12 Dezember 2007

Klingelstreich

Natürlich: Das Wesen des Vandalismus, sein Kern, sein innerstes Ich liegt in der sinnlosen Zerstörung. Danach strebt er, das befriedigt ihn.

Dennoch wäre es mir auf eine mir selbst rätselhafte Weise lieber, ich wüsste genau, warum jemand nur die Kuppel einer Klingel klaut, statt sie komplett von meinem Fahrradlenker abzuschrauben und sich hinfort selbst ihrer tadellosen Funktionsfähigkeit zu erfreuen.

Was bloß will der Vandale mit dem Blechdeckel alleine? Er wird ihn über kurz oder lang frustriert entsorgen müssen, und ich meinerseits bleibe auf dem Rest einer Klingel sitzen, die nun so viel wert ist wie ein Schuh ohne Sohle oder Kopf ohne Hirn.

Wem nützt das also? Keinem von uns beiden. Doch vielleicht liegt es ja an mir, an meinem verkrampften Bedürfnis nach Kausalität, nach Ursache und Wirkung, Sinn und Zweck, Diebstahl und Nutzen, dass mir das Wesen des Vandalismus, sein Kern, sein innerstes Ich erschreckend fremd bleibt.

Tatsache bleibt: Ich kann zurzeit nichts und niemand vom Fahrradweg klingeln. Ich muss „Achtung!“ rufen, und das ist auf eine mir selbst unverständliche Weise ein Stück weit entwürdigend.

Es bleibt wohl kein anderer Ausweg: Eine neue Klingel muss her. Oder gibt es irgendwo den Deckel gesondert zu kaufen? Wenn man ihn überhaupt so nennt.

Kommentare:

  1. Joshuatree01:38

    Ist die persönliche Anrede "Achtung!" nicht weit wirkungsvoller, als eine anonym-scheppernde Klingel aus dem Hintergrund und aus chinesischer Produktion?

    AntwortenLöschen
  2. frollein a.08:54

    Naja und so ein zackiges "Achtung" weckt ja auch Erinnerungen. Der Ton macht die Musik, aber wem sage ich das...

    AntwortenLöschen
  3. Ach, wenn Sie beide doch nur mein verschämtverschüchtertes Achtungchen hören könnten, Sie gingen auch nicht aus dem Weg …

    AntwortenLöschen
  4. Anonym09:13

    Bei dem Versuch das Unverständliche zu verstehen hilft eventuell, daß auch dieses "Rumschleuderding", der Klöppel(?), fehlt. Diese Dinger gehen manchmal kaputt. Vielleicht brauchte der Dieb das Teil. Als er es hatte flog die Glocke in die Büsche. Wozu auch wieder draufschrauben?

    AntwortenLöschen
  5. vielleicht war der täter zuvor selbst opfer und hat nur auf illegale weise die funktionstüchtigkeit seiner eigenen klingel wieder hergestellt? anstatt "achtung" zu flüstern, kann der versierte fahrradfahrer übrigens auch eine wasserpistole mit sich führen und mit einem gezielten strahl in den nacken menschliche hindernisse vom fahrweg vertreiben...

    AntwortenLöschen
  6. German Psycho10:29

    Das geht auch mit einer richtigen Pistole und dabei auch gleich effizienter.

    AntwortenLöschen
  7. Die Klingelkuppel gibt's im Gebrauchtefahrradteileladen. Dort hat der Dieb sie bestimmt auch hingebracht... ;-)

    AntwortenLöschen
  8. Toronto2111:31

    Ich habe mal klingellos eine Trillerpfeife benutzt. Das habe ich mir bei Tatort-Kommisarin Lena Odental abgeschaut, die das in einem Tatort gemacht hatte. Erstens fand ich es cool, zweitens reagieren die Fußgänger in dem Fall wirklich sehr schnell. Und ich glaube, die benutzen so schnell keinen Fahrradweg mehr als Fußgängerweg, was ja immer wieder gerne gemacht wird.

    AntwortenLöschen
  9. Anna12:11

    Matt, da Sie mit dem "Achtung!" rufen nicht so ganz glücklich scheinen, wie wäre es, wenn Sie einen chinesischen Gong mit sich führen, und den dann schlagen?
    Das wäre nicht nur sehr höflich, sondern auch sehr majestätisch und hätte Stil.
    Ich glaube sogar, Sie würden damit einen neuen Trend setzen.

    AntwortenLöschen
  10. Anonym15:10

    Für das kleine Etwas mehr an Aufmerksamkeit gibt's das hier http://www.deltacycle.com/product.php?g=1

    AntwortenLöschen
  11. strelo15:33

    Meine Erfahrung ist, sich als herannahender Fahrradfahrer besser nicht bemerkt zu machen.

