13 Juli 2006

Am Ende eines großen, dunklen Trips

Zwei schmerzliche Todesfälle am letzten Freitag, dem 7. Juli. Der eine, Rudi Carrell, wurde zur Legende, weil er seine Karriere bis zur Neige auskostete. Der andere, Syd Barrett, weil er seine Karriere nicht ausschöpfen konnte.

Barrett war ein strahlend hübscher Jüngling der 60er, ein frühreifes Genie; er gründete Pink Floyd, schenkte ihnen einige der merkwürdigsten Dreiminutenmeisterwerke der Popgeschichte, wurde zum LSD-Wrack und kehrte nie mehr ganz zurück von seinem großen, dunklen Trip.

Als er am Ende war, Anfang der 70er, verließ er eines Tages seine Wohnung in London ohne Koffer und kehrte zurück zu seiner Mutter nach Cambridge, zu Fuß, die ganze Strecke; und in diesem Haus hat er gelebt bis letzten Freitag, bis er starb.

Hat Barrett je gezecht, gefeiert, geliebt? Das Mysterium dieser sich hermetisch vor der Welt verbergenden Popikone hat mich immer fasziniert, und ab und zu googelte ich in den letzten Jahren nach Fotos von ihm. So wurde ich Zeuge, wie aus dem strahlend hübschen Jüngling der 60er urplötzlich – weil 30 Jahre zwischen den Fotos lagen – ein dicklicher Kahlkopf geworden war. Die letzten Paparazzibilder zeigten ihn magerer, gezeichnet von irgendetwas, das nicht nur körperliche Ursachen gehabt haben konnte.

„Shine on, you crazy diamond“, rief ihm Roger Waters 1975 in Form eines epischen Songs zu. Barrett hat nie auf Waters gehört; nur dessen Wunsch „Wish you were here“ leistete Barrett einmal Folge, als er bei den Aufnahmen zum gleichnamigen Pink-Floyd-Album im Studio auftauchte wie ein Phantom, das eine Weile stumm im Halbschatten stand und wieder verschwand.

Sein ganzes Leben verlief im Halbschatten, und jetzt ist er endgültig verschwunden.

Ex cathedra: Die Top 3 der Songs von Syd Barrett
1. „Arnold Layne"
2. „See Emily play"
3. „Mathilda mother“


Foto: blogmedias

Kommentare:

  1. Danke für die Hintergrundinfos in Sachen Pink Floyd! Passt denn "Comfortably Numb" auch in Deine Interpretation?

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  2. „Comfortably numb“ wurde zumindest nicht direkt für und über Barrett geschrieben.

    Man könnte natürlich das komplette „Wall“-Werk – in dem es ja um Isolation und soziale Ausgrenzung geht – als irgendwie von Barretts Leben inspiriert deuten. Muss aber auch nicht sein …

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