07 September 2010

Alles Handarbeit (würg)



Unangefochtenes Zentrum des in Hamburg weltberühmten Galãostrichs am Schulterblatt ist das Transmontana, das hier schon mehrfach wohlwollend Erwähnung fand.

Das Transmontana ist ein hochcharmantes portugiesisches Café mit einem Bestelltresen direkt links hinter der Eingangstür, so dass die Gästeschlange immer den Durchgang versperrt. Und im Transmontana ist immer Schlange. Der Laden ist in der Schanze beliebt bis zur Vernarrtheit, hier kaufen Studenten, Werber und Autonome in friedvoller Eintracht ihre Natas. Oder ihre Sandwiches – und die sind das Problem.

Die einzelnen Zutaten liegen griffbereit in sichtbaren Schalen unterm Glastresen, und wenn eine der anscheinend nach strikt ethnischen Kriterien ausgewählten Tresendamen (alles Portugiesinnen, wie’s scheint) ein Sandwich ofenfertig kompiliert, dann läuft das so:

Zunächst greift die stets dralle, offensichtlich unaufhaltsam dem Matronenhaften entgegenevolvierende Tresenfrau mit durchaus wurstigen Fingern in den Mozzarella und knatscht ihn auf die gebutterten Brötchenhälften. Dann grabscht sie so grob wie geübt in die Salamischale, pappt die Wurst auf den Käse, ehe sie ihre weiterhin ungewaschenen Flossen im Tomatenkübelchen versenkt. Dort fischt sie zwei tropfende Scheiben heraus, packt sie aufs Brötchen und matscht sie genüsslich mit bloßen Händen fest auf den Rest.

Zwischen zwei Sandwiches kassiert Ms. Salmonella Kaffee ab, nimmt speckige 10-Euro-Scheine entgegen und kramt im menschenfettverschlierten Münzwechselgeld. Und schon wühlen sich ihre glänzenden Finger wieder durch Käse, Wurst und Tomaten …

Dass die Sandwiches nach der eklen Prozedur in einer Art Waffeleisen mehrere Minuten lang erhitzt werden, ist zwar in erster Linie rezeptkonform; doch gleichzeitig dürfte das die komplette Entvölkerung des Schanzenviertels durch Streptokokkeninfektionen etwas hinauszögern.

Grundsätzlich wäre dieser Entvölkerungseffekt womöglich sogar zur begrüßen, dann sänken wenigstens die Mieten wieder und Schilder wie das abgebildete würden überflüssig. Doch damit entzöge sich das Transmontana zugleich auch seine eigene Geschäftsgrundlage, und das kann keiner wollen.

Wir kaufen dort übrigens stets nur Natas (gebenedeit sei ihr Erfinder). Die holen sie im Transmontana nämlich immer nur mit Zange vom Tablett, weiß der Teufel warum.


Kommentare:

  1. Martin W.09:40

    Hmmh, lecker...;-)

    Und ich steuer in Hamburg meist immer diesselbe gastronomische Einrichtung auf. Warum nur? Bin mal gespannt, wann diese hier auf dem Blog erscheint.

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  2. Wer mit derart menschenverachtenden und rassistischen Allgemeinplätzen wirbt, der sollte nur noch Sarrazin als Kunden haben dürfen. ;)

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  3. Anonym09:49

    Ich muss gestehen das ich bei dem Schild zuerst Spekulatius gelesen habe und schon eine Verbindung zur grad aufkommenden Welle des Verderb.. äh.. der vorweihnachtlichen Vorfreude in allgemein bekannten Discountern sah. Jedoch war ich recht beruhigt, als es dann doch nur wieder um Klasenk(r)ampf ging und um gesundheitliche Vorsorge gegen die ausufernde Allergieseuche, die dieses allzu saubere Land und dessen Bevölkerung erfasst. Insofern möchte ich frei und ungestüm ausrufen: "Nahrungsmittelbeleger aller Länder vereinigt euch und nehmt euch ein Beispiel an diesem Laden und dessen Belegerinnen"!

    Hochachtungsvoll.

