30 Dezember 2007

Ein ganz und gar unutopischer Tag

Heute wagte ich nur einen einzigen Ausflug vor die Tür. Er reichte, um etwas sehr Unspektakuläres festzustellen: Auf St. Pauli geht alles seinen normalen Gang – und der regt mich auf.

Irgendjemand nämlich hat mir am Fahrrad mal wieder die Lampenleitung durchgeschnitten, bei Edeka ignoriert ein Merkbefreiter die Brötchenzange und wühlt mit bloßen Händen im Gebäck, von Fenstern und Balkonen bewerfen Scherzbolde die Passanten mit Knallfröschen, und auf dem Spielbudenplatz liegt unpassenderweise gestapelter Schnee herum.

Was also bleibt einem übrig, als sich zu Hause zu verkriechen, die Bude aufzuräumen und zwischendurch Aphorismen zu schmieden?

Zum Beispiel den hier:

Glorifizierung ist die nachträgliche Utopisierung der Vergangenheit; die Utopie hingegen glorifiziert vorauseilend die Zukunft.
Klingt nicht unpassabel. Doch der tristen Kiezgegenwart aus durchgeschnittenen Drähten, Brötchenbetatschern und in Kniehöhe explodierenden Sprengkörpern nützt so ein Spruch rein gar nix.


Kommentare:

  1. Dein_Koenig02:14

    einfach nur ein schlechter Tag. Aber deswegen gleich aufräumen. Morgen wird alles besser.

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  2. Joshuatree03:13

    ... und was ist mit der Gegenwart, Matt? Sie klagen wie ein junger Werther gepaart mit der Emotionalität eines Herrn Curtis und?

    "You gotta fight for your right to have party", sangen einst die Beastie Boys, deren Refrain ich gern ebenso in die Riege der Bonmots von Lennon, Dylan etc. setze.

    Ich darf Ihnen und Ms. Columbo in konservativer Form ein wundervolles, gesundes und erfolgreiches Jahr 2008 wünschen. Herzlichen Dank für die Hinweise auf wirklich gute Musik. Musik sei die Sprache der Leidenschaft, meinte auch Richard Wagner.

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  3. Einen guten Rutsch und Ms. Columbo und Dir alles nur erdenklich Gute für das Neue Jahr!
    Herzliche Grüße aus St. Pauli-Süd
    A.

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  4. Vielen Dank, meine Lieben, für die guten Wünsche. Sie verbleiben hier und gehen doch retour …!

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  5. ach matt, wenn ihrem fahrrad nicht ständig was fehlen würde, würde ihnen doch was fehlen. -;-p
    den knallfroschparcour am ende der talstr kurz vor edeka habe ich gestern abend schon mit gutem erfolg absolviert.

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  6. Zuviele Fremdwörter. Aber was verstehe ich schon.

    Hier herrscht eine himmlische Ruhe. Ich werde morgen wohl selbst ein paar Breitseiten abfeuern müssen.

    Herzliche Grüße zum Jahreswechsel.

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  7. Opa, ich schaue um 12 mal nach Süden gen Himmel, vielleicht setzt sich Ihre Pyromanik ja durch gegen die hanseatische. Aber bedenken Sie die Erdkrümmung!

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  8. Freckert01:55

    Erdkrümmung? Das heißt ja...denk...überleg...
    Die Erde ist keine Scheibe?!?!
    Nein, nein Herr Matt, das können Sie mir nicht so kurz vor Jahresende einreden!

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  9. Anna16:46

    Freckert, genau! Lassen Sie sich bloß kein X für nen U vormachen:
    Die Erde ist eine Scheibe, mit einer kleinen, aber sehr schönen Kuppel, die das Kleinod dieser Scheibe bildet und bereits auf der berühmten Himmelsscheibe (!!) von Nebra abgebildet wurde:
    Das Saarland!
    (hihi)
    Vielleicht auch "dem Saarland", weiß ich jetzt gerade nicht so genau...

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  10. Um dem Tag etwas Utopisches zurückzugeben, bitte ich noch einmal einen Blick auf das Schneefoto zu werfen und zu staunen: Das ist doch der Kopf von E.T.!
    Schade, dass der 2007er Schnee bereits geschmolzen ist, sonst hätte man ihn sicher für eine horrende Summe an einen Hardcore Film Fan via Selbstabholung verkaufen können... So wäre auch das Schneehaufenproblem gelöst.
    Beste Grüße

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