17 September 2009

Kein Eintrag über des Franken Fahrradpolitik

Der Franke verfügt nicht nur über eine außergewöhnliche, geradezu extraterrestrisch anmutende Ess-, sondern auch über eine außergewöhnliche Fahrradstrategie.

Sie sieht folgendermaßen aus: Er kauft sich auf dem Flohmarkt ein gebrauchtes Rad, meist unter vertrauensseliger Einholung meines fatalen Ratschlags. Nur wenige Tage später allerdings geht das Teil zum Deibel.

Manchmal lässt er es dann lustlos noch mal reparieren, doch bereits beim nächsten Achsenbruch kettet er es eingeschnappt draußen irgendwo an, damit es Zeit hat, über sein Fehlverhalten nachzudenken.

Am Wochenende drauf stampft der Franke dann mit mir im Schlepptau zum nächsten Flohmarkt und kauft unter Berücksichtigung meiner auf nichts gründenden Qualitätsexpertise ein weiteres äußerlich passables, innerlich jedoch hüft- und lendenlahmes Rad. Der Zyklus beginnt dann von vorne.

An der mobilen Grundsituation des Franken ändert sich trotz aller Fahrradkäufe freilich nie etwas: Er schlurft durch Hamburg, oder er fährt Bus und Bahn.

Im Lauf der Jahre hat er so diverse invalide Räder über ganz Eimsbüttel verteilt. Tagein, tagaus fristen sie an irgendwelchen Pfosten ein elendes frankenloses Dasein, werden weder gefettet noch aufgepumpt, ja, es gebricht ihnen ganz und gar an menschlicher Zuwendung.

Das fällt natürlich über kurz oder lang der Polizei auf. Sie pappt also rote Warnschilder an die verwaisten Zweiräder (Beispielfoto), die eine baldige Entsorgung derselben androhen. An dieser Stelle der Entwicklung allerdings wird der Franke doch wieder erstaunlich aktiv.

Denn der Halb- bis Dreiviertelirre schreitet von Zeit zu Zeit seine brachliegenden Radifundien ab, baldowert ihren designierten polizeilichen Abwrackstatus aus – und sobald er ein rotes Warnschild an einem seiner Räder entdeckt, reißt er es umstandslos ab.

Der Franke missgönnt seinen abgelegten Exrädern also ein Ende in Würde. Stattdessen verlängert er mutwillig ihre Agonie. Was das für ein fahles Licht auf seinen Charakter wirft, habe ich ihm allerdings bisher noch nicht explizit auseinandergesetzt.

Zu groß ist die Furcht, er könnte meine Rolle bei der jeweiligen Beschaffung dieses Mobilschrotts näher unter die Lupe nehmen. Und ob das ergebnisoffen geschähe, das wage ich mal zu bezweifeln.

Deshalb halte ich einfach meine Klappe – und blogge nicht mal drüber.


Kommentare:

  1. haben sie mal über ein bikesharing mit dem franken nachgedacht, herr matt? offensichtlich sind ihre räder immer fahrtüchtig aber werden alsbald geklaut, wohingegen des franken drahtesel defekt aber diebstahlimmun sind...

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  2. sven09:25

    Radifundien! Großartig

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  3. vierundachtzig10:32

    Glückwunsch zu den Radifundien! Sie sind tatsächlich in der Welt weitem Netz (oder dem "weltweiten Gewebe", wie ich einst las) der Einzige, der dieses Wort geschrieben hat. Oder Google findet niemand sonst. Aber was Google nicht kennt, gibt's ja nicht. Das Problem dabei: Ich habe keine klare Vorstellung, was dies heißen soll - mit der Bitte um Aufklärung...

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  4. ottoerich10:44

    Stadtrad, Baby, Stadtrad!

