29 Dezember 2008

Arschkarte

Setze mich im Bus der berüchtigten Linie 37 hin und schnelle sofort wieder hoch, mit klitschnasser linker Pobacke.

Irgendjemand hat irgendetwas auf diesen Sitz gekippt oder gekübelt, weiß Gott was. Noch während ich entsetzt zur Reihe gegenüber fliehe, sehe ich im Augenwinkel, wie sich eine ältere Frau samt erwachsener Kinder in Richtung nassen Sitz bewegt.

Warne sie!, schießt es mir durch den Kopf, doch schon ist es zu spät. Sie sitzen. Die Frau hat die – ähem – Arschkarte gezogen. Jetzt, wo sie schon mal Platz genommen hat, interessiert mich natürlich ihre Reaktion. Meine kenne ich ja bereits, jetzt muss sie nur noch durch Mehrheitsentscheidung verifiziert werden.

Doch nichts geschieht. Lächelnd parliert die Dame mit ihrem Nachwuchs, mit keiner mimischen Regung verweist sie darauf, dass sich gerade eine unbekannte Flüssigkeit durch die Schichten ihrer Kleidung suppt, bis sie ihr den Podex benetzt.

Die Frau ist anscheinend unempfänglich für südliche Empfindungen. Erst zu Hause werden die Signale wohl zu ihr durchdringen; sie wird erschreckt auf beginnende Inkontinenz tippen, und das wird ihr Leben verändern.

Oder auch nicht – denn vielleicht habe ich ja in einer einzigen Sekunde die komplette Flüssigkeit vom Sitz gesogen. Verstohlen schiebe ich die Finger unter meine linke Pobacke und schnuppere vorsichtig daran. Man riecht nichts. Inständig versuche ich mich davon zu überzeugen, es handele sich nur um Wasser. Scheitere kläglich.

Mit so etwas hätte das Jahr nicht unbedingt zu Ende gehen müssen, echt nicht.



Kommentare:

  1. Anonym13:00

    Sehen Sie es positiv. Lieber ein Jahr so beenden als beginnen.

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  2. Das Jahr ist noch nicht zu Ende! ;)

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  3. Vielen Dank auch fürs Aufmuntern.

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  4. Anonym00:43

    Werter Herr Wagner,
    Sie haben vor gar nicht so langer Zeit die Worte verfasst, ein Kiezbewohner würde im Laufe der Zeit lernen, Hinterlassenschaften auf der Seilerstrasse von Hunden gegenüber denen von Menschen zu unterscheiden. Lernt ein solcher nicht lange zuvor, in solchen Regionen keine öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, und wenn es im Einzelfall sein muss, nur mit Gummihandschuhen und berührender Bekleidung, die anschliessend verbrannt wird? Konnten Sie Ihren Gedanken zu Ende entwickeln, bei einer Flüssigkeit im HVV könnte es sich tatsächlich um Wasser handeln, vielleicht aus einer Mineralquelle, die garplötzlich und mobilerweise im 37er ersprossen ist oder haben Sie inzwischen realistischerweise Ihre entsprechenden Finger amputiert?

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  5. Ehrlich gesagt, habe ich es beim gründlichen Waschen belassen. Doch Ihr Vorschlag ist zweifellos eine Option fürs nächste Mal.

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