28 April 2011

Dr. House praktiziert auf dem Kiez


Da waren sie nun, die ganzen „Dr. House“-Fans. Im aus allen Nähten platzenden Café Keese an der Reeperbahn trat nämlich heute Abend Hugh Laurie auf, der in der TV-Erfolgsserie einen muffeligen Doktor spielt – aber hier, im Keese, den Blues.

Irgendwie passte da was nicht zusammen. Doch die Fans – darunter viele hippe Groupies im Alter potenzieller Laurie-Töchter – mussten da durch, denn hey: Das war er höchstpersönlich! House himself! Auf der Bühne! Live und wahrhaftig! Aber wo war sein Krückstock? Und wieso parlierte dieser Knurrhahn plötzlich so charmant?

Immerhin: Dass er seltsame Uraltsongs von Jelly Roll Morton (1889–1941), Huddie Ledbetter (1889–1949) oder Mahalia Jackson (1911–1972) sang, ließ sich trefflich mit Herumquatschen während des Vortrags sowie euphorischem Juchzen in Einschaltquotenhöhe zwischen den Stücken übertünchen.

„Laurie ist so alt wie wir“, raunte ich dem Franken zwischendurch zu. „Die goldene Generation, Franke!“

Er schaute mich an, als hätte ich eine despektierliche Bemerkung über seine Wampe gemacht, deshalb sparte ich mir die weitere Beweisführung (Madonna, Michael Jackson) und süffelte weiter an meinem Grauburgunder, während Laurie am Klavier eine sehr schöne Version von Louis Armstrongs „St. James Infirmary“ anstimmte.

„Vorm Konzert habe ich gesagt“, sagte Laurie plötzlich, „wenn man uns nach dem dritten Song noch nicht weggesperrt hat, dann gönne ich mir was.“ Euphorisches Juchzen der House-Fans.

Und dann hielt Hugh Laurie plötzlich eine Maß Bier – also einen ganzen Liter – in der Hand. Und nippte. Statt es in kräftigen Zügen mindestens zur Hälfte wegzupumpen und sich einen weißen Bart von der Blume zu holen, nippte dieser Fernsehweichlng nur dran.

Engländer wissen einfach nicht, wie man mit Bier umgeht. Das war die wichtigste Erkenntnis des Abends. Und manche von ihnen lieben den Blues so sehr, dass es ihnen wurschtegal ist, nur über die Stimme eines Privatpartysängers zu verfügen.

Ich glaube, ich muss mir diese Fernsehserie mal anschauen.


Kommentare:

  1. Anonym13:48

    Also Dr. House finde ich persönlich absolut überbewertet, aber Hugh Laurie ist ein Hinkucker! *schmacht, sabber*
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  2. Dr. House ist mein Lieblingsarzt! Von dem würde ich mich sofort behandeln lassen. Auch wenn er so Sätze sagt wie: "Freuen Sie sich, die Krankheit wird nach Ihnen benannt werden und das ist die gute Nachricht..."

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  3. Anonym17:28

    Bzgl. "Alt Sein":

    http://xkcd.com/891/

    Gruß Paddy

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  4. Nihilistin20:48

    Die einzige TV-Serie, die ich wirklich regelmäßig schaue! Ein bisschen neidisch bin ich ja schon, Herr Matt...
    @Frau-Irgendwas-ist-immer: Seine Ex-Gattin Emma T. hat doch mal verkünddet (bei Wetten daß? Ich weiß es nicht sicher...), dass er privat ausgesprochen langweilig ist, da er den ganzen Tag nur Fleisch ißt und Rudern trainiert. Darauf stehen Sie doch nicht wirklich, oder? :-)

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  5. Anonym08:33

    @nihilistin
    Wie kommen Sie darauf, das ich den Status Gattin bzw Ex-Gattin vom Schnucklchen anstrebe???
    Ich will doch nur spielen .... (kucken, sabbern)
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  6. Meine Damen, bitte mäßigen Sie sich. Und bedenken Sie, dass unserer goldenen Generation viele schnuckelige Individuen angehören, nicht nur Herr Laurie …

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  7. Kat-HH16:25

    So irgendwie komme ich nicht umhin zu glauben, dass auch Sie, werter Herr Matt, nur zum Promigucken ins Keese gepilgert sind. Allerdings gingen mir die Krückstockbewaffneten und kreischenden Mittelalterdamen selber gehörig auf die nicht vorhandenen Eier...Egal, das Konzert war grossartig. Und Laurie zusätzlich zum musikalischen auch ein begnadeter Entertainer. Aber das wusste ICH schon vorher. Und nein, ich gucke kein Dr. House...ich hab zuviel mit True Blood zu tun *wegflitz*

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