    Ihr,

    A. Nonym

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  4. Anonym10:29

    Ach Quatsch mit Streptokokken und alle sterben und so.
    Meinen Sie ernsthaft, Ihre eigenen Finger seien nach ein bißchen Wasser und Seife steril, wenn Sie zuhause mit dem Kochen anfangen?
    Vergessen Sie's. Machen Sie sich keinen Kopf um die Finger der Dame, die sind nicht schlimmer als Ihre (und wo die schon überall waren... Nein, wir wollen es nicht wissen.)
    Was mir in solchen Lokalen immer mehr zu denken gibt: Das sind oft (nicht immer) minderwertige Zutaten, Fleisch und Käse vom miesen Discounter - das scheint die ansonsten so auf politische und ökologische Korrektheit bedachte Kundschaft nicht zu stören...

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  5. Lucky Luciano12:46

    Mir fehlt da ein Wörtchen über das gutangezogene Mittelklasseklientel, das mich regelmäßig durch die unfähigkeit den eigenen Eppendorfer Arsch nicht aus dem Weg zu manöverieren wenn er im Weg steht, in Rage bringt.
    Sicher alles verdiente Bildungsbürger unserer Gersellschaft. Aber Sonntagsmorgens (der einzige Zeitpunkt an dem ich da mal vorbeischaue, weil es da die besten Croissants des Viertel gibt, laut meiner Frau) bringen sie mich regelmäßig zum glühen. Das kann dann die verhältnismäßig unfreundliche Bedienung auch nicht mehr ändern.

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  6. Lucky Luciano, diese Klientel, die finden Sie nicht nur in gutangezogen. Leider. Häufig gerne auch in der Schanzenspießeruniform: Jeans, Motto-T-Shirt und Kapuzenpulli.

    Aber klar: Über Leute, die einfach blöde im Weg rumstehen kann man sich gar nicht genug aufregen. Volle Zustimmung.

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  7. Das klingt nach einem verdammt billigen Koksrausch, bei all den Geldschein-Brötchen-Kontakten. (Nein, ich habe keine Angst vor dem Gebrauch von Bindestrichen hier im Blog! Im Gegenteil!)

    Sie müssten das Brötchen nur, anstatt es zu essen, schnell an Ihrer Nase vorbeiführen und dabei sniffen.
    Sniffsniff.

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  8. Anonym 10:29: Sie werden lachen, doch es gibt in der Tat wissenschaftliche Hinweise darauf, dass mit Wasser und Seife gereinigte Hände sauberer sind als welche, die den ganzen Tag abwechselnd in Lebensmitteln und Geldscheinen wühlen.

    Es steht Ihnen gleichwohl völlig frei, Ihre Hygienestandards selbst zu setzen. Solange ich Ihnen nicht die Hände schütteln muss.

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  9. Das ist doch wieder Ihr schulmedizinischer Fundamentalismus, werter Matt!

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  10. Anonym16:04

    Hier Anonym 10:29 nochmal:
    Das mit der Seife ist richtig und zugleich trivial, ich sprach allerdings von "steril" - aber ehrlich gesagt auch nur, um Ihre etwas fehlgeleitete Manie hopp zu nehmen. Pinzipiell haben Sie ja Recht wegen der Dame - aber auch nur, weil Sie den Blickwinkel sehr verengen. Mit Geld (egal, ob Scheinen oder Münzen) hantieren Sie auch täglich, vermute ich (wobei EC- und Kreditkarten samt den damit zu nutzenden Terminals ebenfalls Keimschleudern erster Kajüte sind - oder haben Sie schonmal gesehen, dass solche PIN-Tastaturen gereinigt werden? Genau.)
    Vermutlich würden Sie sich wünschen, meine sehr gepflegten Hände mal zu drücken, wenn Sie wüßten, was viele andere, die Ihnen öfter die Hand reichen, so alles an Hygiene auslassen. Und unter dem Schutz der Anonymität unke ich Ihnen mal was: Eventuell haben wir uns schonmal die Hand gedrückt - so ganz unbekannt sind wir uns nicht ;)

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  11. Das kann ja jeder Heckenschütze behaupten …

    GP, gerade das Fundamentalistische macht dieses Blog doch so sympathisch, nicht? Gilt übrigens auch für Ihrs.

