23 April 2009

Das Hinternargument

Der Franke will zu Kieser. Ich bin entsetzt.

Immerhin: Dass Mr. Wachsende Wampe überhaupt anfängt, körperliche Ertüchtigung als Option zu erwägen, gehört zu den größten Sensationen seit Entdeckung des Turiner Grabtuchs.

Gleichwohl liebäugelt er mit dem falschen Anbieter – und das auch nur aus Bequemlichkeit, weil nämlich eins dieser monothematischen (Rücken!) Quälstudios bei ihm in Eimsbüttel um die Ecke liegt.

„Geh da nicht hin!“, beschwöre ich ihn. „Qual, Askese und Selbstkasteiung erwarten dich dort!“ Stichhaltige Argumente, die selbst ein Franke kognitiv verarbeiten können müsste, doch er bleibt seltsam still.

Plötzlich fällt mir ein, dass er ja als Katholik sozialisiert wurde, also gewissermaßen zu den Miterfindern der Selbstgeißelung gehört. Vielleicht erweckt Kieser einfach bittersüße Kindheitserinnerungen in ihm.

„In meinem Fitnessclub“, locke ich ihn gleichwohl, „kannst du schönen Frauen auf den Hintern starren und danach gepflegt saunieren, und zwar gemischt! Na?“ Außerdem sehen die Flaschenregale dort schön aus (Foto).

Richtig überzeugt ihn das alles aber noch immer nicht. Er stopft sich weiter wortlos löffelweise lavaheiße Lasagne in den Schlund, während die Option Kieser über ihm schwebt wie ein Damoklesschwert, das er für ein Origamiflorett hält.

„Da kann man dreimal kostenlos trainieren“, nuschelt er zwischen Blattnudeln und Hackfleischbrocken. „Mensch, Franke, Probetraining besorge ich dir auch!“, weise ich ihn erbarmungslos zurecht.

Doch alles vergeblich: Der Standortvorteil ist für ihn ein Killerargument. Läge die Hölle in Eimsbüttel und böte Hanteltraining mit gleichzeitigem Gegrilltwerden: Er unterschriebe sofort den Vertrag, Hauptsache, er hätte es von dort nur zwei Minuten nach Hause.

Vielleicht sollte ich ihm also die Sache mit der körperlichen Ertüchtigung einfach komplett ausreden. Denn so wie er isst, verbraucht er schon genug Kalorien. Und Muskelaufbau ist bei seiner spezifischen Art der Messer- und Gabelhandhabung ebenfalls eine gleichsam beiläufige Nebenwirkung.

Nur an den Hintern schöner Frauen mangelt es in seiner Welt. Vielleicht ein Ansatzpunkt, den ich noch mal vertiefen sollte, als letzte Rettung vor Kieser.


Kommentare:

  1. Joshuatree01:25

    Das Kieser-Bashing kann ich nicht unterschreiben.

    Tatsächlich machte ich (wieder) die Erfahrung, dass sich Frauen den örtlichen Fitnessclub-Frauensaunen abwenden, um in die gemischte Sauna zu kommen. Verfluchte 68er oder einfach nur Menschsein?

    btw: Ich erfuhr gerade, dass ich Lloyd Coles Folksinger Cds mit Autogramm von einem Freund bekomme, der heute bei seinem Konzert in Karlsruhe war. Mit Autogramm.

    Fazit: "Is ist really such a Sin - in your pain"

    AntwortenLöschen
  2. Ich werde den Franken in die Kaifu-Lodge entreißen!

    AntwortenLöschen
  3. Ist ihm zu teuer, habe ich schon thematisiert.

    AntwortenLöschen
  4. Ich kann dem Franken hingegen nur von „unserem” Studio abraten. Ich habe ja meine Mitgliedschaft bereits gekündigt, unser Lieblingstrainer geht übrigens auch, G. ebenfalls... Franke, Sie haben recht.

    AntwortenLöschen
  5. Herr Sternenschlüssel15:13

    Ja Matt, wann darf ich Sie denn für die Kaifu werben? GP, what about you? Ein Ende kann ein Anfang sein.

    Ooook, ich gestehe, wir sind ja unter uns: Das Motiv ist Eigennutz! Mir bringt das jeweils einen Freimonat - und, Matt, Sie wissen, wie kärglich man als Tippse verGÜTEt wird, nicht wahr?!

    AntwortenLöschen
  6. Ich suche in der Tat noch ein Studio. Aber nur eines, das den Mitgliedern keine Provision für das Werben neuer Mitglieder bezahlt.

    AntwortenLöschen
  7. Herr Sternenschlüssel23:08

    GP, es steht ihnen ja frei, meinen Klarnamen beim Ausfüllen des Mitgliedformulars einzutragen, fertig ist die Laube...schon klar: In Zeiten wie diesen muss man seine Habgier klar und zielgerichtet dosieren, aber tut ja auch keinem weh. Schwund ist überall!

    AntwortenLöschen