07 Oktober 2011

Wo ist mein Kindle?



Mein Kindle, endlich wurde er geliefert!

Aufgeregt eile ich mit dem DHL-Abholzettel zur Nachbarin, die ihn laut Benachrichtigung entgegengenommen haben soll – doch die ist ehrlich überrascht und weiß von nichts.

Anruf bei DHL. Nach minutenlangem Dialog mit einer Computerstimme, der ich in blödsinnigem Roboterstakkato Zahlen, Jas und Neins vorsagen muss, lande ich endlich bei einem menschlichen Wesen, dem ich mein Kindlechaos schildern kann.

Wie sich rasch herausstellt, hat man bei DHL kurioserweise sogar mich persönlich als Abnehmer des Päckchens dokumentiert, nicht etwa die Nachbarin. Mein Einwand, ich sei zum fraglichen Zeitpunkt brav meinem Brotjob im Büro nachgegangen, was notwendig sei, da ich mir andernfalls keinen Kindle leisten könne, generiert am anderen Ende blanke Ratlosigkeit.

Die Callcenterdame ruft die Kopie der Empfängerunterschrift auf. „Haben Sie jemand im Haus, dessen Name mit Ga beginnt?“, fragt sie. „HABEN WIR JEMAND IM HAUS, DESSEN NAME MIT GA BEGINNT?“, rufe ich die Frage weiter in Richtung Ms. Columbo. Nein, niemand mit Ga.

„Ist es vielleicht ein Pa?“, frage ich die DHL-Dame. „Wir haben jemand mit Pa im Haus.“ Nein, keinesfalls, kopfschüttelt sie.

Wo also ist mein Kindle, DHL?! Man verspricht, sich zu kümmern, man will den Auslieferer befragen, wenn nicht gar zur Rede stellen.

Und wenn vielleicht doch die Nachbarin …?

Nein, ausgeschlossen; sag’s nicht, denk’s nicht mal.

Bestimmt hat DHL Mist gebaut. Vielleicht war es ein muffeliger Zusteller, frustriert von Leuten, die tagein, tagaus die Frechheit besitzen, nicht zu Hause zu sein, wenn er klingelt – einer, der Zettel hinterlässt wie den oben dokumentierten, den mir unlängst eine amüsierte Kollegin mailte.

Das Interessante an dieser DHL-Botschaft ist nicht nur, dass hier ein Dienstleister mal den Spieß umdreht und offensiv den Kunden anblafft, sondern die Tatsache, dass er mitten im Blaffen vom Duzen ins Siezen übergeht. „Sei doch endlich da, wenn Sie so viel bestellen“: Das ist ein Satz von vielschichtigem Reiz, auch und gerade semantisch.

Aber wo ist mein Kindle, verdammt?

Fortsetzung folgt, und am Ende wird alles gut.



Nachtrag 16:50 Uhr: Alles wurde gut. Der DHL-Wuselkopf hatte einen falschen Namen auf die Benachrichtigungskarte geschrieben, aber inzwischen ist die richtige Person identifiziert. Seit heute Mittag kindle ich schon.

Kommentare:

  1. DAS würde mich auch beschäftigen. Meiner ist heute problemlos geliefert worden ;-)

    Findet der Wechsel nicht eigentlich vom Duzen ins Siezen statt?

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  2. Danke, korrigiert!

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  3. Anonym08:17

    Ich hätte ja noch die paar Wochen auf den Kindle Fire gewartet.

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  4. Durchaus auch mal die Nachbarhäuser in die Suche einbeziehen! Ich hatte auch schon Mal den Fall, dass ich einen solche Nachricht vorfand, aber nicht wusste, zu welchem Namen das Gekrakel passen könnte. Die Lösung war dann: Ein Hauseingang weiter wohnte jemand, der halbwegs passte, und der hatte tatsächlich das Paket! Ein Hinweis auf das Nachbarhaus war aber auch nicht auf dem Zettel zu finden, wenn man weiß, wonach man sucht.

    Rekord war übrigens mal eine Paketabgabe in der nächsten Apotheke, zum Glück war es lesbar geschrieben, sonst hätte ich es nie gefunden: Die ist mal eben 300 Meter und zwei Straßen weiter in einem kleinen Einkaufszentrum ...

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  5. Anonym09:02

    Angesichts der Handschrift (das S und der Übergang vom unteren Bogen zum nächsten Buchstaben) tippe ich eher auf jemanden mit "Sa". Eventuell auch ein Ladengeschäft in der Nähe ? Da ist ja meist jemand.
    Bei mir geben die nie etwas beim Nachbarn ab, weil das angeblich nicht ginge - obwohl das Benachrichtigungsformular das offenbar vorsieht. Sogar bei einem DIN a 4-Briefumschlag, der locker in den Briefkasten gepaßt hätte. Den konnte ich mir dann superumständlich beim Postamt abholen.
    Die Post AG/ DHL ist ein merkwürdiger Laden. Aber Sie haben doch ohnehin das beschissenste Postamt der Welt um die Ecke, war das nicht so ?

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  6. Nein, so habe ich das niemals ausgedrückt.

    Usul, Sie machen mir Angst.

    Anonym 08:17: Das Fire-Modell ist ja nicht aus der Welt. Ich probiere erst mal den hier aus (14-tägiges Rückgaberecht!). Aber dazu muss er natürlich auch geliefert werden. Was heißt noch mal DHL – „dauert halt länger“ …?