    In der Regel reagieren Fußgänger nämlich dann so, wie sie es gerade nicht sollten. Wenn man dagegen beobachtet, in welche Richtung sich die Fußgänger (oder Radfahrer) bewegen und man den eigenen Weg danach ausrichtet, kommt es zu weitaus weniger Komplikationen.

    Allerdings reagieren manche der Betroffenen ärgerlich, weil sie sich erschrecken und dabei nicht bemerkt haben, dass man sich um ihre körperliche Unversehrtheit Gedanken gemacht hat.

    AntwortenLöschen
  12. Anonym19:26

    Die Klingelkuppel ist für umweltbewußte Raucher der beste mobile Aschenbecher den es gibt.

    AntwortenLöschen
  13. Dein_Koenig19:27

    Ach Matt - warst Du nie jung? Ich gestehe in meiner Jugend diesen kriminellen Akt vorgenommen zu haben.
    Ist der typische Blödsinn. Wird erst dann aussterben wenn die Deckel nicht mehr abschraubbar (geiles Wort) sind.
    Los trau Dich, der Welt es mit gleicher Münze heimzuzahlen.

    Ob dann Ms. Columbo im Stillen ein klein wenig stolz auf Dich wäre???

    AntwortenLöschen
  14. So, so, Wasserpistole, Revolver, Trillerpfeife oder Gaströte: Da fällt mir die Entscheidung wirklich schwer …

    koenig, wenn ich Ms. Columbos Stolz nur mit der armseligen Aktion eines Klingelglockenklaus (großartiges Wort!) erreichen könnte, dann würde ich doch sehr an ihr (und mir) zu zweifeln beginnen.

    AntwortenLöschen
  15. Anonym01:13

    Mir wurde letzte Woche meine Sattelklemme incl. Schnellspanner entwendet. Das scheint ein Serientäter zu sein, der versucht sich ein ganzes Fahrrad zusammen zu stehlen. Das sollte man beobachten!

    AntwortenLöschen
  16. Aber warum klaut der Idiot nicht gleich ein ganzes Fahrrad, ein richtig gutes?

    AntwortenLöschen
  17. trillian08:01

    Vor einiger Zeit bekam ich eine exorbitant kitschige Fahrradklingel geschenkt.
    http://trillian.blogspirit.com/archive/2006/05/16/schoner-klingeln.html

    Diese ist so orangefarben, dass mein Rad auf den ersten Blick auch im größten Fahrradwirrwarr zu erkennen ist.

    Aber ich nutze die Klingel selten. Viel lieber erschrecke ich die Passanten mit einem lauten Quietschen meiner Vorderradbremse

    AntwortenLöschen
  18. Olaf19:29

    Herr Matt,

    diese Klingeldeckel klingeldingeln (demnach klingeln also Deckel...) so schön, wenn man sie flach (wie einen flachen Stein auf Wasser) den Gehweg entlangditschen läßt. Mit Glück - an einer Einmündung oder Kreuzung - treffen sie ein Auto und der Fahrer wird nie herausfinden, was das für ein Geschoß von der Seite war, das sich kurz vor seinem Aussteigen wieder dingelnd entfernt hat.
    Das geht aber nicht mit den leichten Aluminiumklingeldeckeln. Es müssen die schwereren verchromten sein. Die haben mehr Masse und schaffen locker 20 Meter.
    Nein - ich habe Ihren Deckel nicht geklaut.
    anonym/ Anonymous hat recht. Es fehlt Ihrem Klingelsockel der Klöppel, der an die Glocke schlägt.
    Die vielleicht den Gehweg entlanggedingelt wurde.

    AntwortenLöschen
  19. Anonym23:18

    Mir ist es einmal gelungen, den Deckel dermaßen festzuschrauben, dass er sich vom Mittelteil mit dem Gewinde löste. Das Gewinde saß fest, der Glockendeckel drehte sich fröhlich um seine Aufhängung. Abziehen geht nicht, abschrauben ist auch unmöglich, und klingeln kann die Gesamtanordnung auch noch... geradezu ideal.

    Evtl. lässt sich das gezielt provozieren bei der nächsten Glocke?

    AntwortenLöschen
  20. Die Hersteller sollten Klingeln gleich so ausliefern. Geniales Prinzip!

    AntwortenLöschen
  21. Olaf21:02

    Wer bräuchte dann noch eine neue Klingel zum Ersatz ?

    AntwortenLöschen