10 September 2009

Ein Ruck muss durch Ole gehen!



Wenn man während einer Busfahrt das Glück hat, neben dem legendären Fotografen Günter Zint zu sitzen, ist der Ausflug gerettet, egal was sonst noch passiert. Der Mann ist nämlich ein Anekdotenspringbrunnen.

Kein Wunder: Zint fotografierte einst im Starclub, er lernte die Beatles kennen, spielte zu Hause Jimi Hendrix Platten vor, zog mit Günter Wallraff konspirativ durch die Lande – und wies unlängst noch Eric Burdon (The Animals) darauf hin, dass er Mist schreibt in seiner Autobiografie, wenn er behauptet, er habe nie im Starclub gespielt. Hat der gute Eric nämlich doch, und Günter kann es beweisen, er war nämlich dabei.

Zint betreibt seit 1991 das Sankt-Pauli-Museum in der Hein-Hoyer-Straße, eine Schatzkiste ohnegleichen, nicht nur wegen des gewaltigen Zint’schen Fotoberges. Es dokumentiert in vielfältiger Form das Leben und Treiben auf dem Kiez im Lauf der Zeiten – und ist jetzt in Gefahr.

Denn die Stadt will den eh mageren Jahreszuschuss nicht mehr zahlen; schließlich muss unser Erster Bürgermeister Ole von Beust jeden Cent zusammenkratzen, um den städtischen Anteil am 450-Millionen-Projekt Elbphilharmonie zu wuppen.

Günter Zint und seine Tochter Lena, die gerade eingestiegen ist, könnten das Sankt-Pauli-Museum mit einem Tausendstel dieser Summe länger betreiben, als es je Huren in der Davidstraße geben wird, aber das kriegen die Zints nicht, das Tausendstel.

Deshalb hat Günter der Stadt zwei Vorschläge gemacht, von denen sie sich einen aussuchen kann – und Ole wäre echt mit der Angelrute gepeitscht, wenn er das nicht täte.

Zum Beispiel wäre der generöse Günter bereit, das komplette Museum der Stadt zu übereignen, wenn sie ihm, dem 68-Jährigen, hinfort eine monatliche Leibrente von 2500 Euro zahlte. Dafür will er sich sogar noch weiter ums Museum kümmern. Das wäre der billigste Kulturschatz, den Hamburg je erworben hätte, selbst wenn Günter 100 würde, was ihm unbedingt zu wünschen wäre.


Also, Ole: Gib dir einen Ruck!


Im Rahmen der Busfahrt hat er mich übrigens fotografiert, der legendäre Knipser. Viel mehr werde ich im Leben nicht erreichen können.

Und natürlich habe ich mich revanchiert.


Kommentare:

  1. Anonym07:22

    Wen Sie alles kennen. Also ich habe neulich die Ilse vom Sparmarkt im Bus wiedergetroffen und fotografiert. Die ist auch 70 und sucht eine Nachfolgeregelung für Ihren Tante-Ilse-Laden. Sie würde den Laden kostenlos abgeben, vorausgesetzt sie bekommt ihr Leben lang jeden Monat eine Kiste Bier, 2 kg Aufschnitt und 3 Dosensuppen. Wie wäre es damit?

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  2. Übernehme ich sofort, den Fall. Lege sogar noch eine Ananas dazu. Kontaktdaten?

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  3. ottoerich09:12

    den Offenen Brief habe ich mal ausgedruckt und an die Ladentür gepappt - nützt wahrscheinlich nichts, kann aber auch nicht schaden.

    Ich meine, Zint hat auch noch einen "Deckel" von Paul McCartney. Gibt's das eigentlich heute noch: saufen, anschreiben und später bezahlen? Ich bin so ziemlich raus aus dem Training....

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  4. Elbkind13:56

    wissen die MoPo und die BILD eigentlich schon davon? Wo liegen Unterschriftenlisten und Volksbegehren? Ich weiß, das alles nützt in Hamburg meist nicht viel - aber wir sollten es versuchen, oder? Oder alle Leser Ihres Blogs schmeißen zusammen und Sie kaufen, verwalten und führen das Archiv künftig.

    Wenn ich mir recht überlege, scheint die letzte Variante die beste zu sein.

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  5. Herr Ottoerich, bei Gretel & Alfons in der Großen Freiheit hatte McCartney noch einen Deckel, aber den hat er, so viel ich weiß, bereits in den 80er Jahren beglichen. Ob's so was noch gibt? Keine Ahnung, ich bezahle immer am Ende des Abends.

    Liebes Elbkind, Ihre Idee ist charmant, aber das Verwalten und Leiten des Archivs muss unter allen Umständen in Zint’schen Händen bleiben.

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  6. Anonym23:51

    ein Link zu seinen Bildern bei Picasaweb wäre nett. Ich weiß aber nicht, ob es statthaft ist ihn hier hin zu spucken.

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  7. Gerne – wenn’s der Wahrheitsfindung dient …

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  8. Wie lautet der andere Vorschlag?

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  9. Anonym00:15

    Na dann:
    http://picasaweb.google.de/sanktpaulimuseum

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  10. Das Problem ist schlicht, das uns Ole einfach zu blond ist, um den Reiz dieses Angebotes zu begreifen.

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