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  12. Ach ja, noch eine Ergänzung zu Herrn Anonym: Selbstverständlich hantiere ich täglich mit Münzen, Scheinen und Tastaturen. Aber ehe ich mir manuell Essen in den Mund schiebe, wasche ich mir halt die Hände. Und dass die Transmontanamatronen, die täglich hundertfachen Publikumskontakt haben, das nicht tun, stört mich. Ich bin halt etwas eigen.

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  13. Warum immer in die Ferne schweifen? Und dann weinen?

    http://hhmypearl.blogspot.com/2010/01/hamburg-stpauli-davidstr4-transmontana.html

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  14. xs4all02:44

    @ Anna & German Psycho:
    Sie sind zu köstlich, alle beide. Damit meine ich jetzt nicht, daß ich Sie beide gerne anknabbern möchte, sondern Ihre Kommentare, in der Tat, ja.
    Sie natürlich auch, werter Matt; aber das wissen Sie ja vermutlich bereits... ;)
    Ich werde mir nun noch kurz die Hände (in Unschuld?) waschen um mir danach möglichst keimfrei die Lachtränen aus den Augenwinkeln zu wischen und anschließend mein müdes, aber erheitertes Haupt in Morpheus grinsende Arme zu betten.

    bytheway Herr Matt, können Arme eigentlich grinsen ?
    Ich weiss... das ist eigentlich eine alberne Frage, aber ich las, daß Sie Albernheiten gegenüber gelegentlich nicht abgeneigt seien...

    Gute Nacht, ergebenst u. amüsiert
    xs4all

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  15. Anonym03:22

    Swiw könnte das dem Laden erheblichen Ärger einbringen, wenn das Gesundheitsamt davon Wind bekommt. Hände die mit Geld in Berührung kommen, dürfen nicht ungereinigt die Lebensmittel berühren. Zumindest nicht von hinter einem Verkaufstresen aus.

    Es gibt Leute, die habe allerlei Ekligkeiten an den Fingern, zum Teil auch aufgrund erheblicher Hygieneverhaltensdefiziten (Stichwort z.B. Händewaschen nach'm Pissen/Scheißen). So einige ziemlich unfreundliche Keime können da recht lange an den Händen überleben und über das Geld dann an die Hände der Tresendame weiterverteilt werden. Von dort auf's Essen et voilá: Dünschiss/Kotzen (gern auch gleichzeitig), Fieber, elendiges Leiden bei z.B. Herrn Matt.

    Wenn ein Laden der Essen verkauft so fahrlässig damit umgeht (und wie gesagt swiw damit auch schon etliche Jahre geltende Hygienevorschriften verletzt), sollte man die Mitarbeiter mal darauf hinweisen. Oder das Gesundheitsamt.

    Mag ja sein, daß das schon seit Jahren gut geht, aber es reicht ein "verseuchter" Kunde, und der Laden legt einen Großteil seiner restlichen Kunden mit diesem Verhalten für ein paar Wochen flach.

    Ich war mal unfreiwilliger Beweis für sowas, nachdem durch genauso ein Verhalten (mit Geld hantieren und mit den selben Fingern direkt danach das Essen auffüllen, das Geschirr sortieren, Essen zubereiten usw.) in der Firmenkantine einer großen Hamburger Motorradzubehörladenkette über 50% der Belegschaft per Salmonellenvergiftung für teilweise über zwei Wochen außer Gefecht gesetzt wurden. Danach (Meldungspflichtig, Riesenbohei mit Gesundheitsamt) wurde dann eine weiter Kraft in die Kantine gestellt, die das Kassieren übernahm, so daß Essenshände nur noch mit Essen und Geldhände nur noch mit Geld zu tun haben.

    Vorher gab's jahrelang keine Probleme mit dem unverantwortlichen Verhalten, aber wie gesagt: ein Infizierter mit seiner eigenen Scheiße an den Fingern unter den Kunden, und die Chance für Klopapiernotstand bei allen anderen steigt rapide.

