07 April 2011

Strategien gegen Architektur

In der Altonaer Großen Bergstraße bauen sie ein neues Ikea-Möbelhaus. Besser gesagt: Momentan reißen sie noch die alten Gebäude ab und planieren die Fläche.

Es gab einigen Widerstand gegen das Projekt, aber als man in Altona eine Volksbefragung durchführte, entschied sich die Mehrheit der Bürger dafür. Demokratie ist manchmal unberechenbar.

Die Gegner sind gleichwohl noch aktiv und bekleben den Bauzaun gern mit antischwedischen Parolen in Blau-Gelb. Manche davon sind allerdings ein wenig arg simpel gestrickt, zum Beispiel die hier:



Sehr viel gelungener hingegen finde ich die unten folgende. Ihr vielschichtiger popkultureller Anspielungsreichtum korrespondiert aufs Entzückendste mit der absoluten Knappheit des Ausdrucks. So soll, so muss es sein.



Und wer jetzt nicht zu Hause sein Billyregal zu Klein(sperr)holz macht, glaubt wohl immer noch an Volksbefragungen.

Kommentare:

  1. Anonym00:08

    Demokratie ist halt Mist, wenn das Volk nicht so will wie die, die es befragen. Und dass die Gegner im Wesentlichen aus dem wohlhabenden Ottensen kamen und im direkten Umfeld vom baldigen Ikea die Zustimmung extrem hoch war, ist doch mittlerweile auch jedem bekannt. Dafür können alle die Oberstudienräte sich nun darauf konzentrieren, wenigstens ihre Schrebergärten zu retten. Denn ohne, das ist klar, ist wirklich kein menschenwürdiges Leben möglich.

    Intelligent fand ich beim Bauzaun des Abrisses die Plexiglasfenster im Bauzaun. Klar, hinter dem Rest gehen auch keine magischen Dinge vor, aber so hat man den Eindruck, man könnte doch was besonderes sehen.

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  2. Die Fenster sind noch dort. Es sind immer drei, und eins davon ist stets auf Kinderaugenhöhe. Ikea denkt eben an alles, auch und vor allem natürlich an die Familie.

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  3. @Anonym 00:08: können sie die behauptung belegen? nach meiner erfahrung als direktem anwohner der baustelle war die zustimmung hier sehr gering denn wir werden nach der eröffnung des ikea nach 2 jahren nervigster bauarbeiten einen tagtäglichen megastau inkl. damit verbundener abgase ertragen müssen da ikea keinerlei verkehrskonzept vorweisen kann. (dafür war leider vermutlich nach schmieren der entsprechenden bezirkspolitiker kein geld mehr übrig).

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  4. Anonym08:24

    Ich finde "IKEA VERMÖBELN" viel besser. Das erhebt nicht noch den Anspruch auf einen mehr oder weniger schlechten Kulturbezug.

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  5. Also, IKEA ist auch so ein "90=10"-Phänomen, also ein mathematisches Wunder.
    90% gehen hin, fragt man allerdings die Leute, gehören sie alle zu den 10%.

    Rückrufe wegen gefährlicher Mängel, Giftstoffe in den Materialien, Herstellung mit Kinderarbeit, alles sch...egal, ist ja alles soooo praktisch.

    IKEA - Nomen est omen: Ich Kaufe Einfach Alles - Hauptsache billyg.

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  6. Anonym11:24

    Also ich gehe zu IKEA - Hotdog essen und Teelichter kaufen ... und die Bücherschränke (sehr nobel mit Türen wegen der Erstausgaben *hüstel*) im Arbeitszimmer sind von da.
    Aber in direkter Nachbarschaft wollte ich sowas auch nicht haben ... aber auch kein AKW.
    'IKEA vermöbeln' gefällt mir!
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  7. " Sehr viel gelungener hingegen finde ich.."

    psst, Vorsicht Herr Matt !
    Sie unterstuetzen die Gewaltszene.

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  8. Anonym20:07

    Da ich nicht vom "West-Hamburg-muss-es-sein"-Syndrom* erfasst bin, darf ich orakeln:

    Die beauftragten Sub-Sub-Sub-Billig-Subunternehmer werden mit gezückten Sechskantschlüsseln die "Montageaanleitung" studieren, sich über die "im Paket fehlenden" Gewindeschrauben mokieren, und anschließend den Bau mit - auf eigene Kosten - mitgebrachten Spackschrauben eher schlecht als recht zusammenzimmern?**

    *So bezeichne ich die Haltung, dass ein menschenwürdiges Leben in Hamburg nur westlich der Alster möglich sei - Schnokus. Zugezogene aller Länder: Hamburg ist lebenswerter und größer als die Geisteshaltung der Westalsternen. Wesentlich größer sowieso, lebenswerter allemal.

    **Das ist eine Hommage an die wirklich (ich war dabei!) wahre Wahrheit, dass in den frühen 80ern _immer_ eine Schraube fehlte in den Papppaketen - Pest, Tod und Pocken, was haben wir geflucht. Das haben die Schweden seit den 90ern aber heftig im Griff, da fehlt nix mehr, muss ich zugeben.

