10 Februar 2009

Der düpierte Sternmull

Esstechnisch gehören meine Begleiter – der Franke und der Syrer – zu den bizarrsten Lebewesen, die je diesen Erdball bevölkerten.

Der Franke ist, wie geplagte Leser dieses Blogs seit langem wissen, einer der schnellsten Vertilger im Weltall, allenfalls noch überboten vom Sternmull.

Für den Syrer hingegen sind 99 Prozent aller weltweit zur Verfügung stehenden Lebensmittel völlig ungeeignet. Entweder ist er allergisch dagegen, oder er mag sie nicht.

Als fatale Erschwernis negiert er auch noch sein Wesen als Raubtier und besteht auf pflanzlicher Kost. Aber hat man je von einem Vegetarier gehört, der weder Rohkost noch Tofu verknusen kann …? Ich hoffe, das verdeutlicht die Lage, mit der ich mich alltäglich beim Lunch konfrontiert sehe.

Beim Franken kommt zum Essrasertum noch eine spezielle Eigenart hinzu: Mengenmäßig gibt es für ihn praktisch keine Deckelung. Wenn in den Hamburger Hafen die komplette Stadt Köln passt, dann passt in seinen Magen der komplette Hamburger Hafen – und zusätzlich der Rotterdamer.

Diese Nährstoffvernichtungsmaschinerie auf zwei Beinen bewegt sich auf einer nach oben offenen Frankenskala, die nur für ihn erfunden wurde. Daran mag es auch liegen, dass er heute bei Holli und Toddi (Foto: Bertucio/Qype) meine Anregung, doch die offerierten Hühnerbeinchen zu präferieren, mit den Worten zurückwies: „Das ,chen’ schreckt mich ab.“

Jede Verniedlichung wertet er eben als Gefahr kommenden Unterversorgtseins und daher als Affront. Schließlich entscheidet er sich für Kasseler mit Püree und Sauerkraut – was er schneller aufsaugt, als ein Sternmull „Hmpf“ machen kann.

Mein Essen hingegen glänzt mit unvereinbaren Komponenten. Spinat mit Spiegelei, Kartoffeln und Fischstäbchen – wer denkt sich so etwas aus? Für den Syrer indes schnurrt alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen, einen mit Rauke belegten Flammkuchen. Allerdings ist da auch Quark drauf, und morgen feiert er mit Sicherheit krank.

Manchmal – und nicht nur im Darwinjahr – frage ich mich schon, wie der Mensch derart passabel evolvieren konnte.



Kommentare:

  1. Hätte ich Sternmulle gekannt, hätte ich sie damals verwendet.
    http://www.oldblog.de/?p=779

    So freue ich mich über den Hinweis auf:
    Grünkohl mit Kochwurst, Kasseler und Bratkartoffeln 7,90 €

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  2. olaf20:28

    Ich w.u.ß.t.e, daß Sie den Sternmull bringen werden.
    Als ich das Bild frühmorgens bei SPON entdeckt hatte, mußte ich an diesen Nacktmull denken, den Sie vor einiger Zeit erwähnten.
    Unterirdische Wesen.

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  3. Na endlich kommentiert jemand. Jetzt werde ich auch weiterbloggen.

    Danke sehr.

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  4. Herr Sternenschlüssel22:12

    Lieber Herr Matt,

    ich beantrage hiermit hochoffiziell die Zuteilung eines Blogspseudonyms (sofern mein selbstgewähltes nicht auf Gegenliebe stößt) und Erwähnung spätestens beim nächsten Büffetinderblogeintrag, da ja der Franke im direkten Zweikampf mit mir im hinteren Mittelfeld zu landen pflegt (wer hier den versteckten Widerspruch entdeckt, ist ein Held!), obwohl ich nicht einmal regelmäßig an den Trainingseinheiten der Heiligen Dreifaltigkeit partizipiere.

    Ich fordere Gerechtigkeit - und Befriedung meiner Publicitygeilheit.

    Herzlichst,
    Ihr Herr Sternenschlüssel

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  5. Wer sind Sie überhaupt, dass Sie hier so aufgeplustert daherreden?!

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  6. Herr Sternenschlüssel22:56

    Man nennt ihn auch die Tagestippse!!

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  7. Ah, mir dämmert's.

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