    So eine Salmonellenvergiftung wünscht man seinem ärgsten Feind nicht, das möchte ich nie wieder erleben.

    Insofern sollte wohl mal jemand ihren Lieblingsladen über das korrekte Verhalten aufklären. Oder die Sache dem Gesundheitsamt melden.

    Gruß Paddy

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  16. Ach, ich bin selbstbewusst genug zu glauben, dass beide hier mitlesen … ;-)

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  17. xs4all, die grinsenden Arme hätte ich Ihnen natürlich mit Freuden aufs Transmontanasandwich geschmiert, aber Sie waren Fuchs genug, um mir das in vorauseilender Selbstironie zu vermasseln. Mist!

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  18. Eben wollte ich noch etwas dazu sagen. Aber jetzt ists irgendwie weg. Schade, was?

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  19. xs4all, Sie können hier unbesorgt Kommentare anknabbern, denn Matt hat sehr strenge Hygienevorschriften, an die sich jeder halten muss. Erst letzte Woche wollte er von mir ein Attest vom Gesundheitsamt und ein polizeiliches Führungszeugnis!
    Und GP muss aus beruflichen Gründen sehr großen Wert auf Hygiene legen. Er hinterlässt nicht einmal Fingerabdrücke, auch nicht beim Kommentieren.

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  20. Ja, in der Tat. Meine Kollegen gucken zwar immer komisch, wenn ich behandschuht und mit Ganzkörperschutz bekleidet vorm Rechner sitze (ich wollte gerade „sieze” schreiben, aber dazu ist mein Rechner mir doch zu nah), aber da muß ich durch.

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  21. Laban12:14

    ...und dran denken: Immer VOR dem Pinkeln Hände waschen, nicht danach. Gilt hauptsächlich für uns Jungens.

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  22. Anonym13:50

    Auch danach. Denn Man(n) (auch Frau) kann da Dinge mit sich herumtragen, die bei einem selbst zwar nichts machen und von denen man also gar nichts weiß, die aber dennoch auf andere verteilt werden, wenn man sich die Flossen danach nicht wäscht.

    Gab' mal einen Test der Hygiene bei Leihschlittschuhen von Eisbahnen. Neben diversen Fußpilzarten (war mit zu rechnen) fand' man in einigen Schuhen böse Vaginalpilze(!). Sowas kann da nur durch "brauch' nicht Händewaschen weil ich bin ja sauber" reinkommen.

    Gruß Paddy

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  23. Laban, wie soll ich nach diesem Kommentar jemals wieder unbefangen einem Mann die Hand schütteln???
    *Kopfkino*

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  24. Die Versuchung war übrigens zu groß, den Blogtext noch einmal abzuändern und die Transmontanamatrone an geeigneter Stelle als „Ms. Salmonella“ zu bezeichnen. Deshalb habe ich es einfach getan, so.

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  25. xs4all02:31

    Die Versuchung, nachträglich Veränderungen in der Geschichtsschreibung vorzunehmen besteht ja nicht erst seit gestern, werter Herr Matt, daher seien Sie unbesorgt.
    Immerhin weisen Sie ja explizit in Ihrem letzten Kommentar darauf hin, das ehrt Sie und nötigt mir ein gerüttelt Maß an Respekt ab.
    Aber was ist denn nun mit dem versprochenen Transmontanasandwich, transformiert sich das jetzt automatisch zu einem Salmonellasandwich oder besteht da noch irgendeine eine Chance auf den ursprünglich avisierten Aggregatzustand ?

    ...etwas albern kichernd sein müdes Haupt in Morpheus Arme begebend und ergebenst grüßend...

    xs4all

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  26. xs4all02:34

    oh mist, ein "eine" zuviel, wenn man das bitte überlesen könnte, Danke ! ;)

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  27. Die Transformation in ein Salmonellasandwich ist sehr wahrscheinlich, ja.

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  28. @xs4all

    Sehr wohl können Arme grinsen, denn Humor hat nichts mit dem Kontostand zu tun.

    MfG, Ich

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