06 Mai 2009

Tannenzapfenzupfen (12): Die Kuttner-Edition

(Foto via FHS Holztechnik)

Willkommen zurück im Gammelsprechland. Diese Serie über Sprachkatastrophen trägt den Namen ihres ersten Eintrags (nämlich „Tannenzapfenzupfen“). Wie immer gilt beim Konsum auf eigene Gefahr das bewährte Motto: Ohren zu und durch.

1. Die Fernsehfrau Sarah Kuttner wollte auch mal was schreiben. Prompt wird überall ihr Roman gelobt, aber keiner traut sich uns Kuttnernichtlesern zu erzählen, dass ihre Sprache bisweilen an ein schweres Zugunglück erinnert (und zwar mit einem ICE der neusten Generation).

Weil ich das Buch trotz seines Erfolges noch nicht gelesen habe, erfuhr ich erst heute vom Ausmaß seines Elends, und zwar dank eines Rundbriefs des Konzertveranstalters Berthold Seliger. Die Frau schreibt nämlich Sätze wie:
„Eine Depression ist ein fucking Event!“

Damit geht es frecherweise sogar los, doch dann steigert sich Frau Kuttner konsequent hinein in den Vollhirnriss und missbraucht dabei sogar die Rolling Stones:
„You can get it if you really want. Ich wante vermutlich nicht really genug. Auf der anderen Seite wante ich zumindest genug, um ordentlich unzufrieden zu sein, es nicht zu getten.“ WHAT THE HOLY FUCK???


2. Ich ahne allmählich, woran es liegt: Sarah Kuttner hat einfach eine Internetübersetzungsmaschine benutzt, um ihren Roman zu schreiben, und jetzt lacht sie sich zu Hause einen künstlichen Darmausgang, weil das bis heute keiner gemerkt hat.

Wahrscheinlich griff sie vor allem auf das hochgelobte linguee.de zurück, das nicht einfach übersetzt, sondern sich für den gesuchten Satz gelungene Eindeutschungen aus dem Web zusammensucht. Wobei gelungen ein dehnbarer Begriff ist.

Denn für den hübschen englischen Satz „First of all, what the fuck kind of episode title is that? “ bietet linguee.de etwas extrem Kuttnerhaftes an: „Zuerst was ist die Bumsenart des Episodetitels die?“


Und genau das frage ich mich auch schon den ganzen Tag.

Was bisher geschah: 11, 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1





Kommentare:

  1. Nils die Maus06:54

    Es könnte natürlich auch sein, dass Frau Kuttner bewusst die Sprache so vergewlatigt hat. Aus humoristischen oder sonst welchen Gründen ...

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  2. Beraternase07:48

    @ Nils: Ich glaube, dies ist zu viel der Ehre für Frau Kuttner. Ich tippe auf Unvermögen.

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  3. Na klar macht die das absichtlich. Das ist ja das Schlimme.

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  4. Anonym08:59

    Was hat 'You can get it if you really want' mit den Stones zu tun?

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  5. Anonym12:06

    Wahrscheinlich so viel wie "You can´t always get what you want" mit Desmond Dekker.
    Gruß, wh.

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  6. Da habe ich vor lauter Empörung die Songs verwechselt … Danke für Hinweis und Korrektur.

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  7. Herr Wagner, beim Klick auf den Link zum ersten Tannenzapfenzupfen (dem Tannenzapfenzupfenlinkklicken sozusagen) erscheint leider nur die Google-Blogsuche.
    Auf die Gefahr hin unoriginell zusein: Ihr Blog ist eine täglich aufheiternde Lektüre!

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  8. "sie lacht sich einen künstlichen darmausgang" - spricht man so von leuten. die auch noch depressiv daher kommen und geld mit machen wollen, ey???
    im ernst, krasse formulierung!

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  9. Joshuatree20:25

    Ich muss Ihre Kuttner-These unterstützen, Matt. Meine Übersetzungswunsch der Frage: "You know where the fuck you are?" wurde auf Linguee mit: "Sie hat die nötigen Qualitäten eines Originals" beantwortet.

    Meine Mutmaßungen gehen nun weiter...

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  10. vierundachtzig, danke für den Hinweis, ist korrigiert.

    wildgans, das betrachte ich als Kompliment. Merci!

    Joshuatree, diese Linguee-Übersetzung ist recht gewagt, geradezu sehr frei, eine Art Nachdichtung gewissermaßen. Tolles Tool!

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  11. Anonym01:34

    Ich bekomme nur ne Seite, bei der Linguee den Satz zerlegt. Haste mal einen Link zu der Resultatsseite?

    Nebenbei übersetzt Linguee doch gar keine Sätze, soweit ich weiss, sondern sucht Übersetzungen im Internet. Würde zu gerne die Ursprungsseite im Internet sehen, wo jemand das so übersetzt hat, da gibts bestimmt noch mehr lustige Sachen...

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