10 September 2010

Der Taxifeind

An der Fußgängerampel Mitte der Reeperbahn warte ich gemeinsam mit einem älteren Herrn auf Grün. Er scheint gutsituiert in seiner legeren hellen Freizeitkleidung.

Wir warten. Ein Taxi fährt vorbei. Der ältere Herr schaut ihm nach und sagt leise: „Arschloch.“

Er sagt es so ruhig und bedächtig, als würde er in der Kneipe ein weiteres Bier höflich mit „Nein, danke“ ablehnen.

Ein weiteres Taxi. Diesmal biegt es neben uns vom Spielbudenplatz auf die Reeperbahn ein. Der ältere Herr schaut gelassen auf das Fahrzeug herunter, als es ihn umkurvt, und sagt es wieder: „Arschloch.“

Alle anderen Autos lässt er verbal unbehelligt vorüberfahren. Nur den Taxis sagt er seine Meinung, und zwar so, als würde er höflich „Nein, danke“ sagen.

Auf dem Kiez sieht man keinem an, was gerade in ihm vorgeht, das wird mal wieder überdeutlich. Und dann wird die Ampel grün, und wir gehen beider unserer Wege.



Kommentare:

  1. Kann ich völlig nachvollziehen.
    Ich hab einen Nachbarn, da denke ich auch immer "Arschloch", wenn ich den sehe.
    Und das würde mir niemand zutrauen. Niemand!
    Nicht einmal, dass ich so ein böses Wort kenne.

    Ps: Manchmal denke ich sogar "blödes Arschloch!". Aber nur, wenn ich schlechte Laune habe.

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  2. Anonym13:40

    Es gibt halt solche und solche, nicht?! ;-)
    Es hätte mich aber gleichermaßen irritiert.

    Lieben Gruß,
    Josie

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  3. Vielleicht hat er ganz fürchterliche Erfahrungen mit Taxi-Fahrern gemacht? Oder es waren immer Taxen einer bestimmten Gesellschaft und genau diese ist daran Schuld, dass sein kleines Taxi-Unternehmen, welches nur über zwei Wagen und vier Fahrer verfügte, dicht machen musste? Schicksalsschalg, ick hör Dir trapsen. Steckste nich' drin!

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  4. blogspargel20:55

    Frau Anna, ich glaube wirklich nicht, dass Sie dieses böse Wort kennen. Wenn jemand nicht, dann Sie, da bin ich ganz sicher. Ich glaube, das haben Sie hier aufgeschnappt und Sie sagen eigentlich immer "Taxi" oder "blödes Taxi" zum Nachbarn, wenn Sie schlechte Laune haben.

    Aber es geht ja noch, wenn Sie es nur zum Nachbarn sagen, ich ertappe mich ab und zu dabei, zu dem Mann im Spiegel so zu sprechen. Ein übler Zeitgenosse, kann ich Ihnen sagen, jedenfalls manchmal.

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  5. Ach Mann, Sie haben mich durchschaut, Herr Blogspargel. Da wollte ich einmal so richtig wild und gefährlich sein und schon gehts daneben..
    Stimmt, letztens hab ich "blödes Taxi" gedacht und der Nachbar hat darauf leise gehupt. Ich hab dann gerufen "Folgen Sie diesem Wagen, aber schnell!" und er fuhr mit quietschendem Keilriemen davon!

    So können Sie doch nicht zu dem Mann im Spiegel reden. Seien Sie doch nett zu dem!
    Sie müssen ja nicht gerade moonwalken, aber ein bisschen netter wäre schon netter!

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