29 Dezember 2007

Vor und in Umkleidekabinen

Wohl dank einer Geistesverwirrung habe ich mich heute in den postweihnachtlichen Einkaufswahn gestürzt.

Zur Strafe stand ich bei H&M in der beträchtlich langen Umkleideschlange. Vor mir hatte sich eine Armada von Frauen aufgereiht, obwohl wir uns in der Herrenabteilung befanden. Vermutlich waren die Schlangen in der Damenabteilung noch länger.

Andererseits taugte dieses in der Toilettensphäre häufig vorkommende Phänomen noch nie als Grund, einfach mal so aufs Herrenklo zu gehen; warum also war die Hemmschwelle geringer bei Umkleidekabinen?

All das aber ging mir in diesen zähen Minuten noch gar nicht durch den Kopf. Dafür sorgte erst eine H&M-Verkäuferin. „Mädels“, sprach sie vertraulich die vordere Hälfte der Schlange an, „das hier sind die Umkleidekabinen für Jungs.“

Betretenes Schweigen in der Damenarmada. Diese spürbare Betroffenheit hätte alle möglichen Chancen geboten. Man hätte die Schraube nur noch eine Vierteldrehung weiterdrehen müssen, und schon wären die Damen bestürzt gen richtige Etage geflohen.

Innerlich war ich längst auf der Seite der H&M-Verkäuferin und hoffte auf den entscheidenden Satz. Doch was sagte sie? Sie sagte: „Ich sag’s ja nur.“

Fatal! Die vor mir in der Schlange stehenden Damen nahmen das natürlich erleichtert als Freibrief. Sie reagierten wie ein Ochse, dem jemand ins Horn zwickt, nämlich gar nicht.

Somit verlängerte sich meine Schlangenverweildauer unnötig. Doch ich war viel zu feige höflich, um die Damen zur Schnecke zu machen. Genauso wie etwa eine Stunde später im Kaufhof, als eine Verkäuferin forsch den Vorhang der von mir belegten Kabine beiseite zog mit den Worten: „Oh, Entschuldigung, ich suche einen anderen Herrn!“

Grundsätzlich wäre das natürlich nicht schlimm gewesen, da ich just mal nicht im Slip vorm Spiegel stand. Doch leider war ich gerade dabei, Fotos anzufertigen, von denen eins der Bebilderung dieses Beitrags dient.

Wahrscheinlich hält mich die Kaufhoffrau jetzt für einen Perversen, der sich daran aufgeilt, in öffentlicher Heimlichkeit seinen Bauch zu knipsen. Ich versuchte eilends diesen Eindruck zu zerstreuen, indem ich genau die Hose kaufte, die sie mir empfohlen hatte.

Allerdings quält es mich nun nicht wenig, niemals erfahren zu können, ob diese Taktik auch gefruchtet hat.


Kommentare:

  1. Zum Thema Frauen auf Männertoiletten: Also Ihre Beobachtung kann ich nicht teilen, letztmalig beim Laith Al-Deen Konzert in der Grossen Freiheit standen mehrere Frauen beim Händewaschen neben mir, und wie ich an der Sanitäreinrichtung erkennen konnte, stand nicht ich im an sich falschen Raum.

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  2. seien sie unbesorgt, matt. die kaufhoffrau, die sie möglicherweise nun für einen perversen hält, wird sich dafür jetzt mit dem gedanken quälen, dass sie sie für eine spannerin halten...

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  3. Wir können alle nur hoffen das die Kaufhofdame ihre guten Geschmack den sie bei Beinkleidern an den Tag legt auch auf ihre Internetnutzungsgewohnheiten überträgt, denn dann wird sie dieses Blog lesen. Womit alle entlastet wären und mit reinem Gewissen in ein neues Jahr schlittern könnten.

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  4. Herr M., seien Sie froh und dankbar für dieses Erlebnis, denn Sie haben etwas Außergewöhnliches erlebt.

    Danke, Tommy (sic!), für diesen Trost. Er ist wirklich einer. Perfektioniert würde er nur noch durch das Szenario, welches Stefan in jahresendlicher Versöhnlichkeit entwirft.

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  5. Ich frage mich, was Sie hier mit einer Frau veranstalten, die sich als Männerumkleiden- und Männertoilettenbenutzerin outet. Diese Frage von mir als Frau ist natürlich rein wissenschaftlicher Natur. Ich persönlich würde ja niiiieee... *hust*

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  6. Als jemand, der heimlich öffentlich seinen eigenen Bauch fotografiert, habe ich wohl keinerlei Handhabe gegen solche Verhaltensauffälligkeiten. Also sagen Sie bitte Ihrer „Bekannten“: Alles ist gut, es droht keinerlei Gefahr …

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  7. war wohl sehr kalt in der umkleidekabine. oder haben sie uns etwas verschwiegen?

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  8. Sie meinen wohl eher „heiß“, weil ich nur im T-Shirt dastehe, oder?

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  9. German Psycho18:07

    Lieber Matt, Sie kennen mich als bekennenden Christen und gottesfürchtigen Menschen. Daher kann ich Ihnen nur sagen: Erkennen Sie die Zeichen des Herrn! Tun Sie Buße! Verstehen Sie doch, er gibt Ihnen immer noch die Chance, sich zu ändern. Kaufen Sie doch um Himmels willen nicht mehr bei H&M!

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  10. Hamburger Deern18:21

    Hallo Matt,
    wollte nur mal "Danke" sagen für diesen Blog,der mir so oft Lach-Augenblicke in sauren Zeiten und Heimat-Fühlen in Heimweh-Zeiten schenkt.
    Guten Rutsch Dir und Mrs.Columbo!

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  11. Herr GP, woher wissen Sie, ob ich dort auch eingekauft habe? Sie stützen Ihre Mahnung lediglich auf Indizien, nicht auf Beweise. (Wie hat Ihnen eigentlich gestern Abend mein neues Hemd gefallen …?)

    Liebe Deern, das freut mich außerordentlich. Die guten Wünsche gebe ich gerne zurück – möge es dich dermaleinst wieder zurück verschlagen an Alster und Elbe!

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  12. Joshuatree23:42

    Matt, welch einen Waschbrettbauch haben Sie sich da angeeignet! Respekt - sicher werden Sie von nun an kaum noch Ruhe bei der Wahl der passenden Konfektion und vor allem bei deren Anprobe haben.

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  13. Ja, Praktikantin Anna muss bereits immer mehr Bodyguardaufgaben erfüllen.

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  14. Freckert23:19

    Ich gebe Frau c.s. Recht! Es scheint kalt gewesen zu sein, oder es war... hihihi.

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  15. Anna16:38

    Ja, so ist es, "Bodyguarderin" oder "Bodyguarderesse" ist die politisch korrekte Bezeichnung für meine Zusatzfunktion.
    Ich habe dafür online einen Karateschnellkursus, einen Schattenboxenballettkursus und einen Kursus "Kämpfen ohne Waffen, nur mit der Kraft eisiger Blicke, die bis zum Tod führen können" absolviert und auch alle bestanden.
    *Heiaaaaaaaaaa-hi-ha! Hi! Hu!(Angriffsschrei)

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