten Wochenendbesuch, also gesteigerten Backwarenbedarf und Lust auf im Dutzend billigere Walnussbrötchen. Und das Backhus hatte, wie sich herausstellte, in der Tat auf die neue Konkurrenzsituation im Brauquartier reagiert.

Jetzt kostete nämlich der Fünferpack 2,20 Euro, dafür waren nun Walnussbrötchen ausgeschlossen – zu teuer fürs Paket. Das Backhus reagiert also aufs Auftauchen der Schanzenbäckerei, indem es den Preis erhöht und zugleich die Produktqualität senkt.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich verstehe mehr vom Kapitalismus als jene, die ihn im Gespräch immer verschämt als „Marktwirtschaft“ verbrämen müssen.

Sie kamen übrigens super an bei unserem Wochenendbesuch, die drei Fünferpacks aus der Schanzenbäckerei.

Kommentare:

  1. Wobei ich die Produkte des Backhus noch nie geschmacklich gut fand, allerdings muss ich anmerken, das ich die Walnussbrötchen nicht kenne.

    Viel mehr erstaunt bin ich über die Größe Ihres Essbereiches, ich bin da mal von vier Teilnehmern ausgegangen, da finde ich ja drei Brötchenpakete schon sehr viel.

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  2. Da ist dieses Backhus aber ohnehin eine Besonderheit: als sonntägliche Stammkundin im Backhus Nienstedten kann ich berichten, daß dort für das gemischte 5er Angebot nur 1,35€ verlangt werden. Dito in den Backhus Filialen der Waitzstr./Othmarschen, am Bahnhof Blankenese und im Elbe Einkaufszentrum.
    Zur Nussbrötchensituation kann ich nichts sagen, da ich die Sorte nicht esse, aber ich kann das gern in Erfahrung bringen.

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  3. Anonym09:12

    Das Preisgestaltungsverhalten der Bäckerei Backhus wird in der Volkwirtschaftslehre mit der Wertvermutungstheorie und dem Snob-Effekt begründet.

    Also alles total normal.

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  4. Anonym10:10

    Also war das Brauquartier Epizentrum für die Hamburg-weite Preiserhöhung. Interessant.

    @Kiki 1,35 kosten doch nur die "einfachen" Brötchen, also Knackfrische. Die gemischten lagen schon immer bei 2 €.

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  5. Ich vermute, das variiert von Filiale zu Filiale. Das 1,35 Angebot beinhaltet im Westen zwar auf Wunsch auch die Knackfrischen, aber auch Mohn, Sesam, Laugen, Sonnenkrüstchen etc. Wobei ich die Knackfrischen allerdings am liebsten mag. Und die Laugencroissants natürlich, aber die gehen extra.
    (Und nein, ich habe keine Verwandten oder Aktienanteile im bzw. vom Backhus. Ich finde diese Bäckereikette nur am erträglichsten von allen Ketten.)

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  6. LillaMy16:34

    Es heißt übrigens "Dat Backhus" - aber geschmacklich wirkt sich dies sicher nicht auf die Brötchen aus.

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  7. aquiigoespott, es geht gar nicht um Geschmack, sondern um betriebswirtschaftliche Logik. Und was die eingekaufte Menge angeht: Wir waren zu sechst, aber mit sardischem Migrationshintergrund. Die von dort importierte Gastfreundschaft erzwingt die Bewirtung mit mindestens der doppelten Menge, die eigentlich benötigt wird. Heiraten Sie mal eine Sardin, dann werden Sie schon sehen!

    „Wertvermutungstheorie“, Anonym 09:12, finde ich ein reizendes Wort, das ich hoffe hiermit in meinen aktiven Wortschatz überführen zu können. Danke vielmals.

    Kiki, man muss in der Tat die schlichte Weißmehlpampenbrötchen von jenen aus dunklem Teig unterscheiden. Ob das innerhalb der Genres noch einmal variiert, ist durchaus denkbar. Allerdings wäre dann der soziale Brenn- und Prekariatspunkt St. Pauli der falsche Ort, um mal eben Mondpreise auszuprobieren.

    LillyMy, ich habe mir die Freiheit genommen, den Artikel einzudeutschen – so wie ich mir diese Freiheit auch bei der berühmtesten Kiezband nehme, den Beatles.

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  8. B. Kloppt23:21

    Tja, St.Pauli ist zwar offizielle der ärmste Stadtteil in Hamburg, dafür ist alles etwas teuer!
    Die Brötchen, die Mieten, ...

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  9. … und die „Miezen“? Nur nicht so schüchtern, hier dürfen Sie alles sagen. Na ja, fast.

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  10. Meiner Meinung nach grenzen die Preise für Backwerk inzwischen generell an Strassenraub. wenn man dann auch noch 6 wertvolle Menschen verköstigen will (15 Brötchen sind da auf keinen Fall überdosiert, egal woher die kommen), ist man ja schon fast finanziell genötigt, Butterwurst mit Brot zu essen, bzw. gleich Käse und Streichfett ohne Stärkeunterlage zu geniessen. Nennen Sie es Übertreibung aber ich wimmle regelmässig Familienbesuch ab, um gar nicht erst in diese Bredouille zu geraten.

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  11. Anonym18:36

    Ich vermute, dass das Auftauchen der Konkurrenz und die Preissteigerung nicht zusammenhängen. Diese Lockangebote werden, soweit mir bekannt, von Filiale zu Filiale unterschiedlich eingesetzt, um bestimmte Ziele zu erreichen (Umsatz X, X Kunden / Stunde, Brötchen X mit einer Menge Y täglich in den Markt drücken). Wenn die erreicht sind, versucht man die Sonderangebote zurückzufahren, der Kunde ist ja nun Kunde, den muss man nicht mehr werben. Bis er zur Konkurrenz geht.

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  12. Ich glaube, lieber Matt, Sie sollten endlich aufhören, bei diesen imperialistisch-kapitlastischen Großketten zu kaufen! Der kleine Bäcker um die Ecke mag zar teurer sein, dafür auch nicht mehr vorhanden. Weil Leute wie Sie eben kapitalistischerweise den Großbäckereien den Vorzug gaben.

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  13. Wie könnte ich denn jetzt damit aufhören, bei den imperialistischen Großketten zu kaufen, nachdem ich durch ihre jahrelange Bevorzugung dafür gesorgt habe, dass die kleinen Bäckereien (die auch nur Backmischungen verarbeiten) ausgestorben sind?

    Sie waren auch schon mal logischer, Verehrtester!

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  14. Ganz einfach: Realsozialistisch Hungern!

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