13 September 2010

Von einem Chinesen verkloppt



Der Chinamarkt vorm Rathaus bietet allerlei fernöstlichen Nippes, aber auch Bratreis und vor allem: Massagen!

Da kann ich nicht nein sagen und betrete ein offenes Zelt, um mir von einer chinesischen Expertin eine zehnminütige Kopf- und Rückenmassage verpassen zu lassen. Hinter mir steht ein pickliger Zweimetermann mit dem gleichen Begehr. Da zwei Masseurinnen aktiv sind, kommen wir gleichzeitig dran. Die Damen legen los, während irgendwo da draußen ein Leierkastenmann einen kongenial unpassenden Soundtrack beisteuert: „Lili Marleen“.

Schon nach kurzer Zeit offenbart der Lulatsch neben mir ungefragt eine ganz persönliche Vorliebe: „Endlich mal eine Frau“, seufzt er, „die hart zupacken kann.“ Die Chinesin kichert. Vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Nach zehn angenehmen Minuten schlendere ich weiter, bin aber jetzt richtig angefixt. Mein Rücken muss sich anfühlen wie in der Sonne geschmolzenes Hartgummi, erst dann bin ich zufrieden. Schon erspähe ich ein weiteres Massagezelt, es offeriert 20 Minuten für ebensoviele Euro.

Zwei Männer höchst unterschiedlichen Zuschnitts bearbeiten gerade zwei Kunden. Yin und Yang sozusagen. Der eine ist der Thomas Berthold der Chinamassage. Mit den Lidern auf Halbmast blickt er desinteressiert hinaus in die Welt, während seine Hände selbstvergessen einen Frauenrücken walken.

Der andere hingegen wirkt wie der Jürgen Kohler des Knetens: engagiert bis unter die Achselhaare, mit Armen und Beinen sein Opfer wild beackernd – enemy mine. Seine Massagetechnik hat etwas Judoartiges, vergröbert mit einem gehörigen Schuss Holzfällertum. Das ist mein Mann!

„Ich möchte gern ihn da“, flüstere ich der Chinesin zu, die an einem zum Tresen umfunktionierten Tisch für die Verwaltung zuständig ist, und zeige auf den strupphaarigen Berserker. „Aber der andere“, flüstert sie zurück, „ist besser.“ „Trotzdem“, raune ich.

Wenig später rammt mir ein skrupelloser Chinese Ellbogen und Knie in den Rücken, dass die Wirbelsäule knirscht, er zwiebelt mir die Ohrläppchen, zieht meine Finger lang, und am Ende entfacht er auf meinen Schultern ein Trommelfeuer aus Schlägen, als wäre ich seine Schwiegermutter. Uff.

Nach diesen 20 Minuten gönne ich mir ein Tsingtaobier, ein leider laues Lager auf Reisbasis mit der Würze und Aromatik von destilliertem Wasser.

Aber das kann man ja vorher nicht wissen.

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Kommentare:

  1. Anonym09:25

    20 Doppelmark für 20 Minuten - hat es denn wenigstens etwas gebracht?

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  2. Aber Matt! Reis hat in einem Bier der ehemaligen Germania-Brauerei natürlich nichts verloren. Bis vor kurzem brauten die sogar noch nach dem Deutschen Reihnheitsgebot.

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  3. Anonym11:28

    Das gehört Beides (oder Dreies?) für mich in die Kategorie "Na und! Manche Leute lassen sich die Genitalien spalten und zahlen auch noch Geld dafür.".

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  4. Matt, Sie lassen sich verprügeln und bezahlen noch dafür? Soso..

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  5. Anna, das ist hier in Hamburg ganz normal.

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  6. GP, ja, ich weiß!
    Aber von Matt hätte ich das nicht gedacht. Er trägt schließlich Funktionsjacken und geht zur Rückenschule.

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  7. Als ob das nicht schon Beweis genug für seinen Masochismus gewesen wäre!

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  8. Moment mal: Chinamannmassage IST Rückenschule! Und zwar eine, in der noch Zucht und Ordnung herrscht!

    Außerdem hat eine Tracht Prügel noch niemand geschadet, wussten Sie das nicht? Domenica wusste das.

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  9. GP, Ihre Logik ist bestechend!

    Matt, Sie und Domenica? Ich glaub, ich hab jetzt Kopfkino...

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  10. Ich nicht. Ich nicht. Ich nicht. Lalalala. Ich les gar nicht mit.

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  11. miele19:16

    matt du bist ein vollmaso.

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  12. Miele, wenn das jemand beurteilen kann, dann ja wohl Sie … ;-)

    Anna, ich habe – um das klarzustellen – Domenica nur mal auf der Post getroffen. Und das war lange NACH ihrer aktiven Zeit.

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  13. "Auf der Post getroffen." - bestimmt so ein Codewort aus Ihren.. äh.. Kreisen.

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  14. Anna, Sie sind einfach die beste Kommentatorin der (mir bekannten) Welt. Wollt ich nur mal loswerden.

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  15. Ich hingegen finde, Sie beide liefern sich ein glorioses Kopf-an-Kopf-Rennen.

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  16. Oh, danke, GP. :-)
    Huch, Hach, also ich kann doch nicht.. also gut: Ich nehme den Preis an und reiche ihn an Sie weiter. Natürlich ohne das "in"!
    Wollt ich auch mal loswerden. :-)

    Matt, klar. Wir sind Ihre kleinen Pferdchen und Sie lassen die Peitsche knallen.. Ganz nach Ihrem Geschmack, nicht wahr!?



    Haha, reingefallen. Scherzchen.

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  17. Na, dann wäre ich doch chinesischer Masseur geworden, Sie Dummerchen! Oder Domenico!

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  18. Ich habe mich informiert, da ich als stets interessierte Leserin Ihre.. äh.. Hobbies verstehen wollte.
    Man kann auch switchen, las ich im weltweiten Internet:
    "Heute hau mich, morgen schlag ich, übermorgen hol ich mir der Domenica Kilt."

    Domenico Wagner, warum nicht. Klingt doch gut.
    GP und ich würden natürlich weiterhin zu Ihnen halten, das ist ja wohl klar.

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  19. Sehr schön. Dann sollten wir alle zusammen mal in den Switcherclub gehen.

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  20. OK, Sie gehen mal schön in den Switcherclub. Ich muß ja nicht bei allem mitmachen, was Sie so tun. Oder? Oder doch?

    Anna, übrigens muß ich energisch zurückweisen, daß ich weiterhin zu Matt hielte, wenn er sich auf einmal in einen peitschenschwingenden Stricher verwandelte. Also vielleicht nicht energisch, aber schon sehr sicher, also vermutlich, jedenfalls eventuell.

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  21. Matt, Sie gehen in den Switcherclub, während GP und ich vor der Tür stehen, rauchen und aufpassen, dass keiner reinkommt, der Sie kennen könnte.

    GP, ich hielte auf jeden Fall zu ihm! Zu 1000 Prozent! Aber ich muss ja auch nicht mit ihm ausgehen... Hihi..

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  22. Ich doch auch, Anna. Aber das würd ich ihm natürlich nicht sagen wollen. Sonst tut er sowas am End tatsächlich noch.

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