22 November 2008

Höflichkeit hält hungrig

Nach dem Hauskonzert in der Othmarschener Prachtvilla gab es ein adäquates Buffet – und dazu kostenlos die Erkenntnis, wie man einen höflichen Mann komplett lahmlegen kann.

Der Kontrabassist kam mit einem souverän befüllten Teller in der linken und einem Glas Wein in der rechten Hand vom Buffet. Was ihm nur noch fehlte zu seinem Glück, war eine geeignete Abstellfläche.

Die war sowieso schwer zu finden in dieser mit Steinwayflügeln, Celli und Geigen edel drapierten Wohnung, doch sein Schicksal sollten zwei Grazien besiegeln, die unverhofft mit ihm das Gespräch suchten.

Da stand er nun in the middle of nowhere, der arme hungrige Mann, aus Etikettegründen unfähig, die Damen zu fliehen und dank der fehlenden dritten Hand ebenso unfähig, sich wenigstens parallel an den kulinarischen Köstlichkeiten zu delektieren, die ihm unerreichbar nah vorm Munde schwebten wie einem Esel der Heueimer.

Ms. Columbo und ich saßen neben dem Steinway, verzehrten behaglich Linsensalat und Pflaumen im Speckmantel, nippten am rheinhessischen Kabinettriesling und amüsierten uns still über die Szenerie.

Sie war unterhaltsamer als das Hauskonzert zuvor. Und ja, ich weiß: Wir sind fies.

Aber auch satt.


Kommentare:

  1. Hier mal was richtig fieses. grins.

    http://www.youtube.com/user/MontyPython

    Der Offizielle Monty Python Chanal.
    Yes.

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  2. hughunter11:46

    Ähm..."unfähig, die Damen zu fliehen"...
    Sie wissen, wie sehr ich Ihre Eloquenz verehre...aber "unfähig, die Damen zu fliehen"?
    Mit bitte der Erläuterung, höflichste Grüße
    hughunter

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  3. Es handelt sich um eine etwas gespreizte und veraltete Form, doch sie ist grammatikalisch problemlos möglich: „Ich fliehe etwas“ geht genauso wie „Ich fliehe vor etwas“. Bedeutet das Gleiche.

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  4. HerrUnbekannt21:39

    In diesem Fall würde ich Höflichkeit mit Dummheit gleichsetzen. Es sei denn Sie beschreiben die erwähnten Grazien näher.

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  5. Tolle Grazien. Neben Ms. Columbo die attraktivsten Damen des Abends.

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  6. hughunter12:13

    Vielen Dank Herr Matt. Sie machen mich immer wieder lernen. -g-

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  7. olaf18:46

    (Ich kenne ja niemanden der Helden dieses blogs persönlich, aber:)
    "Neben" Ms. Columbo die attraktivsten Damen des Abends, nicht "nach" Ms. Columbo (wahlweise: "in xxx großem Abstand nach Ms. Columbo"). Oha - Herr Matt, sollten Sie eine Karriere im Diplomatischen Dienst anstreben, dann kann das mit solchen Formulierungsstrukturen heikel werden. Auch mit befreundeten Mächten.
    Hoffentlich liest sie das hier nicht. ;-)
    Der arme Kontrabassist hätte aber gegenüber diesen "(...) attraktivsten Damen des Abends" auf hilfsbedürftig machen können. Die meisten Frauen springen darauf an - es ist unglaublich.
    Und dann hätte er von der so erfüllenden Parallelität der degustatorischen und sozialsympathischen Genüsse (der Damen Antlitz, Worte, Lächeln, Liebreiz etc.) der Konversation schwurbeln und schmachten können, die er durch die Hilfe (einer) der beiden gerade zu seiner Freude erfährt. Gibt es einen besseren Beginn einer wunderbaren Begegnung mit amourösem Potential bis hin zur menage a trois ?
    Da hätte Pierce Brosnan nicht mithalten können.
    Weder gerührt noch geschüttelt.
    Ist Ihr Kontrabassist nun ein Töffel ? Bestimmt war er ernst verheiratet und wenn nicht, dann trägt er zuhause und bei den Proben und beim Einkaufen bestimmt Cordhosen, sandbraun. Und Sandalen.
    Bestimmt irre ich mich.
    Ich höre jetzt wohl besser auf.

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  8. Wenn Sie glauben, verehrter Olaf, Ms. Columbo schätzte billige Komplimente, so liegen Sie ganz und gar falsch.

    Der Musiker übrigens war so eine Art Barack Obama unter den Kontrabassisten.

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  9. olaf20:53

    Ach so. ;-)

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  10. Jede Frau, lieber Matt, schätzt billige Komplimente, solange sie nur mit Inbrunst vorgetragen werden.

    Auch, wenn sie es nicht immer zugeben.

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  11. Ach, echt? Mist, dann habe ich jahrzehntelang die falsche Taktik verfolgt …

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