14 März 2009

Die große Freiheit der Talstraße



Gegen 20.30 Uhr stehe ich beim Telefonieren in der Talstraße unversehens vor der Bar Freedom. Der Name spielt möglicherweise auf Dinge an, die in der Welt stinknormaler Missionarsstellungsbevorzuger Stirnrunzeln hervorrufen könnten.

Am Ohr habe ich die Stimme Ms. Columbos, im Auge die große Scheibe der Bar. Man sieht, wie sich drinnen die Riege der Animierdamen und -herren für den Einsatz rüstet, fürs friday night fever.

Eine mit Hornbrille und kläglich versagendem Pushup-BH trägt ein schwarzes Negligé. Sie sieht aus wie meine Tante vor 25 Jahren (die damals auch schon auf die 50 zuging) und kratzt sich mit der Hand, mit der sie nicht raucht, in der Poritze. Trotzdem kostet das Bier laut Aushang nur 3 Euro.

Jetzt tritt eine passable Blonde in Lederhotpants und Spaghettitop in die Kälte und rennt mich fast um. Wo will sie hin? Sie wird sich noch erkälten.

An Telefonieren ist inzwischen kaum noch zu denken, weil ein vollbärtiger Schrat mit halb offenem Hosenlatz mich umkreist und raubauzig vor sich hin ramentert. Als ich auflege, nimmt er das sogleich zum Anlass, mir Splitter seiner Weltsicht darzulegen.

„Ha, das Internet, hä?“, ruft er zusammenhanglos, vielleicht inspiriert von meinem Handy, „gar nicht nett, hehehe.“

Ich grinse schief, wie ich schemenhaft in der Scheibe der Bar Freedom erkennen kann, durch die mich die Poritzendame dumpf anstarrt. Die Blonde huscht zurück in die Bar; es ist Zeit, nach Hause zu radeln.

An der Simon-von-Utrecht-Straße liegt ein Mann schlafend auf einem Gitter, durch das warme Abluft hochsteigt. Er trägt Turnschuhe von Adidas.



Kommentare:

  1. Der neue Golf hat ihn einfach übermannt.

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  2. Junge, Junge! Eine Hammer-Story!

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  3. Nicht wahr? Da ist „Die hard“ nix dagegen.

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  4. Der arme Kerl wurde tatsächlich von dem Jeep auf dem Plakat angefahren? Wie abgefahren.

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