20 September 2009

Schweinebraten auf Beinen

So, so, das ist also dieses Bayern, von dem man so viel hört.

Wir waren ja praktisch noch nie hier, außer in München, und das ist SPD-regiert, zählt also nicht. Wir jedenfalls sind in Passau und gehen direkt mal in einen sog. „Biergarten“.

Er heißt Bayerischer Löwe, die Tischdecke ist weißblau kariert unter einem Baldachin aus wurffreudigen Kastanien, das Bier saubillig und extrem wohlschmeckend, zumindest das Innstädter Extra Schwarze. Mehr habe ich noch nicht probiert, das kommt aber noch.

Auf der Speisekarte stehen tausend tote Tiere – und skurrilerweise „Bayerische Antipasti“, bestehend u. a. aus „Obatzda“ und „Rindfleischsalat“. Wir ordern knusprigen Schweinebraten und Spanferkel mit Knödeln.

Feine Sache, nur die Kümmelkörner im Krautsalat machen mich verrückt. Gegen Kümmel hege ich eine gewiss pränatal bedingte Abneigung, die ins Phobische lappt, doch dafür können ja die Bayern nix. Kein Vorwurf also.

Das Bedienungspersonal trägt durchweg schwarze T-Shirts. Auf dem Rücken stehen die Namen ihrer Träger sowie ein Spruch, den sie sich wohl jeweils selbst ausgesucht haben.

Anders ist Markus’ Satz „Für Bier würd I sogar arbeiten“ kaum zu erklären. Elisabeth schaut missmutig drein, punktet aber mit „Leistung die begeistert“, während sich Kerstin „Schweinebraten auf Beinen“ erkor, wobei ich einerseits ihren Mut zur Selbstkritik belobigenswert finde und andererseits, dass sie so schlimm nun auch wieder nicht aussieht – ehe ich feststelle, dass ich mich verlesen habe und sie sich in Wahrheit für den T-Shirt-Spruch „Gaumenfreuden auf bayerisch“ entschieden hat.

Als Kiezianer exegiere ich das sofort als ortsspezifische Anspielung auf Oralsex, doch Ms. Columbo rät ab.

Der erste Hund, der uns begegnet, heißt übrigens Wastl.

Kommentare:

  1. Nils die Maus06:18

    Wie haben Sie eigentlich ihr Netzproblem gelöst? Konnten Sie ein LAN-Kabel erstehen? Oder nisten Sie sich allabendlich bei McDonald's ein?

    Aber "Bayerischer Löwe" ... Klingt ja ähnlich individuell wie "Zur Post" oder "Zur Quelle".
    In Bayern leben auch keine Kreativen mehr, oder?!

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  2. Das Hotel hier hat einen Internetzugang für seine Gäste bereitgestellt, natürlich auf einer Windowsmühle. Aber in der Not ...

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  3. Anonym11:03

    Wenn Sie noch in Passau sind, Herr Matt, dann kann ich Ihnen die beiden Gasthöfe auf "der Ries" empfehlen: "Vogl" und und direkt davon abzweigend im Rennweg eine Brauerei mit angeschlossener Küche und Traumblick über Passau.
    Die Biere sind zwar für einen Ur-Hamburger gewöhnungsbedürftig, aber wenn es garantiert vorübergehend ist, kann man sie durchaus trinken. ;)

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  4. Anonym11:19

    Nachtrag: Die Brauerei trägt den Namen "Andorfer".
    Nach gut sieben Jahren seit dem letzten Besuch, fallen einem manchen Dinge einfach nicht auf Anhieb ein...

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  5. Ohne jetzt das norddeutsche Bayernbild allzusehr ins Wanken zu bringen, möchte ich anmerken, dass Passau ebenfalls von einem SPD-Oberbürgermeister regiert wird.

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  6. Wovon rät die Ms. Columbo ab?

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  7. Anonym17:02

    "Gegen Kümmel hege ich eine gewiss pränatal bedingte Abneigung, die ins Phobische lappt."

    Das muss ich mir merken ;)

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