05 April 2011

Ein toter Hase

Der dicke obdachlose Langbart trägt einen Filzzopf bis auf Rippenhöhe. In seinem Einkaufswagen, den er irgendwo konfisziert hat, stapeln sich prallvolle Pennytüten.

Wir stehen in der Königstraße an einer Fußgängerampel, als der verwahrloste Riese uns anspricht. Denn er hat eine Information für uns.

„Da liegt ein toter Hase“, sagt er und grinst über beide zugewucherte Backen, dass der Filzzopf wackelt.

Dann zückt er ein Teppichmesser – und schabt vorsichtig den Aufkleber „Ultra St. Pauli“ von einem Vorfahrtschild.

In einigen Metern Entfernung liegt wirklich ein toter Hase, mitten auf dem Gehweg. Vielleicht auch ein Kaninchen.

Ein verstohlener Seitenblick auf sein Teppichmesser zeigt keine Blutflecken. Dann wird die Ampel grün.


Kommentare:

  1. Ein äußerst höflicher Mensch! Er dachte sich sicher, daß Sie noch Hunger hätten. Und gegen so einen mit Teppichmesser geschächteten Hasen ist doch nichts einzuwenden.

    Seit dem letzten Spieltag kann ich ja nun leider auch die Reaktion auf Fanbekenntnisse zum FC St. Pauli verstehen.

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  2. @german psycho: wieso? weil sich ein paar idioten nicht im griff haben und mit becherwürfen auf fragwürdige schiedsrichterleistungen reagieren? nenn mir mal einen einzigen verein, bei dem das noch nie vorgekommen ist...

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  3. Der Hase war gar nicht tot, er hat sich nur tot gestellt. Eine beliebte Taktik, um sich vor der Arbeit zu drücken..
    Ich geh dann mal die 30.000 Briefe frankieren, für Ihre Gewinnspiele.. Arrgh, mir wird plötzlich so schwindelig... Hilfe, mein Leben zieht an mir vorbei.. rückwärts... taumel..
    Matt, ich wollte Ihnen unbedingt noch sagen, dass ich... röchel.. röchel...ächz...
    Hauch aushauch...
    ...

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  4. Tommy, seit 1976 wurde kein Bundesligaspiel mehr wegen Tätlichkeiten der Fans abgebrochen. Das ist ja wohl etwas mehr als nur eine leichte Unmutsbekundung!

    Ich sage ja auch nicht, daß ich deswegen dem Verein den Rücken kehre, sondern nur, daß ich verstehen kann, wenn man Ultra-Aufkleber entfernt. Vor allem, wenn man vorher Hasen filetierte.

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  5. Anonym14:48

    Wenn das der Osterhase war kommt es noch zu internationalen Verwicklungen .... UNO und NATO in Dauerberatung .... und ich nix zu suchen im Garten. *heul*
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  6. Anonym19:03

    Beim Stellinger Sportverein hat vor einigen Monaten ein Mitglied der ersten Mannschaft die "Liste der attackierenden Getränkebehälterwürfe im Rahmen von Bundesligaspielen" um einen Eintrag bereichert.
    Schön ist das alles nicht.

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  7. Tommy, es stimmt, das ist schon bei jedem Verein vorgekommen, aber der FC St. Pauli hat sich (zurecht) immer als der „etwas andere“ Verein definiert. Ich würde auch nicht sagen, dass ein Hirnamputierter mit Bierbecher und gesundem Bizeps daran etwas ändern könnte – aber es waren Hunderte von Gegenständen, die schon während der ersten Halbzeit aufs Spielfeld geworfen wurden, von Schalkern und eben auch von St.-Pauli-Fans. Und dafür muss man sich einfach schämen.

    Ob Osterhase oder nicht, Frau Irgendwas, mir tut’s um jeden Mümmelmann Leid. Andererseits: Was hatte er überhaupt zu suchen mitten in der Stadt?

    Übrigens finde ich den ersten Kommentar am süßesten. An Stelle desjenigen, der’s nicht rafft, wäre ich auch anonym geblieben.

    Anonym 19:03: Wenn man sich’s recht überlegt, ist es nicht weniger schlimm, wenn Spieler mit Bierbechern Zuschauer verletzen. Interessanterweise hat der DFB seine Sportgerichtsbarkeit damals aber nicht bemüht.

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  8. Anonym21:17

    gab es da nicht mal einen Beitrag über eine Hasenmanufaktur? Vielleicht besteht da ein Zusammenhang und erklärt somit das Auftauchen von Hasen im innerstädtichen Bereich.

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  9. german psycho: natürlich geht das werfen von gegenständen aller art überhaupt nicht aber auch dieses spiel hätte mit etwas good will nicht abgebrochen werden müssen. ein nicht so überforderter schiri hätte das spiel nicht abge- sondern unterbrochen und einige spieler zum beschwichtigen der fans ausgeschickt. ich bin sehr sicher, dass dies funktioniert hätte. habe ich schon mehrfach in vergleichbaren situationen gesehen.

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  10. Da muss ich widersprechen. Die Verletzung eines Unparteiischen überschreitet die Grenze und muss mit Abbruch geahndet werden, egal zu welchem Zeitpunkt sie passiert.

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  11. da müssten wir zunächst über die befrifflichkeit "verletzung" diskutieren. dann müssen sie mir erklären, warum so ein vorfall bei unpateiischen anders gehandhabt wird als wenn bspw ein trainer oder ordner das opfer ist und zuletzt kann ich ihnen versichern, dass es fortan pro saison mindestens 5 oder 6 spielabbrüche geben wird wenn sich das verhalten der vollpfosten unter den zuschauern nicht ändert. (wohlgemmerkt verurteile ich solche würfe natürlich auch und würde sowas selbst nie machen.)

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  12. Ich glaube, das Gegenteil wird passieren. Glauben Sie wirklich, künftig werden noch Leute wegen einer Sekunde Triebabfuhr ihre gesamte wirtschaftliche Existenz und Zukunft aufs Spiel setzen? Denn so kommt es für den St.-Pauli-Fan: Er wird vom FC auf Schadenersatz von wahrscheinlich einer halben Million Euro verklagt werden; so hoch sind die Kosten für ein Heimspiel vor leeren Rängen.

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  13. ein "geisterspiel" wird nicht als strafe verhängt werden und die geldstrafe wird fünfstellig sein - wetten? um ein bier im weichplastikbecher?^^

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  14. Ist der Hase auch von einem Bierbecher erschlagen worden?

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  15. Croco, was heißt denn „auch“?

    Tommy, ich bin einverstanden. Ich prophezeihe ein Geisterspiel, was Einnahmeverluste zur Folge hätte in oben prognostizierter Dimension. Die Geldstrafe des DFB dürfte in der Tat in der von Ihnen geschätzten Höhe liegen. Wenn, dann wetten wir also lediglich um Geisterspiel oder nicht.

    Übrigens würde ich als Einsatz Flaschenbier oder Frischgezapftes vorziehen – in einer Kneipe nach Wahl des Gewinners.

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  16. topf, die watte quillt, herr matt.

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  17. jolly oder clubheim, herr matt? -;-p

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  18. Sie haben natürlich die Wahl.

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