13 September 2009

Fünf Prozent sind keine Hürde

„Harry’s Fliesenmarkt“ verzeihe ich leichtherzig seinen Deppenapostroph. Und dafür gibt es Gründe.

Als ich dort am Wochenende im St.-Pauli-T-Shirt auflief, schloss mich einer der Chefs sofort ins Herz. „Einen Weltpokalsiegerbesieger bediene ich gern!“, frohlockte der herzensgute Mann sofort und beantwortete hochmotiviert alle aufkommenden Fliesenfragen.

Zudem schien nach und nach in Nebensätzen sein bedrückendes Schicksal auf, welches ihm „Harry’s Fliesenmarkt“ tagtäglich aufbürdet. Dort nämlich, erzählte er, arbeiteten lauter HSV-Fans und nur einer, der dem FC St. Pauli anhinge: er.

Gefangen in der Diaspora, das ist fast wie Waterboarding.

Umso liebenswerter umhegte er natürlich mich, den Weltpokalsiegerbesiegerhemdträger. Es kam im Zuge dessen sogar zum Kauf des Modells Avanti Grau R9 (Foto), und als er den Abholzettel für die Kasse ausfüllte, kritzelte er unten kommentarlos „- 5 %“ drauf.

Fragend sah ich ihn an. „Für den FC St. Pauli“, antwortete er mit einem melancholischen Lächeln. Und dann kehrte er zurück in die bedrückende Tristesse seines HSV-geprägten Arbeitsalltags.

St.-Pauli-Fans sollten im Bedarfsfall also erwägen, „Harry’s Fliesenmarkt“ in vollem FC-Ornat aufzusuchen, trotz der betrüblichen HSV-Kontamination. Oder genau deswegen: Denn dort braucht jemand Unterstützung.

Dafür rückt er auch was raus, schätze mal so fünf Prozent.


Kommentare:

  1. Nils die Maus01:47

    Einmal mehr herrlich ge- und beschrieben!
    Obwohl ich ja mehr als Fußballverachter bekannt bin, rührt mich diese Geschichte! Vorallem, weil ich lange das Wort "Diaspora" nicht mehr gelesen habe. Oder ich lese die falschen Artikel, kann auch sein.

    Zwei Fragen:
    Warum folgen Sie mir nach wie vor nicht? Standhafte Überzeugung oder Klickfaulheit?
    Warum muss ich nach wie vor zwei Mal den Kommentar absenden, weil er beim ersten Mal nicht gesendet wird?

    AntwortenLöschen
  2. Ich kann beide Fragen nicht beantworten – die erste schon aus Contenance nicht, weil es unfein war, sie zu stellen; die zweite, weil ich die Antwort nicht kenne (bei mir klappt alles.

    AntwortenLöschen
  3. Wir gucken Harry von unserer Küche auf´s Dach... aber drinnen war ich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr.
    Liegt aber vermutlich an meinem mangelnden Bedarf an Fliesen :-)

    AntwortenLöschen
  4. vierundachtzig12:54

    Herr Nils: Es heißt "Wieder einmal", keinesfalls aber "Einmal mehr"! Denglisch lässt grüßen (once more), Alarmstufe Pink-Camouflage! ;-)

    AntwortenLöschen
  5. Vierundachtzig, Sie sprechen mir aus der Seele. Aber das wussten Sie wahrscheinlich.

    AntwortenLöschen