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  5. Na da gratuliere ich dir aber mal ganz herzlich ;)

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  6. Panama Jack07:39

    Sehr geehrter Herr Matt,
    i.d.R ist es problemlos möglich, mittels neuartiger Transplantationsmethoden ("basteln") aus einer Anzahl M defekter Fahrräder eine geringere Anzahl N funktionstüchtiger erstellen. Moralische Bedenken sind dabei unangebracht, Drahtesel besitzen serienmäßig einen Organspendeausweis. Evtl. aber einen fachlich versierteren Berater zur Operation hinzuziehen ;-)

    Ansonsten beim nächsten Fahrradkauf vehement auf einem Hollandrad bestehen, am besten ohne Gangschaltung. Das ist relativ robust, und ich glaube, in und um HH kommt man auch ohne 143-Gang-Mega-Super-Schaltung aus, oder?

    Mit freundlichen Grüßen,
    ein Exilbürger von Deutschlands Fahrradhauptstadt

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  7. Nihilistin13:49

    Und wieder lerne ich den Unterschied zwischen HH und B kennen.
    Es gibt also in HH ernsthaft soviel Polizisten, dass diese sich die Zeit nehmen können, nach herren/frauenlosen Rädern Ausschau zu halten, diese zu registrieren, sie mit einem hübschen roten Fähnchen zu versehen und sie nach Zeitraum X dann auch zu entsorgen?
    Meine Jüte nee. Da drängt sich mir selbstverständlich die Frage auf (die normalerweise mit Steinigung oder Bombenattentaten beantwortet wird), ob das noch Überbleibsel der Schill-Zeit sind.

    Hier in B jedenfalls kümmert sich kein Ar...., also auch kein Polizist, um Schrott-Drahtesel. Der von mir beobachtete Dauerrekord "Schrottfahrrad" am Fahrradständer meines Lieblingsbahnhofes betrug 3,5 Jahre. Vermutlich ist der Rekord jetzt schon lange überboten, aber ich fahre inzwischen zuviel mit dem Auto.

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  8. vierundachtzig, denken Sie bitte einfach an "Latidundien", dann ist sofort alles klar ...

    Panama Jack, die Hollandradidee werde ich beim nächsten Mal strategisch einsetzen. Falls es noch ein nächstes Mal geben sollte.

    Nihilistin, wenn sich die Ordnungsmacht in B nicht um die Räder kümmert, wieso verschwindet überhaupt eins nach 3,5 Jahren? Wer war das?

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  9. Nihilistin14:38

    Herr Matt, dem Fahrrad gings nach 3,5 Jahren so wie einer Leiche im Atlantik: Nur noch der Schädel übrig. Respektive das Schloß an einem Rest des Rahmens. Das Fleisch und die Knochen wurden Opfer der Haie (also Räder und Rahmen = Opfer des Vandalismus jugendlicher Berliner Testosteronbomben. Wo die Jungs hintreten wächst kein Fahrrad mehr)

    PS: LatiDundien? Erste Rheuma-Anzeichen in den Fingern? ;-)

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  10. Verdammt … ;-)

    Also, vierundachtzig: „LatiFundien“ ist gemeint.

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  11. Olaf18:21

    Ich denke, Sie mögen keine BinnenMajuskeln...
    Und dann schreiben Sie LatiFundien ;-)
    Übrigens: Mir ist aufgefallen, daß das Laden von Kommentaren bzw. deren Übernahme in das Blog, so daß sie dort lesbar auftauchen, in letzter Zeit seehr lange dauert.
    Schönen Urlaub weiterhin, das Wetter soll gut bleiben.

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  12. Anonym18:58

    Also deshalb findet man so schwer einen Fahrradstellplatz. Alles voller verlassener Schrotträder...!

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  13. Olaf, die Lahmheit von blogger.com ist mir ebenfalls schon übel aufgestoßen. Doch die Peitsche hat bisher auch nichts genutzt. Gibt nur Striemen auf dem Bildschirm.

    Anonym, jetzt wissen Sie auch, wer dafür verantwortlich ist: der Franke.

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