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  9. Anonym20:07

    Da ich nicht vom "West-Hamburg-muss-es-sein"-Syndrom* erfasst bin, darf ich orakeln:

    Die beauftragten Sub-Sub-Sub-Billig-Subunternehmer werden mit gezückten Sechskantschlüsseln die "Montageaanleitung" studieren, sich über die "im Paket fehlenden" Gewindeschrauben mokieren, und anschließend den Bau mit - auf eigene Kosten - mitgebrachten Spackschrauben eher schlecht als recht zusammenzimmern?**

    *So bezeichne ich die Haltung, dass ein menschenwürdiges Leben in Hamburg nur westlich der Alster möglich sei - Schnokus. Zugezogene aller Länder: Hamburg ist lebenswerter und größer als die Geisteshaltung der Westalsternen. Wesentlich größer sowieso, lebenswerter allemal.

    **Das ist eine Hommage an die wirklich (ich war dabei!) wahre Wahrheit, dass in den frühen 80ern _immer_ eine Schraube fehlte in den Papppaketen - Pest, Tod und Pocken, was haben wir geflucht. Das haben die Schweden seit den 90ern aber heftig im Griff, da fehlt nix mehr, muss ich zugeben.

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  10. Anonym20:09

    Ich hau den Browser für den Doppelpost - ich kann ja gar nicht schuldig dran sein...
    (Herr Wagner: Sorry...)

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  11. Nihilistin20:16

    Sehr hübsch. Die Hauptstadt hätte vermutlich wieder nur schnöde Grafitti mit tumben Sprüchen im Angebot gehabt. "Der" protestierende Hamburger scheint kreativer zu sein.

    PS: Ich bin bekennende IKEA-Einkäuferin und rücke die Quote damit hoffentlich ein bisschen gerader, Herr Blogspargel :-)

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  12. Wie sich der Gutsherr von St.Pauli in fremde Gefilde bewegt. Erstaunlich!

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  13. Sie haben offenbar noch nicht mitbekommen, dass ich in Ottensen arbeite.

    Nihilistin, bei Ihrem Namen dürfen Sie überall einkaufen, auch bei Gaddafi.

    Anonym 20:09: Bei so unglaublich substanziellen Kommentaren bin ich über eine Verdopplung geradezu froh.

    Kroesus2, das ist schon lange aktenkundig – immerhin habe ich auch beide Teile von „Kill Bill“ nicht nur gesehen, sondern durch den Kauf von Eintrittskarten sogar finanziell unterstützt.

    Frau-Irgendwas-ist-immer, ich nenne Sie von nun an Miss Inkonsequenz. Das haben Sie jetzt davon.

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  14. Also, Anonym 20:07, jawohl, zu der Generation gehöre ich auch, 7 Sechskantschrauber, 22 Holzstifte zuviel und nur diese eine K..k-Schraube fehlte in den 90ern, man, was haben wir uns geärgert. Aber wer hat daraus gelernt? Nur IKEA und hat trotzdem fleissig unser Geld genommen.

    Welches Möbelhaus und geschweige denn welcher Lebensmittel-, Auto- oder Sonstwas-Händler durfte uns bisher so verarschen und mit unserer Bewunderung leben, dass sie es endlich gelernt haben?

    Wow, und jetzt sind wir auch noch stolz darauf, dass sie es im Griff haben!

    Wie doof und wie lange für dumm kann uns ein Möbelhändler, der in den Werbespots deutsch nur radebrecht, eigentlich noch verkaufen? Geniale Geschäftsidee drauf auf mangelnden IQ - wie naiv kann man denn sein?

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  15. Wenn Sie damit erst anfangen, verehrter Herr Blogspargel, dann führt das ins Uferlose. Nehmen wir Weißwein: Deutschland hat die besten trockenen Weißen der Welt, man kriegt Spitzenqualitäten schon für 10 Euro, aber was macht der Konsument? Er kauft überwiegend pappige 2,50-Euro-Plörre bei Aldi, statt sich dreimal täglich gen Mosel zu verneigen. Und wissen Sie was? Ich bin froh darüber. Wäre das anders, stiegen die Preise für meine Lieblingsweine rasch in die Höhen der (schlechteren) Franzosen. Das bleibt also unter uns, abgemacht?

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  16. Also, abgemacht. Und ich verrate auch nicht, dass ich mich im Bedarfsfall, und das nicht zu knapp, drei Mal gegen Retzstadt verneige, bevor ich meinen Lieblings-Müller-Thurgau zu einem sehr vernünftigem Preis zu mir nehme ... denn andererseits würde mir auch das von Ihnen Prophezeite irgendwann passieren.

    Sie haben vollkommen recht, schweigen und geniessen, wie konnte ich nur, sehen Sie mir meine Entgleisung nach ...

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  17. Aber natürlich. Wir verstehen uns.

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  18. Anonym20:42

    Also ich bin vom "West-Hamburg-muss-es-sein"-Syndrom befallen und ich steh dazu, denn im Westen ist Hamburg am besten!
    Der Osten ödet mich an...

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