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  7. Anonym 09:02: Die abgebildete Benachrichtigung hat mit meinem Fall überhaupt nichts zu tun, sie stammt von einer Freundin (s. Beitrag).

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  8. Es macht ja auch richtig Sinn, ein Paket so weit weg abzugeben, wenn man dann (eigentlich) nochmal zurück kommen muss, um die Benachrichtigungskarte zu schreiben...

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  9. Medienfreak10:30

    @Rostkopp

    Wenn man gleich die Pakete der gesamten Nachbarschaft in der Apotheke abgibt und anschließend nur noch die Benachrichtigungskarten verteilt, dann schon. Und die Provision für zugestellte Pakete, gibt's dann auch.

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  10. Anonym11:00

    Zuhausesein kann Sie auch nicht unbedingt vor Enttäuschungen mit der DHL retten. Mir sagte einst eine nette Postmitarbeiterin, die lediglich die Abholkarte in meinen Briefkasten warf: "Das Paket liegt im Postamt, da können Sie es abholen, es ist nicht meine Aufgabe, Ihnen das vorbeizubringen. Können Sie sich vorstellen, wieviel ich zu schleppen hätte, wenn ich all die Pakete mitnehmen würde?" Kein Witz, wirklich so passiert.

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  11. Anonym11:14

    Wie wäre es denn mit der PACKSTATION 129, Budapester Str. 29, St. Pauli, 20359 Hamburg?

    Harmoniert (nicht nur) mit Amazonbestellungen.

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  12. Das waren dann zehn Tafeln Schokolade für den DHL-Mann...

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  13. Anonym14:44

    @Anonym, 11:00 Uhr
    Das ist normal: die Postboten nehmen nur kleine Päckchen mit zur Auslieferung. Die Benachrichtigungskarten werden per Postbote zugestellt, wenn der Paketauslieferer am Vortag nicht in's Haus gelangte, um die Benachrichtigung direkt in den Briefkasten werfen zu können.

    Ich schließe mich da aber Anonym, 11:14 an, die Packstationen sind wunderbar. 1) Muss man nicht zuhause sein, 2) versendet Amazon dann immer mit DHL statt Hermes.

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  14. Mannomann, ich kenne das, Als ich ein Sportgerät bestellte (kannst Du nachlesen im Blog), war das auch abhanden gekommen. Ich hatte aber gleich beim Onlineshop angerufen, die mir einen Ersatz schickten. Das war im Juli. Doch, die Geschichte fand vor wenigen Tagen eine überraschende Fortsetzung, die es noch zu verbloggen gilt. Aber so viel kann ich sagen: Nur Mut! (und Geduld)

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  15. Anonym 09:0218:35

    Eigentlich habe ich das alles offenbar nicht wirklich verstanden, aber nun ist es ja wohl gut.
    Much ado about nothing. Okay - about a kindle.
    Klein Matt hat sein Spielzeug (sorry - es klingt ein wenig so).

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  16. Klein-Matt will doch nur lesen.

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  17. Anonym 09:0222:03

    Alles ist gut.
    Ich bin froh - seien Sie es auch (der Papst vor Ratze: > Berichten des Italienischen Fernsehens zufolge habe Wojtyla noch einen letzten Zettel, der an polnische Schwestern und Priester gerichtet gewesen seien soll, mit den Worten: 'Ich bin froh, seid ihr es auch.' geschrieben.<)
    http://de.wikinews.org/wiki/Karol_Wojtyla_ist_tot
    Ihr kindle wird im dunkeln katholisch leuchten... Hallelujah, es raucht weih...

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  18. Nihilistin14:18

    DHL: Ich bin neulich vom Glauben abgefallen. Wartete auf ein Amazon-Päckchen (nein, kein Kindle - gutes altes Papier). Handy klingelt. DHL-Zusteller ist dran: "Frau Nihilistin, wo sind sie? Ich stehe vor der Tür und Sie machen nicht auf". (Mein Staubsauger übertönte wohl die Klingel). Ich: "*&@+#???". Ich öffnete dann die Tür, wir beide glücklich. Der DHL-Mensch verriet mir: Wenn man bei Amazon seine Handynummer im Account hinterlegt hat, wird sie ganz klein auf dem Adressaufkleber angedruckt. Findige DHL-Menschen (wie der meinige) nutzen dann scheinbar ihre (private?) Handyflat und klingeln mal durch, bevor das Päckchen 3 Häuser weiter abgegeben wird.
    Ich beginne daher an Wunder zu glauben.

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  19. dLTexid17:30

    Ich möchte gerne, daß Findigkeit Einstellungsvoraussetzung bei DHL wird.

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  20. Anonym 22:03: Mein Kindle braucht Licht von außen, da leuchtet nix.

    Nihilisten, hören Sie auf mit Ihren Märchen!

    dLTexid, ein sehr lobenswerter Vorschlag. Ich würde ihn sogar generell auf alle Dienstleister erweitern wollen.

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  21. Nihilistin19:43

    Herr Matt, ich musste 44,6 Jahre alt werden, um dieses Wunder zu erleben. Zichtigen Sie mich daher bitte nicht der Märchenerzählerei.

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