29 Juli 2011

Sieben Minuten extra

Manchmal, wenn ich wieder mal herumtorkelnde Wochenendfeierbiester (Ursache: siehe Foto) über den Kiez mäandern sehe, begegne ich ihnen mit Milde und Nachsicht, und zwar aus historisch-politischen Gründen.

Denn mal ehrlich: In diesem Zustand wäre es uns Deutschen niemals gelungen, Polen zu erobern, und auch zum Überfall auf die UdSSR hätte uns zweifelsohne die nötige Körperspannung gefehlt. Sage also noch einer, Alkohol wirke nicht segensreich!

Selbstvergessene Geschwätzigkeit tut das übrigens auch, wie mir unlängst klar wurde, als ich unter den heilenden Händen meiner attraktiven Physiotherapeutin mal wieder die lediglich 20 Behandlungsminuten viel zu schnell dahinschwinden sah. Zum Glück aber – ich weiß gar nicht mehr, wie wir darauf kamen – begann sie mir von den Abenteuern eines halbjährigen Südamerikatrips zu berichten.

Durch gezieltes (und nicht mal geheucheltes) interessiertes Nachfragen vermochte ich ihre anschaulichen Schilderungen immer tiefer in die glorreichen Gefilde des Detailreichtums hineinzumanövrieren, während sie gleichsam auf Autopilot weiter nebenbei professionelle physiotherapeutische Arbeit ablieferte.

Irgendwann hörte ich die unheilvollen Glocken des Michels 18 Uhr läuten, was zufällig mit dem designierten Ende des Therapiezwanzigminüters zusammenfiel, doch die Gute war dermaßen im Erzählfluss, dass sie mit nostalgisch verklärten Augen auch noch diesen Raub und jene Schießerei erwähnte sowie das nächtliche Stranden auf einer ungesicherten Andenpassstraße.

Am Ende war ich durch diese überraschenden Umstände in den Genuss von sieben (!) Extraminuten gekommen – und bin damit sicherlich einer der Hauptschuldigen an der immer breiter klaffenden Deckungslücke im deutschen Gesundheitssystem.

Dennoch sollten Sie mir möglichst mit Milde und Nachsicht begegnen, wegen mir auch aus historisch-politischen Gründen, das ist mir aber so was von egal.

Kommentare:

  1. Dann aber bitte Dauertrunkenheit. Denn sind sie erstmal nüchern, kommen solche weichgesoffenen Gehirne auf die dümmsten Ideen!

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  2. Ja, ich glaube, darauf kann ich mich einlassen.

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  3. Ach Herr Matt.. Sie wissen doch, alten Männern (siehe ihr verbloggter Arztbesuch) gönnt man die zarten Hände einer attraktiven Physiotherapeutin gerne etwas länger. Immerhin wären Sie wahrscheinlich ansonsten garnicht in der Lage, weiterhin hier zu schreiben. Und so oft wird man ja ab 50 auch nicht mehr von jungem Fleisch berührt. *Grinst leicht schelmisch*

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  4. Sie müssen es ja wissen! ;)

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