27 Februar 2009

Der weise Eisbär

Die Trauerfeier für Domenica brachte es zu einem angemessen barocken Artikel auf Spiegel online.

Allerdings scheint die Autorin Annette Langer eher kiezfremd zu sein, denn verwundert stellt sie fest: „Gespenstisch leer sind die Bürgersteige – kein einziges Freudenmädchen ist zu sehen.“

Nun, die Feier fand am hellichten Nachmittag stand, und Huren dürfen sich hier erst ab 20 Uhr auf den Straßen blicken lassen. Langers Text brachte dennoch Erhellendes.

Nachmittags zum Beispiel, als ich aus dem Büro kam, sah ich eingangs der Talstraße eine seltsame Gestalt am Straßenrand stehen, die ich später – nach der Lektüre des Artikels – identifizieren konnte, denn Langers Beschreibung traf in entscheidenden Teilen auf sie zu.

Es handelte sich um einen blonden Mann mit Tolle, dessen schneeweißer Kunstpelzmantel hinabreichte bis zu den weißgrauen Stiefeletten. Diese wiederum verjüngten sich nach vorn schier endlos, ehe sie in eine injektionsnadelscharfe Spitze übergingen, die sich keck hochwölbte, als wollte sie die momentane Regenwahrscheinlichkeit erschnüffeln.

Ich dachte innerlich schmunzelnd das Übliche: typisch Kiez. Dank Spon-Autorin Langer weiß ich nun auch, dass es sich bei diesem humanoiden Eisbärenimitat weder um einen Luden noch um einen kostümierten Mimen handelt, sondern um einen Designer namens Götz Barner.

Auch er hatte also an Domenicas Trauerfeier teilgenommen, traf dort auf Langer und wird nun zitiert mit dem phrasennahen Satz: „Originale wie Domenica sterben aus, es geht nur noch um Kohle.“

Ein besinnliches Fazit, mit dem ich euch nun in die Nacht entlasse.


PS: Das Foto des Michels ist selbstverständlich off topic,
doch immerhin von heute.


Kommentare:

  1. Dieser Blogeintrag ist hiermit offiziell köstlich.

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  2. miele18:58

    der mann in weiß war mit sicherheit götz....
    der schmuckmacher aus der paul-roosen-str.....
    gruß miele

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  3. wie GIERE ich hier auf dem weltfernen lande nach solcherart beschreibungen....
    tze, tze, dieser mantel- und erst die schuhe....
    schönen dank!

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  4. Mike09:49

    So so .. laut Götz Barner geht es neuerdings auf Sankt Pauli „nur noch um die Kohle“. Der lebt entwedeer in einer Parallelwelt oder ist gerade neu zugezogen, oder?

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  5. Nein, der ist hier alteingesessen. Aber auch Kiezianer neigen – wie alle Menschen – zur Glorifizierung der Vergangenheit. „Die Erinnerung malt mit goldenen Pinseln“, hat Jan Plewka mal gesagt.

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  6. So bitte übersetzen Sie "off topic"!

    Die Stelle mit der Regenwahrscheinlichkeit hingegen gefällt, obwohl sie auch nicht so ganz ins Bild passt.

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  7. Das gilt für den ganzen Kiez: Nichts passt so richtig ins Bild.

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  8. Anonym16:22

    nee ich wohne schon 25 jahre dort . War auch nicht so, daß früher alles besser war..... und doch .... um einen tollen satz zu verwenden.
    "Konservativ sein hei0t nicht die Asche anzubeten, sondern das Feuer zu schüren "
    In diesem sinne ist es konservativ und .... das Feuer ist (noch) nicht erloschen..
    götz

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  9. Das bringt mich zum Nachdenken … und Ms. Columbo auch. Sollte das zu öffentlich präsentierbaren Ergebnissen führen, melde ich mich wieder.

    Danke jedenfalls fürs Vorbeischauen. Wenn ich gelegentlich mal ein Porträtfoto im weißen Kunstfellmantel anfertigen dürfte, dann wäre das ganz großartig.

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  10. Anonym21:25

    Yo Matt dann komm einfach vorbei in der Paul-roosen-Str.30 oder warte bis ich meinen
    Laden eröffne mitte Mai...
    Immer herzlich willkommen.
    götz

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  11. Anonym21:36

    Hmm wenn ich das lese mit "es geht nur noch um Kohle ", so ist das wahrhaftig keine Verherlichung der Vergangenheit. das ist zu einfach. Leider reißt die Kohle - siehe " CONDOMIUM " - so nenne ich das Bavaria-Gelände neu bebaut - ziemlich rabiate Löcher..
    Was gebraucht wird ist platz zum entwickeln und nicht die klotzigen Duftmarken von Architekten und Planern.Leben entwickelt sich nicht aus einem super gestylten Etwas, das fragt, ob ich die richtigen Schuhe trage . Leben ist wild !! oder ? und das da ist ein "nicht-Ort"!! götz -hab kein Profil, deswegen anonym

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  12. Ja, es wirkt irgendwie alles steril dort. Aber wie die Wildheit dorthin zurückbringen?

    Ich schaue gerne mal vorbei nach Mitte Mai. Mit Fotoapparat!

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  13. Anonym14:26

    Tscha nun ist schon der Juli in sicht und MATT
    ich habe dich nicht geshehen hier....
    Na ja, was nicht ist kann ja noch werden...
    kommen sowieso kaumLeute vorbei in meinem shop...
    tote ecke das ender Paul-Roosen.Str.,
    götz

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  14. Anonym15:55

    und schon wieder sind die worte vefkogen......
    und haben nicht einml einen silberstreifen hinterlassen....
    schade,

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  15. Wenn Sie Götz sind und einen noch immer ausstehenden Besuch anmahnen, so muss ich Ihr Gedächtnis kritisieren: Ich war bei Ihnen, sogar in Begleitung der bezaubernden Ms. Columbo. Erinnern Sie sich nicht?

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  16. Anonym18:02

    das ist nun schon drei Jahre und es hat sich bewahrheitet: "nur noch Kohle" siehe touristenentwicklung. Bauboom, mieten,events.. hinter der Zuspitzung " nur noch kohle" verbirgt sich ein AUSVERKAUF und keine simplifizierung der "glorreichen" Vergangenheit .. sn Blödsinn...bin doch nicht doo-v-!!

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