30 August 2009

Fundstücke (55): Von Metaphernhöllen & Denglishgedengel

1. Die abgebildete Anzeige aus der Mopo stellt zweifellos einen neuen Höhepunkt in der Disziplin „Fisch sucht Fahrrad“ dar. So vieles geht da schief, von der widernatürlich süßen Zitrone über die Denunzierung des eigenen Kindes als „Schädling“ bis hin zum unfreiwillig derben „Entsafter“, der unbedingt „funktionsfähig“, also keineswegs impotent zu sein hat.

Doch sollte Letzterer nicht eher, um im metaphorischen Subtext zu bleiben, dahingehend funktionieren, dass er „Saft“ beisteuert statt ihn zu stibitzen? Und warum soll der Herr Entsafter bloß für einen abgerundeteren Geschmack sorgen, wo doch die Zitrone schon gar nicht mehr sauer, sondern verblüffenderweise süß ist?

Vielleicht sucht die 38-Jährige Anzeigenschalterin aber in Wahrheit auch nur nach einem Auftragskiller, der ihr den Schädling vom Hals schafft, möglichst mithilfe eines Entsafters. Allerdings gibt so was erfahrungsgemäß eine Riesensauerei – und kostet bestimmt Aufpreis in Auftragskillerkreisen.

2. In Kölle hat man nur eins im Kopp: Sex! Natürlich ist das eine unzulässige Verallgemeinerung, ich weiß – zumal die Basis nur ein einziger Leser darstellt, der sich allerdings anderthalb Stunden lang in jene Einträge meines Blogs vertiefte, die mit Sex etikettiert sind.

3. Jan Leube ist Berliner Kreativchef der Werbeagentur BBDO – und eindeutig die Jil Sander des neuen Jahrtausends. Und zwar wegen dieses Denglishgedengels:
„Gerade jetzt, da die klassischen Bezahlbühnen zunehmend in die Knie gehen“, salbaderte Leube nämlich vor einigen Wochen öffentlich, „wird Content, der so compelling ist, dass er sich von alleine durchsetzt, zur einzig wichtigen Währung in der Attention Industry formerly known as Advertising.“
Da Leube Anglist ist, steht zu vermuten, dass während seines Sprachstudiums einfach einige Synapsen falsch verdrahtet wurden und er sie jetzt nicht mehr entwirren kann. Zum Glück gilt das in seiner Branche nicht als Behinderung.

4. „Holt er nur die Zeitung rein/möcht ich seine Zeitung sein.“ Balzversuch von Uschi Glas im Song „Mein Wochenende“. Allerdings ist die Peinlichkeit verjährt, das Stück ist von 1973.



Kommentare:

  1. Mich verblüfft ein wenig, dass Sie aus Erfahrung berichten können, dass das Umbringen eines Menschen eine rießen Sauerei gibt. Ich hoffe, Sie entwickeln diese Erfahrung aus Erzählungen des Herrn GP und nicht aus eigener Aktivität.

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  2. Das lasse ich lieber mal offen. Man muss sich schließlich nicht selbst belasten; das ist ein Rechtsgrundsatz …

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  3. Nils die Maus12:01

    Ich bezweifle mal ganz stark, dass es bis jetzt nur bei Erzählungen geblieben ist...

    Aber wie der Gastgeber schon schrieb, Schweigen ist hier eine gute Wahl.

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  4. Anonym12:04

    :o)

    http://www.youtube.com/watch?v=phUaIhy1Q6U

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  5. Also das mit der Zitrone und dem Schädling finde ich hat was *lach*

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  6. Uschi Glas' Text ist doch ganz nett. Übrigens kann man das anglizismenverseuchte Deutsch auch ganz deutsch schreiben: Denglisch.

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  7. Stimmt – aber auch andersrum.

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