02 Dezember 2008

Beinah Ölcatchen

Freitagabend war ich zu einem Konzert eingeladen, stand aber dann doch nicht auf der Gästeliste. Mit buddhaeskem Gleichmut – ja, geradezu verzeihend lächelnd, statt brüllend den Laden in Schutt zu legen – nahm ich diesen Umstand hin. Denn ich wusste: Zu Hause läuft die Liveübertragung eines Spiels meines 1. FC Köln.

Heute im Molotow der nächste Flop. Statt des erwarteten Konzerts nur eine verschlossene Tür; die Veranstaltung war wohl kurzfristig verschoben worden. Zum Glück findet das alles – Tops und Flops – in unmittelbarem Umkreis unserer Wohnung statt; der Verlust an Lebenszeit ist also klein und gut verschmerzbar.

Ich nutzte die Gelegenheit und schlenderte über den Kiezweihnachtsmarkt Santa Pauli. Über die riesige LED-Bühne flimmert ein verheißungsvolles „Geil“, und neben Buden mit Glühwein, Dildos, Wurst, alten „Hustler“-Nummern und Süßigkeiten gibt es ein ortsspezifisches Erotikzelt, in das man nur hineingelangt, wenn man mindestens 18 ist.

„Bier 3,50 Euro“ lockt draußen ein Schild. Ein weiteres informiert über anstehende Ausziehnummern, darunter auch „Menstrip“. Und Ölcatchen.


Ölcatchen?

Es ist kurz vor halb 10 an einem Montagabend, allmählich dürften dort drin die Säfte steigen und nackte Leiber sich winden in Ekstase oder zumindest in Öl, und ich luge zaghaft durch die Zeltplanenschlitze ins Innere.

Es stehen Tische und Bänke herum, ein paar traurige und – tut mir Leid – ausschließlich fette Männer sitzen da, ihre fleischigen Fäuste umkrampfen Bierflaschen (0,33 l).

Sonst tut sich überhaupt nichts. Das Räkelpodest langweilt sich ungenutzt in der Raummitte. Kein Sex, kein Menstrip, nicht mal ein Ölfass. Nur fünf dicke Männer, die stumm auf etwas warten, was in ihrer Fantasie übrigbleibt, wenn man von 3,50 Euro das Bier abzieht.

Leise ziehe ich mich zurück. Vielleicht komme ich am Wochenende noch mal wieder. Immerhin gibt es Ölcatchen.


Kommentare:

  1. "Nur fünf dicke Männer, die stumm auf etwas warten, was in ihrer Fantasie übrigbleibt, wenn man von 3,50 Euro das Bier abzieht."
    Herrlich ... aber ich kann mir wirklich bildlich vorstellen, wie das ausgesehen haben muss :D
    Ich war heute seit langem mal wieder tagsüber auf der Reeperbahn, um Theaterkarten abzuholen, und ich bin immer wieder erstaunt, wie trostlos manche Ecken sind. Auf der anderen Seite scheint sich aber, meinem Ermessen nach, das alles gebessert haben. Es sieht nicht mehr so, entschuldigen Sie diesen Ausdruck, schäbig aus tagsüber, wie ich es in Erinnerung habe.

    Ich habe übrigens vor, am Wochenende vor Weihnachten eine Freundin von mir, die mich aus Stuttgart für ein paar Tage besuchen kommt, über Santa Pauli zu führen. Ist dies eine gute Idee, oder sollte ich lieber den langweiligen, weil traditionellen, Weihnachtsmarkt vorziehen?
    Für besagte Dame waren übrigens auch die Theaterkarten ;)

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  2. Santa Pauli muss auf jeden Fall sein, obwohl der Markt vergleichsweise klein ist. Aber die Lage mitten im Rotlichtviertel (und vor allem die Rotlichtelemente …!) sprechen unbedingt dafür. Die Langweilermärkte mit Brezeln und Glühweinständen können Sie ja dann trotzdem besuchen, als Kontrastprogramm sozusagen.

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